Die Krippe im Paderborner Dom steht in diesem Jahr unter dem ideologisch aufgeladenen Motto der sogenannten Kinderrechte. Ausgerechnet die Kirche stellt sich hinter das politische Bestreben, die Rechte der Familie zu schmälern und dem Staat die Hoheit über die Kinderbetten zu gewähren. 
Krippe im Paderborner Dom
Die Krippe im Paderborner Dom im Jahr 2017. Foto: Peter Winnemöller – © Alle Rechte vorbehalten.

Vorweg gesagt, die Krippe im Paderborner Dom ist wahrlich kein Ausbund an Schönheit. Sie ist es so wenig, dass ich tief graben musste, bis ich obiges Foto aus dem Jahr 2017 fand. Wer eine schöne Domkrippe sehen möchte, dem sei ein Ausflug nach Osnabrück empfohlen. Lebensgroße Figuren zeigen das Weihnachtsgeschehen in der Krippenlandschaft von Jakob Holtmann.

Zurück nach Paderborn an die Krippe des Domes, die aktuell stark politisiert und ideologisch aufgeladen wird. In diesem Jahr, so teilt das Metropolitankapitel in Paderborn mit, steht

Die Domkrippe 2025 (…) ganz im Zeichen der Kinderrechte und lädt dazu ein, die Weihnachtsbotschaft als Auftrag zu verstehen: Kindern Schutz, Förderung und Beteiligung zu ermöglichen.

Kinderrechte bezieht sich hier auf einen umstrittenen Katalog von Rechten, die Kindern angeblich zugestanden werden sollen. Grüne und linke Parteien streben sogar an, die Kinderrechte in die Verfassung zu schreiben. Dies erstaunt umso mehr, als die Grundrechte in unserer Verfassung ausdrücklich für jeden Menschen unabhängig von seinem Alter gelten. Die Grundrechte sind Abwehrrechte gegen den Staat und Kinder genießen diesen Schutz in gleicher Weise, wie jeder andere. Es ist die Sache der Eltern, für die Kinder diese Rechte im Zweifelsfall einzufordern und zu erstreiten. Dazu genießt die Familie den besonderen Schutz unserer Verfassung und das Recht der Eltern ihre Kinder zu erziehen ist zugleich ihre Pflicht. Artikel 6 unseres Grundgesetzes erkennt den Eltern eine natürliche Vertretungsvollmacht für ihre Kinder zu. Unsere Verfassung hat hinreichend Vertrauen in die Eltern und nimmt damit an, dass diese ein natürliches Interesse am Wohlergehen ihrer Kinder haben. Staatlicher Eingriff ist jedoch nur dort erlaubt und erforderlich, wo das Wohl des Kindes gefährdet ist.

Beweislastumkehr zu Lasten der Familien

Ohne jeglichen Protest der Kirche wurde übrigens hier die Beweislast umgekehrt. Behörden können Eltern ihre Kinder entziehen ohne die Gefährdung beweisen müssen. Die Eltern sind – wenn schon alles passiert ist – in der Pflicht ihre Erziehungsfähigkeit zu beweisen. Kinderrechte, deren Wahrnehmung dann, da ja Kinder zwar Rechtssubjekte sind, aber ihre Rechte nicht selbst wahrnehmen können, müssten dann vom Staat wahrgenommen werden. Damit hätte dann der Staat die von Sozialisten geforderte Lufthoheit über die Kinderbetten.

Ein genauerer Blick zeigt die Verlogenheit dieses linksgrünen Projektes. Die Grundrechte gelten bereits vor unserer Geburt. Der Paragraf 218 stellt die vorgeburtliche Tötung eines Kindes unter Strafe. Es ist ein Recht, das in der Tat in die Verfassung gehörte: Das Recht eines jeden Menschen auf seine Geburt. Dass es ausgerechnet linke und grüne Ideologen sind, die den Kindern dies Recht nehmen wollen, zeigt den Zynismus und die Doppelmoral des Projekts Kinderrechte.

