Kommentar

Ein Drive hin zur Piusbruderschaft

Die Antworten nehmen einem die Luft. Selten agiert Rom derart rigide, wie in der künftigen Behandlung der liturgischen Bücher von vor 1965. Gewinner des Aktion: Die Priesterbruderschaft St. Pius X. 
Alte Messe – Bild: Gemeinfrei

Mit erscheinen des Motu proprio Traditiones custodes war klar, dass die Luft für traditionelle Gruppierungen in der Kirche zunehmend dünner wird. Jene, die die Liturgie, d.h. die Heilige Messe, die Sakramente und das Brevier in der alten Form, wie sie bis zu den nachkonziliaren Reformen gegolten hat, feiern möchten, werden zunehmend aus dem kirchlichen Alltag ausgegrenzt und in eine bestenfalls noch dekorative Ecke verbannt. Während Papst Benedikt XVI. mit Summorum pontificum die Versöhnung suchte und die – wie sie gelegentlich genannt werden – Anhänger der Tradition unbedingt in der vollen Gemeinschaft der Kirche halten wollte, geht der Nachfolger den entgegengesetzten Weg. Dem Wegfall nahezu aller Restriktionen bei Benedikt XVI. folgt der Aufbau von unerträglichen Hindernissen durch Franziskus.

Pontifikale verboten

Das nun veröffentlichte Responsum stellt klar: Keine Firmung in der alten Form, keine Priesterweihe in der alten Form. Das ist nur das erste, was auffällt. Das gesamte Pontifikale Romanum wird untersagt. Priestern, die sowohl altrituell und Novus Ordo zelebrieren, werden gewaltige Steine in den Weg gelegt. Ein Priester im Diözesandienst, der seinen gewöhnlichen Dienst in einem pastoralen Raum versieht und zugleich für eine traditionelle Gruppe zuständig ist, kann von seinem leitenden Pfarrer sehr leicht kaltgestellt werden. Eine Messe im Novus Ordo am Tag der Alten Messe und das Verbot in der alten Form zu binieren (eine zweite Messe zu feiern), bringt die Alte Messe an Orten mit wenigen Priestern schnell ins Wanken. Restriktive Erlaubnispraktiken, gegen die die Indultregelung von Papst Johannes Paul II. geradezu liberal erscheinen, tun ihr übriges.

Bischöfe eingeschränkt

Letztendlich konterkariert das Responsum nämlich auch noch das vorgebliche Anliegen von TC, die Bischöfe vor Ort in der Ordnung der Liturgie in ihrem Bistum zu stärken. Kaum eine Entscheidung in dieser Frage kann ein Bischof noch selber fällen. Das Ausmaß an nötigen Anfragen und Bitten um Genehmigungen in Rom ist schon so ein Bürokratismus, dass kaum anzunehmen ist, dass ein Bischof oder ein Ordinariat das auf sich nimmt, nur um einem jungen Priester die Zelebration der Alten Messe zu ermöglichen. Angesichts der unglaublichen Toleranz sowohl der Bischöfe als auch der Glaubenskongregation gegenüber fragwürdigen liturgischen Experimenten, ist im Gegenzug allerdings kaum zu erwarten, dass Priester, die sich der Tradition verbunden fühlen, hinsichtlich der Feier der Heiligen Messe von Traditiones custodes und dem jetzt veröffentlichten Responsum allzu sehr beeindrucken lassen. Die altriuellen Gruppen von Gläubigen werden ebenfalls sicher nicht nach römischen Genehmigungen fragen.

Noch Unklarheiten

Das radikale Verbot des Pontifikale Romanum bereitet Sorge. Hier wird es viele zumindest partiell in Richtung Piusbruderschaft drängen. Wo sonst soll man jetzt noch die Firmung in der alten Form erhalten. Ob der Schub in Richtung Piusbruderschaft gewollt oder einkalkuliert ist, wie manche in den letzten Tagen spekulierten, ist schwer zu sagen. Aufzuhalten wird er kaum noch sein. Auch wenn das selbst eher traditionell gesinnten Gläubigen nicht gefällt, die Zukunft der Tradition liegt zumindest gegenwärtig am ehesten bei der Piusbruderschaft. Etwas Hoffnung mag die Aussage der Petrusbruderschaft vermitteln. Die Petrusbruderschaft erklärt sich erst einmal für nicht betroffen und will das Schreiben prüfen. Hier kann man nur abwarten.