Der episkopale Kampf gegen rechts macht es auch jenen Katholiken schwer, den Bischöfen zu folgen, die keine AfD-Fans sind. Dieser Kampf gegen rechts ist ein Kampf gegen einen Popanz, der niemandem mehr schadet als der Kirche selbst.

Ein Bischof in einer fast leeren Kirche. Symbolbild. Welche Bedeutung hat die Kirche gerade im Osten, dass sie sich so gegen die AfD aufbläst? Foto: Peter Winnemöller mit KI erstellt.

Angesichts des aufkommenden Ostblocks soll sich Winston Churchill gefragt haben, ob man nicht die falsche Sau geschlachtet habe. Tatsächlich gab es kurz vor Ende des Zweiten Weltkrieges militärische Überlegungen, ob sich die Alliierten nicht mit Resten der deutschen Wehrmacht zusammentun sollten, um Stalin zu schlagen. Hätte, wäre, wenn verbietet sich beim Blick auf die Geschichte. Man tat es nicht, und so konnte der Kommunismus noch 45 weitere Jahre sein deutlich sichtbares Unwesen treiben. Wenn auch Stalin weit mehr Menschen umgebracht hat als die deutschen Nazis, so sind bis heute die Linken die Bösen und die Rechten die Schlechten. Man ignoriert dabei zu gerne, dass der Nationalsozialismus auch eine linke Bewegung war.

Wer aber dachte, mit dem Untergang der Sowjetunion und der deutschen Wiedervereinigung 1990 sei der sozialistische Spuk vorbei, täuschte sich gewaltig. Im Westen hatte sich eine Form von Sozialismus festgesetzt und in Gestalt der sogenannten 68er als Sozialliberalismus die Gesellschaft durchdrungen. Der Marsch durch die Institutionen ist gelungen. Daran sollte niemand zweifeln. Geholfen haben dabei auch Stalins Erben in der Deutschen Demokratischen Republik (DDR). Man lese das wunderbare Buch von Bettina Röhl (So macht der Kommunismus Spaß).

Er ist tief in unsere Gesellschaft eingedrungen, dieser 68er-Salonkommunismus. Auch die theologischen Fakultäten des Landes blieben davon nicht unberührt. Der politisch eher linke Theologieprofessor war spätestens seit den 1990er-Jahren eher der Normalfall. Es ist eine Binsenweisheit, dass man neben der Theologie an einer Universität auch den gesellschaftlichen Zeitgeist aufsaugt. Die gegenwärtige Generation deutscher Bischöfe hat zumeist in den späten 1980er- und frühen 1990er-Jahren studiert.

Marsch auch durch die Kirche

Vor Jahren sprach ein linker Referent in einem Seminar über die 68er davon, er sei ein 78er. Klar, zehn Jahre nach 1968 in der Oberstufe zu sein, bedeutete, für die Revolution zu spät zu kommen. Doch weit gefehlt. Es waren nicht die 68er, die den Marsch durch die Institutionen vollendeten. Es war die Generation danach, die später Intendanzen, Chefredaktionen, Verwaltungsspitzen, Gerichtspräsidien und andere Spitzenpositionen in Staat und Gesellschaft übernahm. Es gibt keinen gesellschaftlichen Bereich in Deutschland und Europa, der in den vergangenen 20 Jahren nicht final nach links gerutscht wäre. Inzwischen fließen so viele Steuermittel in linke Nichtregierungsorganisationen (NGOs), dass diese förmlich im Geld schwimmen.

Dass dies die Kirche ebenso trifft wie andere gesellschaftliche Einrichtungen, ist nicht zuletzt daran zu erkennen, dass sie bei den linken Megathemen Gender, Klima und Migration ganz vorne dabei ist. Natürlich sind die Bischöfe hier nicht die primären Treiber. Das sind die obersten Leitungsebenen in keiner Organisation. Diese Dinge kommen aus der mittleren Ebene und werden dort vorangetrieben. Die oberste Leitung, in der Kirche die Bischöfe, lässt sie jedoch durchgehen, fördert sie und unterschreibt für die Veröffentlichung.

Im Laufe der Jahre macht sich dann so mancher Bischof Ansichten zu eigen oder gesteht sich ein, sie schon immer gehabt zu haben, die in erheblicher Spannung zur Lehre der Kirche stehen. So und nicht anders kommt die Klimaideologie in die Kirche, so kommt die Genderagenda in die Schulpapiere und so macht man sich stark für eine Migration, an der man sich in Gestalt der kommerziell organisierten Caritas eine goldene Nase verdient. Das sind nur einige Beispiele.

