Ohne Tabus bei voller Verbindlichkeit ins Schisma

Bischof Franz-Josef Overbeck
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Aus Anlass einer Fachtagung der Katholisch-Theologischen Fakultät in Münster hielt Bischof Franz-Josef Overbeck einen Vortrag mit dem Titel “ Perspektiven für die künftige Arbeit der Bischofskonferenz“. Das Thema der Fachtagung lautete: „Die Lehrkompetenz der Bischofskonferenz. Dogmatische und kirchenrechtliche Perspektiven“.

Das Thema der Fachtagung erklärt sich aus der von Papst Franziskus immer wieder verkündeten Aufwertung der regionalen Bischofskonferenzen. Diese sollen dem Willen des Papstes nach mehr Vollmachten und mehr Verantwortung in der Lehre bekommen. Allein die Tatsache, dass eine päpstliche Anregung eine Fachtagung an einer deutschen theologischen Fakultät auslöst, ist eine Nachricht für sich.

Die deutschen Bischöfe nehmen die Anregung, mehr Lehrvollmacht zu bekommen begeistert auf. Aktuell müssen sie nicht mit Störfeuer aus Rom rechnen, wenn sie sich auf den „synodalen Weg“ begeben. Im Dialogprozess der Jahre 2011 bis 2015 wurden bestimmte Themen mit dem Verweis auf Rom und die weltkirchliche Relevanz ausgeklammert. Das ist nun nach Ansicht einiger Bischöfe nicht mehr notwendig und damit steht das Lehrgebäude der Kirche in Deutschland inzwischen auf sehr wackeligen Füßen. Das bleibt zwar nicht unwidersprochen, wie die klare Stellungnahme von Bischof Zdarsa zeigt. Die Mahnung von Bischof Stefan Oster vor der Spaltung sollte ebenfalls gehört werden.

Doch die Stimmen wider den Abbruch der Lehre werden weniger und leiser. Die Bischöfe haben uns einen „synodalen Weg“ angedroht. Ein Regionalkonzil oder eine Regionalsynode wäre zu formell gewesen. Man hätte sich an Regeln halten müssen. Es entspricht dem vom Papst gewünschten Synodalismus, möglichst wenige Regeln aufzustellen und somit möglichst keine Bindung an Normen zu haben. Auch gegen die Lehre können Beschlüsse gefasst werden. Der Trick ist, der Form nach die Lehre nicht zu verändern, aber Ausnahmetatbestände ausdrücklich wertzuschätzen. Die Methode durften wir bei Amoris laetitia und der Interkommunion bei gemischkonfessionellen Ehepaaren kennenlernen.

Um zu veranschaulichen, wie das aussehen kann, eignen sich einige Leitthesen aus dem Vortrag von Bischof Overbeck. Eine Kommentierung der Thesen macht den Weg deutlich, der schon jetzt erkennbar eingeschlagen wird.

Der „Synodale Weg“ muss nach Worten von Ruhrbischof Franz-Josef Overbeck „ergebnisoffen und möglichst klar strukturiert“ sein.

Perspektiven für die künftige Arbeit der Bischofskonferenz
Bischof Dr. Franz-Josef Overbeck

Zwei Worte sind hier wichtig. ergebnisoffen und klar strukturiert. Das bedeutet ja in der Tat, dass ein Ergebnis beispielsweise lauten könnte, wir erkennen jede Form menschlichen Zusammenlebens als wertvoll an.

Die Dekonstruktion der Ehe hat längst begonnen. Wir erinnern uns an die praktische Umsetzung von Amoris laetitia.
Als Sakrament und als verbindliche Lebensform ist die Ehe gemäß Lehre der Kirche die grundsätzlich die Norm der menschlichen Verbindung zwischen Mann und Frau ist. Mithin ist sie die Kernzelle für die Familie und wird damit letztendlich zur Keimzelle eines gesunden Gemeinwesens. Sie ist der einzig richtige Ort für die menschliche Sexualität, weil Mann und Frau aufeinander hin geschaffen sind.

