Ampelkoalition

Abschied von der Familie

Familie als Provokation. Für die schöne neue diverse Familienwelt der Ampel gilt das ganz sicher. Doch eigentlich liegt in christlichen Alternativen zum diversen Mainstream viel Potential. 
Familie mit zwei Kindern – Bild von Charles McArthur auf Pixabay

Was im Koalitionsvertrag zum Thema Familie steht, kann einen durchaus das Grausen lehren. Das gilt, insofern man nicht queer, polygam oder sonst einer modernen Art der Diversität anhängt. Für diese drohen goldene Zeiten anzubrechen. Der alte, weiße heteronormative, bipolare, katholische, nordeuropäische Mann bekommt das Grausen. Ein kleiner Überblick ohne Anspruch auf Vollständigkeit, was den die Ampel uns an modernen familienpolitischen Beglückungen schenken wird.

Multisorgerecht

Es startet mit der Ausweitung des Sorgerechts auf vier Personen. Die „rechtlichen Eltern“ sollen zwei weitere Personen hinzunehmen. Das kann darauf hinauslaufen, dass in sogenannten Patchworkfamilien erst einmal sorgfältig geklärt werden muss, wer denn überhaupt erziehungsberechtigt ist und ob überhaupt ein Erziehungsberechtigter mit im Haushalt wohnt.

Die Polygamie wird kommen. Wörtlich lautete das:

„Wir werden das Institut der Verantwortungsgemeinschaft einführen und damit jenseits von Liebesbeziehungen oder der Ehe zwei oder mehr volljährigen Personen ermöglichen, rechtlich füreinander Verantwortung zu übernehmen.“

Koalitionsvertrag der Ampelkoalition. S. 101.

Klingt gut, bedeutet aber nichts anderes als Polygamie. Wem nützt es? Nun, es nützt jenen Personenkreisen, die aus Regionen einwandern, in denen Polygamie üblich ist. Ob sich polygame Beziehungen in unserem Kulturraum breit etablieren werden, darf bezweifelt werden. Welche Optionen die kommenden Regelungen bereithalten, wird sich zeigen müssen.

Abstammung ohne Verwandtschaft

Das Abstammungsrecht wird vollkommen von der natürlichen Herkunft abgekoppelt. Wenn also, so schreiben die Koalitionäre, ein Kind in einer „Ehe“ von zwei Frauen geboren werde, dann sollten beide Frauen deren Mütter sein. Der bisherige Rechtsgrundsatz, die Mutter ist die Frau, die das Kind geboren hat, ist damit obsolet und es wird damit zu einer neuen Normalität werden, dass Kinder Mütter haben, mit denen sie nicht verwandt sind. Wie weit das Abstammungsrecht dekonstruiert wird, zeigt sich daran, dass es ein Recht für Kinder geben soll, ihre biologische Herkunft zu kennen, jedoch damit nicht das Konstrukt der rechtlichen Elternschaft aufkündigen müssen. Es ist nicht mehr zwingend, dass ein Kind einen Vater und eine Mutter hat. Inwieweit sich die Biologie betrügen lässt, wird man sehen.

Ferner sollen Samenspende erleichtert werden. Nicht dezidiert äußert sich der Koalitionsvertrag zu Eizellspende und Leihmutterschaft. Hier hat man vielleicht doch eine Überforderung von Gesellschaft und Rechtssystem befürchtet. Keine Frage, es wird mit Blick auf die diversen Beziehungen, die ja aus sich selbst heraus im Gegensatz zur natürlichen Ehe unfruchtbar sind, kaum ein anderer Ausweg bieten, als Kinder endgültig zu einer Ware zu machen.

Weg mit der Ehe

Das Gegenmodell der katholischen Ehe und Familie, das bislang als Muster für die staatliche Gesetzgebung galt, hat für die Ampelkoalition ausgedient. Während es in vielen anderen Politikfeldern erwartbare Spannungen gibt, so ist die Familien- und Gesellschaftspolitik der Safe Space dieser Koalition. Hier begegnen sich die Parteien auf derselben Ebene des pseudoliberalen Dekonstruktivismus. Hier kann die Koalition über alle Differenzen hinweg Erfolge erzielen und wird sich diese Ernte nicht entgehen lassen. Das herkömmliche Modell der Familie, die im innersten Kern eine auf Dauer angelegte Verbindung von einem Mann und einer Frau mit Offenheit für Kinder ist, hat ausgedient. Sie hat mehr ausgedient als man ahnt.

Angefangen von Werbetreibenden über Bildungspolitiker bis hin zu zahlreichen Wissenschaftlern und natürlich die derzeit maßgeblichen Politiker gehen alle von der Notwendigkeit einer sich in völliger Diversität auflösenden Dekonstruktion der Ehe und Familie herkömmlicher Art aus.