Kein Bürgertum in der Kirche

Ein Bürgertum, das mit all dem nicht einverstanden ist und recht sorgenvoll auf die eine oder andere kirchliche Verlautbarung oder die Regenbogenfahne am Kirchturm schaut, existiert zwar, hat aber schon lange keine Stimme mehr in der verfassten Kirche. Um das festzustellen, reicht ein Blick auf das politisch nahezu homogen linksgrüne Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK), das von den deutschen Bischöfen als offizielle Vertretung der Laien in der Kirche in Deutschland angesehen wird. Dort hat sich eine Funktionärskaste etabliert, die das arg geschrumpfte Kirchenvolk nicht einmal näherungsweise abbildet. Klar, dass man auch dort von den Bischöfen politische Zuverlässigkeit verlangt, ist das Zentralkomitee doch engstens mit dem sonstigen politisch-medialen Komplex verbandelt.

Das alles kann hier nur grob gerastert betrachtet werden, reicht aber, um das Phänomen zu beschreiben. Bischöfe sind in dieser Entwicklung geradezu die natürlichen Gegner der Alternative für Deutschland (AfD). Hat doch endlich der linke Kampf gegen die Kirche aufgehört. Immerhin steht man nun Seit an Seit im Kampf gegen rechts.

Dazu kommt eine historische Last. In der frühen Zeit des Nationalsozialismus erhoffte man sich von den Nationalsozialisten, die Arbeiter von den Kommunisten fernzuhalten. Man merkte spät, manche sagen zu spät, dass man die Pest mit der Cholera bekämpft hatte. Heute steht man auf der richtigen Seite und zeigt Haltung. Braver Episkopus!

Rechts von uns ist die Wand

Für gewöhnliche Katholiken kommt ein Punkt hinzu, den man den christdemokratischen Reflex nennen könnte und der sich in einem Bonmot von Franz Josef Strauß manifestierte. Rechts von der Union aus Christlich Demokratischer Union (CDU) und Christlich-Sozialer Union (CSU) kommt nur noch die Wand. Im demokratischen Spektrum entsprach das lange Zeit der Wirklichkeit, war jedoch spätestens mit dem Aufkommen der Republikaner ein wankendes Dogma. Noch später, mit der Dekonstruktion der Christdemokratie in der Union, stimmte es einfach nicht mehr.

Es dauerte, bis sich das Vakuum füllte, doch die Heimatlosigkeit der Christdemokraten konnte auch das Aufkommen der AfD nicht beseitigen. Einige Versuche, eine christliche Partei neben der Union zu etablieren, scheiterten mangels Masse. In ganz Europa haben sich rechte Parteien etabliert, die zur Mitte hin anschlussfähig wurden. In Italien hat eine rechte Ministerpräsidentin inzwischen fast vier Jahre im Amt verbracht. Und Italien steht noch!

Nun gibt es auch in Deutschland rechts von der Union eine Partei, die sich selbst im demokratischen Spektrum verortet und die es, sofern man auch die Linke als demokratische Partei ansehen will, in der Tat ist. Alle Versuche, der AfD eine nicht demokratische Ausrichtung nachzuweisen, sind bis dato als gescheitert anzusehen. Kursierende Papiere von Verfassungsschutzbehörden, die die Partei als gesichert rechtsextrem bezeichnen, rangieren irgendwo zwischen lächerlich und peinlich. Parteiverbote kann am Ende nur das Bundesverfassungsgericht aussprechen, und da liegen die Hürden sehr hoch.

Solange die AfD nicht verboten ist, ist sie eine zugelassene und grundsätzlich wählbare Partei. Das sind, da mag es einen gruseln oder nicht, die Grünen und die Linke übrigens auch.

Exkommunikation und Aufforderung zum Austritt

Genau das sehen die deutschen Bischöfe anders und drohen inzwischen schon fast unverhohlen mit der Exkommunikation von Katholiken, die sich erdreisten, die schwefelumwölkten Blauen zu wählen. Theologisch völlig im Zustand des Marodierens verkündete der Erzbischof von Berlin, es mache ihm nichts aus, auf die Kirchensteuer von AfD-Wählern zu verzichten. Dass ein katholischer Bischof so unverhohlen zum Kirchenaustritt auffordert, ist mehr als nur erstaunlich. War doch die Kirchensteuer bislang geradezu sakrosankt.