Die Anerkennung außerehelicher Beziehungen in jeglicher Konstellation widerspricht der Lehre der Kirche zur Ehe. Eine solche soll aber dem Zeitgeist gehorchend durchaus Ziel des „synodalen Weges“ sein. Die serielle Monogamie erfährt schon jetzt quasi eine Wertschätzung durch Zulassung zivil wiederverheirateter Geschiedener zur Kommunion. Selbige erfolgt angeblich nur in Einzelfällen mit pastoraler Begleitung. Die Wirklichkeit dürfte längst anders aussehen. Serielle Monogamie ist in der Tat ein Begriff, der in die Familienpolitik Einzug gefunden hat und für das Bundesfamilienministerium ein Ideal menschlichen Zusammenlebens ist.
Man erkennt, die Anpassung an die Welt.

Andere mögliche Ergebnisse: Regionale Änderung der Zulassungsbedingungen zu den Weiheämtern. Regionale Änderungen zur Zulassung zur Eheschließung. Regionale Änderung der Morallehre der Kirche.

Die klare Struktur dürfte außer Frage stehen. Es gibt in Deutschland eine prägende Verbands- und Funktionärskultur, die dem „synodalen Weg“ den Rahmen zu geben wissen wird. Es dürfte keine Frage sein, wie die klare Struktur aussieht. Wer nicht den richtigen linkskatholischen Stallgeruch hat, ist allenfalls das geduldete Alibi.

„Der ‚Synodale Weg‘ kann nur ein Weg der ganzen Kirche in Deutschland sein“

Perspektiven für die künftige Arbeit der Bischofskonferenz
Bischof Dr. Franz-Josef Overbeck

Ein Satz der verräterischer nicht sein könnte. Da wird zum einen klar, wer von sich aus am „synodalen Weg“ nicht teilnimmt, ist raus. Raus aus der Kirche, nur damit wir uns klar verstehen. Wer am „synodalen Weg“ nicht teilnehmen darf, ist auch nicht mehr Bestandteil der ganzen Kirche in Deutschland. Es ist nicht anzunehmen, das konservative Kreise in nennenswertem Umfang zum „synodalen Weg“ eingeladen werden. Darüber hinaus gibt es genügend Gläubige, die sich für diesen Weg nicht vereinnahmen lassen wollen, damit sie nicht am Ende für den schismatischen Weg der „ganzen Kirche in Deutschland“ mit in Haftung genommen werden. Wer also den „synodalen Weg“ ablehnt, ist nicht nur Exkommuniziert, sondern raus aus der „ganzen Kirche in Deutschland“.

Es ist ein schmerzlicher, ärgerlicher Weg, den die Bischöfe den Gläubigen hier zumuten.

Der Prozess müsse eine breite Teilhabe ermöglichen und in verbindliche Ergebnisse münden.

Perspektiven für die künftige Arbeit der Bischofskonferenz
Bischof Dr. Franz-Josef Overbeck

Die These der breiten Teilhabe ist schon fast eine Witz. Majorität ist kein Kriterium für Wahrheit. Verbindliche Ergebnisse sagen noch lange nichts darüber aus, ob die Kirche am Ende eines solchen Weges noch katholisch ist. Und wird die Breite wirklich eine Breite der Katholiken sein oder eine so eindimensionale Breite, wie beim Dialogprozess?

Wenn nun hier über Amt, Moral, Lehre, ja über den Glauben selbst abgestimmt wird, was erwarten die Bischöfe, wird das Ergebnis sein? Es stellt sich vielmehr die Frage, warum abgestimmt werden soll.

Das Amt des Bischofs ist es die Wahrheit zu lehren, die er selber empfangen hat. Er kann nicht über ein anderes Evangelium abstimmen lassen und fortan dies verkündigen. Wir werden genau das erleben.

„Die Kritik an der Kirche muss Gehör finden, damit es zu einem echten Kulturwandel kommt.“

Perspektiven für die künftige Arbeit der Bischofskonferenz
Bischof Dr. Franz-Josef Overbeck

Die fundamentalste und radikalste Kritik an der Kirche hält natürlich die Welt für uns parat. Die Kirche muss unbedingt im Widerspruch zur Welt stehen. Das klingt banal und in heutigen Ohren vielleicht seltsam. Es ist aber logisch.

Wohin soll der Kulturwandel führen? Zu einer Kultur des immer weiteren Verfalls? Zu einer immer weiter gehenden Verweltlichung und Anbiederung der Kirche?

Im Hinblick auf die Verbindlichkeit der Beschlüsse biete sich eine doppelte Zwei-Drittel-Mehrheit an.

