Das Ende einer Mikroära

Kardinal Marx (Archivbild)

Nach sechs Jahren schon von einer Ära zu sprechen ist überzogen. Überzogen waren auch die Hoffnungen, die sich an einen Vorsitzenden Marx knüpften. Der Kardinal war als Weihbischof in Paderborn Richtung Trier aufgebrochen und galt weithin als konservativer Hoffnungsträger für die Bischofskonferenz.

Der junge Bischof war als Nachfolger von Bischof Lehmann gesetzt. Zwei Dinge, die sehr zeitnah passierten, wirkten als – sehr offensichtlich nicht unerwünschtes – retardierendes Moment. Der Bischof von Trier wurde zum Erzbischof von München und Freising ernannt. Der unendlich lang im Amt gewesene Vorsitzende der DBK trat plötzlich zurück. Mit der neuen Aufgabe im Freistaat und dem ganzen Drumherum war klar, dass der Favorit nicht zum Zuge kommen wird. So wurde der gänzlich unerwartete Erzbischof von Freiburg, Robert Zollitsch, Vorsitzender der DBK. Jedem Beobachter war klar, dass es nur darum ging, Marx noch einmal zu verhindern.

Dieser wurde im Jahr 2014 in Münster schließlich gewählt. Inzwischen war der junge Bischof zum Kardinal kreiert worden und es gab einen neuen Papst. Der Kardinal hatte die vergangenen Jahre damit verbracht Ämter zu sammeln und in seiner Diözese zumindest gefühlt nur sporadisch anwesend zu sein. Er galt sogar als Papstberater, wegen seiner Mitgliedschaft im K9 – Rat des Papstes. Die von diesem Rat in Angriff genommene Kurienreform ist bis heute immer noch nicht umgesetzt. Der große Wurf landet zahlenmäßig arg geschrumpften den Werfern immer wieder vor den Füßen. Nun kam also neben vielen anderen Ämtern auch noch der Vorsitz der DBK hinzu. Schnell zeigte sich, woher der Wind jetzt wehte. Der Südwind von Rom über München führte zuweilen von Bonn über Rom und München über den Rest der Republik.

Vom konservativen Hoffnungsträger Bischof Marx ließ der Kardinal Marx nichts übrig. Es gab ernste Hoffnungen, dass der sogenannte Gesprächsprozess, den er von seinem Vorgänger geerbt hatte, schnellstmöglich beendet würde. Er wurde planmäßig zu Ende geführt und lieferte die erwarteten Enttäuschungen. Ein neues kirchliches Arbeitsrecht, das ohnehin hätte kommen müssen, weil man sonst Caritas und Co hätte dichtmachen können, wurde als Erfolg des Dialogs verkauft.

Unter dem Eindruck des neuen Pontifikats des armen Papstes der armen Kirche der Armen entdeckte auch der Bewohner des barocken Palais Holnstein schnell die Armut. Zumal der Skandal um ein neues Bischofshaus in Limburg einen eigentlich recht bescheidenen, ebenfalls jungen Bischof, der nicht halb so konservativ war, wie sein Ruf, aus dem Amt gefegt hatte. Solidarität unter Mitbrüdern war da jedenfalls Fehlanzeige. Der Kardinal baute in München sein Ordinariat für ein Vielfaches des Preises des Bischofshauses in Limburg. Der Öffentlichkeit vorstellen durfte es der Generalvikar. Alle Gremien hatten es genehmigt. Wer sollte etwas sagen? Auch ein großer BMW kann Ausdruck von Bescheidenheit sein, wenn man es nur richtig anfasst und in Rom nur bescheiden genug auftritt. Es ist geradezu zynisch, inmitten einer Sozialneiddebatte nicht die Debatte durch Fakten zu beenden, sondern heimlich im dicken Wagen davon zu fahren. Fakt ist, wer in Deutschland arbeitet, wie ein Bischof, braucht ein Fahrzeug der Oberklasse und einen guten Fahrer. Punkt.

