Neunormal ist Altabsurd

Am Ende fragt man sich doch nur noch, woher man jetzt ein Bier bekommt, um diesen Irrsinn einigermaßen zu ertragen. Doch es ist Land in Sicht, ab kommende Woche darf man wenigstens wieder ins Restaurant. Es ist schlimmstes zu fürchten …

Facepalm

Was die jetzt Neue Normalität nennen, ist mit Alter Absurdität vollumfänglich und wirklich gut beschrieben.
Die Demo auf dem Rathausplatz – eine Hundertschaft Wachpersonal achtet penibel auf Abstände.

Die Fußgängerzone überfüllt, weil man in kein Geschäft rein kommt.
Die ganze Wahrheit, das ist nicht Bill Gates oder George Soros, das ist einkaufen in einer mittleren Großstadt in Zeiten von Corona.

Das Kind muss an die Luft

Also irgendwann muss das Kind mal an die frische Luft. Auch das Kind im Manne. Echt, es will raus. Also kurz nach Paderborn gefahren. Die Geschäfte haben wieder auf, eine coronabedingt aufgeschobene Anschaffung duldete jetzt keine Ausrede mehr.
Also mutig hinein in die Fußgängerzone und den regionalen Einzelhandel unterstützt. In Amazonien einkaufen wird auf die Dauerlangweilig und die haben keine so netten Verkäuferinnen mit grünen Masken vor den geschminkten Lippen. In Paderborn galt es jedoch zunächst den Rathausplatz zu überqueren. Eine Demo gegen die unsinnigen Coronamaßnahmen. Leider nicht für sinnvollere Maßnahmen, sondern zum Zwecke der Verbreitung von Verschwörungstheorien. „Geht doch rüber, wenn es Euch hier nicht passt!“ Ach nee, drüben ist ja jetzt hier und wer das Volk ist, ist gar nicht mehr so klar.

Polizisten und Ordnungsamtswärter passen auf, dass keiner sich erdreiste den Abstand zu unterschreiten. Gut so! Aber in der Wirklichkeit nur halbgut, denn:
Es war leider etwas schwer, an den so korrekt verabstandeten Demonstranten mit dem gebotenen Abstand vorbei zu kommen. Langer Stau, drangvolle Enge! Panik Wäre man Demonstrant, würde einen die Polizisten vor Abstandsündern schützen. Aber ich werde doch zu diesem Behufe kein Verschwörungstheoretiker. Wirklich nicht!
Endlich in der Fußgängerzone angelangt, kann man feststellen, dass die Demonstranten ihr Ziel am Ende doch eigentlich erreicht haben. Abstand interessiert hier gar nicht mehr.

Ein großer Nachteil

Ein Vorteil hat es, denn in den viel zu kleinen Geschäften in der Fußgängerzone hat man endlich kein Gedränge mehr. Danke, Corona! So weit, so gut, könnte man sich freuen, doch auf der Fußgängerzone bilden sich Schlangen vor den Geschäften, mit Abstand, brav so(!), die allerdings quer zur Laufrichtung stehen und so dafür sorgen, dass die Passanten zwischen den Abständen hindurch gehen und somit die Abstände verunabstanden. Innerhalb der Coronalogik besteht also beim Flanieren auf einer in solcher Weise dysfunktional verabstandeten Wartemeile natürlich akute Lebensgefahr, weil ruhende und bewegende Abstände sich gegenseitig aufheben.

Einkaufen in den Geschäften, in denen man, wenn man lange genug gewartet hat und die ohne geringste Möglichkeit der Gegenwehr brutal an einem vorbei flanierende Passanten ertragen hat, nun eigentlich genügend Platz hätte, ist dennoch eine Qual. Bei der leckeren Frühlingswärme unter der Maske ist es ungemütlich. Man will wieder an die Luft. Doch da stehen sie quer zur Laufrichtung in Schlangen.

Fazit aus einem kurzen, weil unbedingt nötigen Aufenthalt in einer Fußgängerzone: Die Neue Normalität der absolute Irrsinn.
Besoffen könnte man das vielleicht so gerade ertragen, doch wo bitte bekäme man derzeit ein frisch gezapftes Bier? Es gibt nirgendwo eine offene Kneipe. Es ist hoffnungslos.

So blieb also nur die Flucht.

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Peter Winnemöller

Journalist, Blogger
katholisch
immer neugierig
Leseratte
seit einer gefühlten Ewigkeit im Internet unterwegs

(Der kleine Senator steht für meinen seit Beginn der Internetzeit verwendeten Nickname Cicero und ist ein Geschenk des Illustrators Peter Esser)

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