In Pachamamas Falle

(Lizenz:Gemeinfrei)

Wenn es sozusagen „das Symbol schlechthin“ der Amazonassynode gibt, welches in Erinnerung bleiben wird, dann ist es diese hölzerne Figur, die – absurderweise muss man sagen – als Pachamama (sprich: Patschamama) bezeichnet wurde. Am Ende hat sie sogar der Papst so genannt und damit zugegeben, dass es sie eine Götzenfigur darstellen soll. Eigentlich wird diese lateinamerikanische Naturgottheit, die vom Ursprung her gar nicht am Amazonas beheimatet ist, gar nicht bildlich dargestellt. Wikipedia weiß zu berichten, dass feilgebotene Figuren nur für Touristen hergestellt werden. So ist davon auszugehen, dass die Figuren, die jetzt in aller Munde und auf allen Nachrichtenkanälen waren, extra für die Synode angefertigt wurden. Das REPAM- Netzwerk, welches das Begleitprogramm zur Synode wesentlich zu verantworten hat, zeichnet Informationen aus Rom zu Folge auch für die Verwendung dieser Figur in folkloristisch anmutenden Veranstaltungen verantwortlich.

Schon im Vorfeld der Synode wurde Kritik an den synkretistischen Phrasen im Instrumentum Laboris geübt. Wie diese Tendenzen in der Praxis aussehen, zeigte sich an den pseudofolkloristischen Events, in deren Verlauf diese Figur eine sakral erscheinende Verehrung erfuhr. Überall tauchte diese künstlich naiv gestaltete, nackte Schwangere auf. In Kirchen und auf Plätzen, Bilder von Prozessionen mit dem Bild, in den vatikanischen Gärten warfen sich einige Frauen in Gegenwart des Papstes vor dem Idol nieder. Eine Vermischung der Naturreligion oder was man dafür hält mit dem Christentum oder was man dafür hält, mutet doch mehr als Synkretismus denn als Inkulturation an. Zielführend für eine Hinführung der sehr unterschiedlichen Völker der Amazonasregion an das Christentum und die Erlösungstat unseres Herrn ist das nicht. Auch die Heilsnotwendigkeit der Kirche vermittelt man auf diese Weise ganz sicher nicht.

Sensible Gläubige sahen von Anfang an in der Präsentation und Verehrung des heidnischen Idols – auch in Kirchen – einen Akt der Blasphemie. Es kam, wie es kommen musste. Ein paar von diesen sonderbaren Püppchen landeten platsch im Tiber. Ein Video von dem Vorfall machte im Internet die Runde. Eine gewisse Schadenfreude war nicht zu verhehlen. Freude auch auf Seiten der Romantiker indigener Steinzeitkultur. War doch endlich der Feind vorzeigbar: Erzkonservative Katholiken! Pech für die gutmeinenden Kirchenreiniger. Nicht jeder gutmütige, einfach denkende Mensch durchschaut die subtile Raffinesse der identity politics und political correctness. Es ist, auch wenn es nicht exakt vorhersehbar war, genau so das passiert, was den Initiatoren der Pachamamashow in die Hände arbeitet. Durch den Tiberwurf wurde die Figur öffentlich und künstlich so aufgewertet, dass sogar der Papst einen Kotau vor Pachamama machen musste und sich für den Tiberwurf als Bischof von Rom entschuldigte. Eine Verwendung der Figur bei der Abschlussmesse konnte dem Vernehmen nach nur durch Drohung von Bischöfen der Abschlussmesse fern zu bleiben, verhindert werden.

Ein Winfried Bonifatius, der heute die Donareiche fällte, geriete wohl derart in die Klauen der Mächtigen und der Medien, dass er sich schleunigst wieder in sein irisches Kloster hätte zurückziehen müssen. Die Empörung wohlmeinender katholischer Intellektueller wäre ihm sicher. Damals war es anders. Bonifatius behielt recht, indem er vorhersagte, dass Donar nicht eingreifen werde, wenn er die Eiche fällt. Es blieb dabei. Die Machtlosigkeit Donars war erwiesen. Die christliche Mission in Deutschland schritt voran.

Wie anders ist es in unseren Tagen. Pachamama fiel in den Tiber und der Bannstrahl von Politik, Polizei und päpstlicher Macht traf die Täter und ihre Sympathisanten. Hoffen wir, dass man sie nicht ermittelt. Pachamama hat sich in unseren Tagen als sehr mächtig erwiesen. Das nämlich ist die aktuelle Botschaft aus Rom! Eine vermutlich von Designern gestaltetes, von professionellen Eventmanagern eingesetztes pseudovolkstümliches Idol zwingt die Heilige Mutter Kirche in die Knie. Ausdenken kann sich das niemand.

Themen wie Viri probati und Frauendiakonat traten plötzlich in den Hintergrund. Eine Holzfigur dominierte die Meldungen. Abgelenkt von Pachamama und der Aufregung um ihr Bad im Tiber, sanken viele strittige Punkte der Synode unter das Radar der öffentlichen Wahrnehmung. Der Coup schien gelungen. Was bleibt? Ein deutlich ungutes Gefühl des Wartens auf die kommenden Fußnoten. Bezüglich der Germanensynode, pardon, des synodalen Weges von DBK und „ZdK“, welcher im Advent startet, fragt man sich, wie man dort z.B. mit Mjölnir als dem Symbol der ursprünglichen Germanischen Religion umgehen würde. Als modisches Accessoire ist er sehr en vogue. Müsste man da nicht auch kultursensibel sein? Müsste man nicht den Germanen und ihrer hergebrachten Religion wieder mehr Raum einräumen? Wir werden sehen.

Der Verfasser dieser Zeilen hält es allerdings bezüglich Donar, Thor, Pachamama und allen anderen Götzen mit den Marvelhelden Captain America, der im Avenger Film den Ausspruch tat: „Es gibt nur einen Gott, Ma’am, und ich bin mir ziemlich sicher, dass er sich nicht so anzieht.“

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Peter Winnemöller

Journalist, Blogger
katholisch
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(Der kleine Senator steht für meinen seit Beginn der Internetzeit verwendeten Nickname Cicero und ist ein Geschenk des Illustrators Peter Esser)

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