Verbannung aus dem öffentlichen Raum

Das geht so weit, dass diese herkömmliche Form der Familie in Werbung, Literatur, Fernsehserien, Filmen und letztlich sogar in der Bildung so gut wie keine Rolle mehr spielen. Wer wie der Verfasser dieses Beitrags sowohl dem privaten als auch dem öffentlich-rechtlichen Fernsehen vor langer Zeit den Rücken gekehrt hat, ist erschrocken, was heute in ganz normaler Werbung für diverse Familienbilder vermittelt werden. Doch es geht sogar noch weiter, die Darstellung einer klassischen Familie aus Vater, Mutter und Kindern wird sogar als diskriminierend empfunden und kann Werbetreibende sowie Hersteller öffentlichen Empörungssturm einbringen und damit wirtschaftlichen Schaden zufügen. Ohne nun gleich in Boykottaufrufe zu verfallen, kann man als Katholik aber durchaus hinsehen, wo man Firmen unterstützen kann, die ein klassisches Familienbild in Produktherstellung, Werbung und Marketing vertreten.

Für Katholiken brechen in gewisser Weise finstere Zeiten an. Noch kann nicht die Rede von Verfolgung sein, doch Angriffe und Diskriminierungen nehmen zu. Da auch die Bischöfe sich dem Mainstream geschmeidig anschmiegen, wird es auch im Binnenraum der Kirche immer kühler. Die kirchliche Tradition gebietet hier Klugheit walten zu lassen. Die Hirten werden nicht dauerhaft vom Glauben abfallen. In Mitteleuropa werden Diözesen untergehen. Das hat es zu früheren Zeiten auch an anderen Orten gegeben. Es werden neue gegründet werden. Es geht auch nicht darum, jetzt die Welt vor einem linksgrünen Horrorszenario zu retten. Als Christen wissen wir, dass die Welt gerettet ist.

Katholische Alternativen

Langfristig wird es darum gehen, Inseln zu bauen. Auch geografische Areale, in denen gleichdenkende zusammen in räumlicher Nähe leben und für sich die Diversität einfordern so zu leben, wie sie es wollen und ihre Kinder so zu erziehen, wie es ihnen recht erscheint und ihre Alten bei sich zu behalten, bis sie eines natürlichen Todes sterben. Klingt romantisch? Ist es aber nicht. Solche Areale werden nur mühsam am fortschreitenden Wohlstand partizipieren können. Das muss man wissen.

Trotz aller Angriffe bleibt es dabei und den Sachverhalt verstehen auch viele, die es gerne etwas diverser hätten, die Familie ist der Kern der Gesellschaft. Aus der Familie kommen die starken gesunden Kinder. Aus der Familie kommt Innovation, Unternehmergeist, intellektuelle Brillanz. Aus der Familie kommen die entscheidenden Impulse für eine echte Fortentwicklung der Gesellschaft. Solche Areale entstehen nicht von heute auf morgen, doch sie werden immer notwendiger werden.

Die kreative Minderheit

Es gilt angesichts zunehmender Diversität und Dekonstruktion der Familie, die Alternative aufzuzeigen. Nicht in der Theorie, nein, in der gelebten Praxis. Dafür braucht es Schutzräume und dafür braucht es Kreativität. Wie das mitten in einer zunehmend dystopischer werdenden Welt gelingen kann, weiß derzeit niemand. Doch es ist nötig in Fragen der Familie, den Lebensschutzes, der Bildung, der Erziehung und in vielen anderen Bereichen noch, zu einem Paradigmenwechsel zu kommen. Es muss Abschied genommen werden vom Primat des politischen Kampfes, der nämlich längst verloren ist. Abschied vom Primat bedeutet nicht, den politischen Kampf um bessere Gesetze aufzugeben. Es bedeutet (er)lebbare Alternativen aufzubauen. Es bedeutet, die Nischen zu finden, in denen Christen tatsächlich, wie es der amerikanische Kollege Rod Dreher nennt, eine kreative Minderheit werden können. Letztendlich erfinden wir doch damit das Rad gar nicht neu. In der Antike waren Christen die, die keine Kinder aussetzten, keine Alten töteten, sich um Kranke kümmerten. Christen sind die, die nicht Abtreiben, keine Sterbehilfe leisten, die die Kinder annehmen, die Gott ihnen schenkt und ohne In Vitro- Fertilisation etc. auskommen, in der Ehe treu sind, die Armen helfen und im Grunde so gegen den Mainstream schwimmen, dass man sich die Augen reibt, wie es sowas geben kann. Dabei leben sie im Staat, den sie vorfinden und geben dem Kaiser, was dem Kaiser gebührt. Das Körnchen Weihrauch, das den Kaiser als Gott ausweist, das wird er auch künftig von Christen nicht bekommen. Aber das ist eine andere Geschichte.