Perspektiven für die künftige Arbeit der Bischofskonferenz
Bischof Dr. Franz-Josef Overbeck

Da es auf dem „synodalen Weg“ um Fragen der Moral und um Fragen des Glaubens geht, stellt sich die Frage, ob über diese mit doppelter Zweidrittelmehrheit eine Gewissheit im Glauben erlangt werden kann. Zweifel sind angebracht.

Um die kirchliche Lehre weiterzuentwickeln, brauche es auch „eine systematische Rezeption von sozial- und humanwissenschaftlichen Erkenntnissen.“

Perspektiven für die künftige Arbeit der Bischofskonferenz
Bischof Dr. Franz-Josef Overbeck

Diese These hört man in diesen Tagen immer wieder. Welche Schule der sich widersprechenden Wissenschaften hört man denn an? Wohl am ehesten die, die den Ohren am meisten schmeicheln. Bischof Overbeck selber hat sich zum bischöflichen Vorkämpfer für die Gaylobby gemacht. Nachdem er vor Jahren noch – gegen die Lehre der Kirche – auch die Neigung als Sünde verkaufen wollte, hat er später eine 180° Wende vollzogen. Es geht um eine innerkirchliche Form der sogenannten „Ehe für alle“. Die Dekonstruktion des Sakramentes, die dafür unbedingt vorher erfolgen muss, wird ja von den Bischöfen schon betrieben. Auch die serielle Monogamie wertzuschätzen ist durchaus eine Folge von Erkenntnissen der Sozial- und Humanwissenschaften.
Warum die Kirche immer noch Polygamie und Promiskuität ablehnt, wird auf dem „synodalen Weg“ begründungspflichtig und nur schwer haltbar sein. Rollt die Welle, überrollt sie den, der sie auslöste.

Overbeck wandte sich gegen eine

„Identitätssicherung nach innen“

Perspektiven für die künftige Arbeit der Bischofskonferenz
Bischof Dr. Franz-Josef Overbeck

Und das hat Methode. Wenn ich nicht mehr so genau weiß, was katholisch ist und was nicht, dann bin ich offen für alles Neue, ganz gleich aus welcher Quelle. Doch wer nach allen Seiten offen ist, ist am Ende nicht ganz dicht.
Im Gegenteil ist eine Identitätssicherung nach innen unbedingt erforderlich. Der Weg dazu ist allerdings nicht synodales Gefasel sondern Katechese und Unterweisung.

und eine

„Vereinfachungs- und Vereindeutigungslogik“, die vor allem die säkulare Außenwelt für die Krise der Kirche verantwortlich machen wolle.

Perspektiven für die künftige Arbeit der Bischofskonferenz
Bischof Dr. Franz-Josef Overbeck

Eine klare Ohrfeige gegen Papst Benedikt XVI. der insbesondere mit seiner jüngsten schonungslosen Analyse gezeigt hat, wie sehr sich die Kirche im Kontext der Welt bewegt und wie sehr die negativen Entwicklungen z.B. der 68er auch die Kirche negativ beeinflusst hat.
Wer gegen Vereinfachung und Vereindeutigung ist, wehrt sich gegen sachliche Analyse des Ist- Standes und gegen eine echte Klärung von Missständen. Schon allein die Weigerung der deutschen Bischöfe anzuerkennen, wie hoch der Anteil des Päderasmus am Missbrauchsskandal ist, ist für sich genommen noch mal ein Skandal.
Wer Eindeutigkeit nicht will, ist eindeutig für Verwirrung.

„Die alte Zeit ist zu Ende“,

Perspektiven für die künftige Arbeit der Bischofskonferenz
Bischof Dr. Franz-Josef Overbeck

Ja, das ist sie.
Wer so spricht, setzt sich allerdings am besten in den Schaukelstuhl und jammert vor sich hin.
Junge Katholiken lesen derweil den YouCat.

„Wir sind in einer Krise

Perspektiven für die künftige Arbeit der Bischofskonferenz
Bischof Dr. Franz-Josef Overbeck

Seit mindestens 50 Jahren. Guten Morgen, Herr Bischof! Ausgepennt?
Der Auslöser der Krise hat einen Namen. Genau genommen sind es zwei Namen, die zu nennen sind. Da ist zum einen die Königsteiner Erklärung, die der erste Schritt der deutschen Bischöfe zu Anbiederung an die Welt war und Papst Paul VI. den Boden unter den Füßen entzogen hat. Da ist zum anderen die Würzburger Synode und ihre katastrophalen Folgen in Religionsunterricht und Katechese.
Die Königsteiner Erklärung wäre zu widerrufen und die Beschlüsse der Würzburger Synode außer Kraft zu setzen. Das wäre ein erster Schritt aus der Krise. Stattdessen aber …

und stehen an einer Zäsur, die vielleicht noch tiefer geht als die Reformation,

Perspektiven für die künftige Arbeit der Bischofskonferenz
Bischof Dr. Franz-Josef Overbeck