Ist man als Katholik ehrlich, so ist es einem derzeit nicht möglich, wirklich guten Gewissens auch nur einer einzigen gegenwärtig maßgeblichen Partei seine Stimme zu geben. Grüne und Linke sind neben Liberalen und Sozialdemokraten schon allein wegen ihrer Haltung zur vorgeburtlichen Kindstötung nicht wählbar. Mit in der Tasche geballter Faust hatte man bei der vergangenen Bundestagswahl Friedrich Merz und seinem Versprechen „Links ist vorbei“ die Stimme gegeben. Inzwischen dürfte es jeder gemerkt haben. Das war gelogen. Und nun? Jede Wahl in einer Demokratie ist eine Gewissensentscheidung mit dem vollen Risiko, das so etwas mit sich bringt.

Und nun versuchen es viele, zumindest gedanklich, auch einmal mit der Schwefelpartei. Während kein einziger Bischof auch nur ein Wort darüber verliert, dass Parteien mit einem gespaltenen Verhältnis zum Schutz des Lebens, zur natürlichen Schöpfungsordnung, zur Familie aus Vater, Mutter und Kindern als Kern der Gesellschaft und zu einer Ökologie, die den Menschen nicht als Störfaktor der Schöpfung betrachtet, für Katholiken dem Grunde nach nicht wählbar sind, übt man den Schulterschluss genau mit dieser selbsternannten Mitte.

Aufgeblasene Zwerge

Gerade im Osten des Landes, wo die AfD inzwischen den Status einer Volkspartei hat, ist die Kirche dagegen nur eine marginale Größe. So verwundert es, dass der Erzbischof von Berlin, der gerade einmal für 5,7 Prozent der Bevölkerung in seinem Sprengel als Bischof eine maßgebliche Rolle spielt, überhaupt so viel Öffentlichkeit bekommt. Die Antwort ist einfach. Er ist halt nützlich, und es ist keine Frage, wohin ihn seine ach so demokratischen Freunde nach der Revolution verfrachten werden. Warten wir einmal ab, was passiert, wenn herauskommt, was die neue Bischofswohnung in Berlin-Mitte kosten wird.

Dabei ist es an sich gar kein Ärgernis, wenn katholische Bischöfe oberhalb der Parteipolitik einen politischen Rahmen zur Orientierung geben und es dann den Laien als Fachleuten für den Weltdienst überlassen, wie sie die Gesellschaft organisieren. Dieses Herunterbegeben in die Niederungen der Parteilichkeit ist Gift für ihre Autorität, die spätestens dann perdu ist, wenn die andere Seite regiert.

Welcher AfD-Ministerpräsident wird bereit sein, mit einem katholischen Bischof zu sprechen, der vor der Wahl mit Höllenfeuer und Exkommunikation gedroht hat? Da wird die Neigung von AfD-Politikern, den Bistümern und Landeskirchen den Geldhahn zuzudrehen, geradezu nachvollziehbar. Dennoch bleibt es ein Unrecht, wenn sie es tun. Es gibt Gesetze und völkerrechtliche Verträge, an die sich auch ein AfD-Ministerpräsident zu halten hat, will er nicht als Schurke gelten.

Falsche Freunde

Dieser mies reflektierte episkopale Kampf gegen rechts ist verstehbar, wenn man den Spuren des Heranwachsens und dem politisch-gesellschaftlich-medialen Umfeld des gegenwärtigen Episkopats nachgeht. Nichtsdestotrotz bleibt er ein Ärgernis. Ab sofort ist die Kirche Partei, linke Partei. Und das macht es nicht nur konservativen Katholiken sehr schwer, die gebotene Treue zu halten. Was soll man anfangen mit einer Kirche, die eher beim Christopher Street Day (CSD) mitmacht als beim Marsch für das Leben?

Was soll man anfangen mit einer Kirche, die sich im Kampf gegen rechts heute neben die Antifa stellt, die uns in wenigen Tagen beim Marsch für das Leben ihre unappetitlichen Hassparolen entgegenbrüllt und nur mit massiver Polizeipräsenz von schwerer Gewalt abgehalten wird? Aber das bekommen die Herren Episkopen, die sich bei einem guten Rotwein für ihre aufrechte Haltung feiern, in ihren Luxuswohnungen und Palais ja nicht mit.