Grundrechte bestehen immer

Wir erhalten sie automatisch noch vor unserer Geburt, deswegen gilt die Tötung ungeborener Kinder ja auch immer noch als Straftat nach Paragraf 218. Das Kinderrecht auf Leben, also das Recht, auf die Welt kommen zu dürfen, ist wiederum ein Recht, das dieselben Grünen gerade allen Kindern verfassungswidrig nehmen wollen, indem sie die Legalisierung von Abtreibung fordern, wie die Kinderschützer der SPD und der Linken übrigens auch. Das nur als Beispiel für die Doppelmoral des Unterfangens „Kinderrechte in die Verfassung“. Den Protagonisten im Metropolitankapitel sei an dieser Stelle die Lektüre der Gutachten der Sachverständigen vor dem Rechtsausschuss des Bundestages aus dem Jahr 2013 dringend empfohlen. Man kann sie im Bundestagsarchiv nachlesen.

Geradezu absurd wirkt die Verknüpfung der Kinderrechteaktion mit der Krippe und dem örtlichen katholischen Waisenhaus, das neuerdings den reichlich infantilen Namen „Bonny5“ trägt. Ein Zirkusprojekt der Einrichtung, welches es auch schon auf dem umstrittenen Katholikentag gab, soll Teilnehmern ermöglichen

die Möglichkeit, eigene Talente zu entdecken, Selbstvertrauen aufzubauen, Grenzen zu überwinden und gemeinsam kreative Ausdrucksformen zu entwickeln.

Ferner sollen

Die Spendengelder der Krippenaktion (…) das Projekt umfassend ermöglichen: vom Zirkuszelt selbst über pädagogischer Begleitung und Kostüme bis hin zur künstlerischen Gestaltung.

Das Metropolitankapitel lädt die Besucher ein

…, die Krippe zu betrachten, die Botschaft der Kinderrechte zu reflektieren und mit einer Spende das Zirkusprojekt von Bonny5 zu unterstützen. Gemeinsam können wir jungen Menschen Mut machen, ihre Talente zu entfalten und ihre Zukunft aktiv zu gestalten.

Am Ende geht es nur um Geld

Eigentlich kann man sich jetzt beruhigt zurücklehnen. In für Paderborn typische Weise geht es am Ende wie immer darum Kohle einzusammeln. Man wird nicht das reichste Bistum der Welt, indem man sich politischen Fantasieprojekten hingibt. Dazu ist es nötig, harte und klingende Münze einzusammeln. Kinderrechte klingt so gut und so herrlich zeitgeistig, da nimmt doch die Kinderrechte her, um ein Prestigeprojekt des eigenen Kinderheims zu fördern und verquickt dies mit einer politischen Tarnbotschaft. Schon bei der Dreikönigsaktion diesen Jahres, bei der es am Ende auch nur darum geht, dass die Kids Geld sammeln, war ein Stuhl der Sedilien im Chorraum des Domes für Kinderrechte reserviert. Es scheint also, dass man nur allzu bereit ist, die naive Gutmütigkeit der Menschen (Wer hat denn was gegen Rechte für Kinder?) für eigene Zwecke auszunutzen, statt über dies schädliche Projekt aufzuklären.

Ideologisch überladen

Das macht es im Grunde noch viel schlimmer, als wenn man nur verblendet wäre. Die Kirche sollte gerade nach den Skandalen rund um pädosexuelle Straftaten von Klerikern an zumeist männlichen Jugendlichen für Kinder und für Familien zu einem sicheren Ort werden. Das bedeutet, dass man die klassische Familie aus miteinander verheirateten Eltern und ihren Kindern nach besten Möglichkeiten schützt und – hier auch lobbyistisch – unterstützt. Kindern gehören zu ihren Eltern. Eltern gehören zu ihren Kindern. Alles andere ist Notfall und Ausnahme und muss auch als solche dargestellt werden. Die Krippe eines Domes und das Weihnachtsfest dermaßen ideologisch aufzuladen, ist perfide und scheußlich. Zumal die Krippe des Paderborner Domes ohnehin schon keine Schönheit ist, fällt es mir in diesem Jahr nur umso leichter, einen großen Bogen darum zu machen. Das Paderborner Metropolitankapitel hat sich hier nicht mit Ruhm bekleckert.

Die heimische Krippe und die Krippe in vielen anderen Kirchen ist und bleibt eine Kunst gewordene Verkündigung des großen Wunders, wie tief der Unendliche sich zu uns herunterbeugt, dass er in Jesus Christus Mensch wird und unser Fleisch annimmt, um uns zu erlösen.