Das steht in der Tat zu befürchten. Und es gibt eine nicht allzu geringe Anzahl an Bischöfen, die das Schisma aktiv vorantreiben.

am Anfang der Wirkung eines geistlichen und geschichtlichen Tsunamis.“

Perspektiven für die künftige Arbeit der Bischofskonferenz
Bischof Dr. Franz-Josef Overbeck

Hier verwendet der Bischof ein Bild, das fast prophetisch ist. Ein Tsumani darf hier ruhig als Bild herhalten, für die Welle, die das Schisma auslösen wird.

Man bedenke, dass die Spaltung, der wir entgegensehen, nachdem sie erfolgt ist und offen wurde, nicht etwa Klarheit und Frieden bringt. Es steht uns eine Zeit bevor, in der der einzelne Gläubige, die Priester, viele Gemeinden und vielleicht sogar ganze Bistümer sich entscheiden müssen, welchem Weg sie folgen wollen.
Wie friedlich das abgehen wird, kann man erahnen, wenn man sich anschaut, dass nach 1517 in den deutschen Landen und drumherum für rund 150 bis zum Westfälischen Frieden mehr oder weniger ununterbrochen religiös motivierte Kriege herrschten. Danach zogen in einigen Regionen Gutachter über Land, die entschieden, ob die Gemeinden katholisch sind oder dem reformierten Weg folgen (z.B. im Osnabrücker Land). Die Wirren waren am Ende so groß, dass die Menschen zum Teil selber nicht mehr wussten, was sie waren.

Wenn Kirche sich den gegenwärtigen Herausforderungen verweigere, drohe sie völlig belanglos zu werden.

Perspektiven für die künftige Arbeit der Bischofskonferenz
Bischof Dr. Franz-Josef Overbeck

Anders als es der Bischof offensichtlich meint, stimmt dieser Satz voll und ganz.

„Wir müssen Schneisen schlagen“, so Overbeck.

Perspektiven für die künftige Arbeit der Bischofskonferenz
Bischof Dr. Franz-Josef Overbeck

Das Kopfkino sieht den Bischof mit der Machete den „synodalen Weg“ in den Dschungel der Postmoderne schlagen. Er wird feststellen, dass die Dschungel der Welt schneller wachsen, als er die Kirche an sie anpassen kann. Jede Schneise, die nicht mit Wahrheit und Klarheit, sondern mit Mehrheit geschlagen wird, wird in den Abgrund und in die Spaltung führen.

Der Vortrag des Bischofs in Münster zeigt nur zu deutlich, wohin uns der von den Bischöfen ausgerufene synodale Weg führen kann. Es aller Voraussicht nach ein Weg ins Schisma, in die Verwirrung der Menschen und in die Dekonstruktion wesentlicher Glaubensinhalte.
In Folge dieser Wege wird ein Teil der Kirche sich abtrennen und den Weg des Protestantismus gehen.

Der Kirche ist von ihrem göttlichen Stifter Bestand verheißen. Was nicht verheißen ist, ist die Liebe der Welt zur Kirche. Ganz im Gegenteil, die Jünger Jesu sind in der Welt aber nicht von der Welt.
Eben dieser Welt, die die Kirche nicht liebt, wollen Bischöfe, die wie Franz-Josef Overbeck denken, sich geschmeidig anpassen. Das, was diese Bischöfe der Kirche abspalten werden, wird zuerst den Jubel der Welt erfahren, dann von der Welt gefressen werden und am Ende von eben dieser Welt angewidert ausgespuckt, wenn sie es ausgelutscht und für ihre Zwecke genutzt hat.

Die Zitate sind einer Meldung der kna über den Vortrag des Bischofs im Rahmen der Fachtagung entnommen.
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Peter Winnemöller

Journalist, Blogger
katholisch
immer neugierig
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seit einer gefühlten Ewigkeit im Internet unterwegs

(Der kleine Senator steht für meinen seit Beginn der Internetzeit verwendeten Nickname Cicero und ist ein Geschenk des Illustrators Peter Esser)

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