Wir könnten darüber reden, ob wir Bischöfe brauchen, die wie Landesherren besoldet werden, leben und arbeiten. Die Entfernung von den Gläubigen ist inzwischen so groß wie von einem Ministerpräsidenten zum Bürger. Muss das sein? Das wäre der Punkt, der zu diskutieren wäre. Dieser Debatte wird aber tunlichst ausgewichen. 50.000 € an Seenotretter als PR- Aktion ist ja viel charmanter als eine lästige Grundsatzdebatte. Im Mainstream lässt sich gut leben, solange der Mainstream einen trägt. Diese Zeit endet nun. Der Stern des Kardinals sinkt seit langem. Nun ist er mit einem „Platsch“ in den geliebten Amazonas gefallen.

Seit sechs Jahren nun zeigt die Versammlung der Bischöfe in Deutschland ein Bild der Zerrissenheit und Zerstrittenheit, dass man es wirklich leid ist. Die Kirche befindet sich in einer Glaubenskrise. Einige Bistümer schließen Reihenweise Kirchen und verkaufen das als Aufbruch. Der Untergang wird mit Gloria gefeiert, während man sich in Bischofs- und Laienfunktionärskreisen nun den nächsten kostspieligen Dialogprozess leistet.

Unter dem Eindruck der MHG- Studie drohte das System Kirche in Deutschland schneller als bisher gedacht zu kollabieren. An der Kirchensteuer hängt das ganze System, bricht sie weg, zerbricht das System. Also musste eine neue Beruhigungspille her. Diesmal ein sogenannter „synodaler Weg“, der DBK und „ZdK“ über alles reden lässt. Selbst Beschlüsse, die der Lehre der Kirche widersprechen (Man nennt sowas auch Häresien.) dürfen gefasst werden.

Dies sind die Hinterlassenschaften des scheidenden Vorsitzenden Kardinal Marx, ein Ausmaß an Zerwürfnissen im Episkopat, wie wir es nie vorher kannten und eine Räubersynode, die die Kirche in Deutschland in die Spaltung durch Häresie führt. Grandioser kann man nicht scheitern. Es gibt keinen Impuls zur Neuevangelisierung, den man erwartet hatte. Es gibt keinen Aufbruch im Glauben, den man erhofft hatte. Es gibt keine Rezeption dessen, was Papst Benedikt XVI. (der Reinhard Marx zum Erzbischof ernannt und zum Kardinal kreiert hatte) der Kirche seiner Heimat ans Herz gelegt hatte, nämlich eine Entweltlichung, um als Kirche Gottes wieder der Welt aus dem Glauben heraus dienen zu können.

Nun mag man den Entschluss nicht erneut für den Vorsitz der DBK anzutreten als ein feiges Davonstehlen interpretieren. Das sollte man jedoch nicht. Dieser Entschluss ist seit 2014 der erste richtige und zu begrüßende Entschluss, den Reinhard Kardinal Marx als Vorsitzender der DBK gefällt hat.

Es ist aller Verblödung zum Trotz eine Freude, dass dieser Blog die Amtszeit des Vorsitzenden Marx überlebt hat.

Es wird hier auch nach der Mikroära Marx unverblödet weiter gehen.

Hoffnung, dass es mit einem neuen Vorsitzenden besser wird, habe ich diesmal gar keine. Die Situation ist dermaßen miserabel, dass ich mir gar nicht vorstellen kann, wer sich dieser Herkulesaufgabe stellen will. Unter den gegebenen Umständen wäre es sogar egal, ob es ein progressiver oder konservativer Bischof ist, der den Vorsitz übernimmt. Es muss einer sein, der die Bischöfe dazu bringt einmütig miteinander im Gespräch zu bleiben und um die Wahrheit zu ringen. Werden sie so einen finden?

Das nämlich, das Ringen der Bischöfe einer Region um die Einheit in der Wahrheit, ist wahre Synodalität.

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Peter Winnemöller

Journalist, Blogger
katholisch
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(Der kleine Senator steht für meinen seit Beginn der Internetzeit verwendeten Nickname Cicero und ist ein Geschenk des Illustrators Peter Esser)

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