Blasphemie, um ins Gespräch zu kommen

Die Studenten der Fachschaft Theologie der Uni Freiburg haben ein Bild an der Universitätskirche aufgehängt, mit welchem sie die umstrittene Kirchen- und Meßboykottaktion „Maria 2.0“ unterstützen wollen. Das verwendete Bild tauchte erstmals in einer wahrnehmbaren Öffentlichkeit auf, als die Mitglieder und Anhänger der Priesterbruderschaft Pius X. für den Schutz des menschlichen Lebens von seinem Anfang bis zum Ende demonstrierten. Verwendet wurde das Bild von radikalen linken, feministischen Gegendemonstranten. Es rief schon damals Empörung hervor. Selbst wenn man der Piusbruderschaft nicht nahe steht, kann man der Ansicht sein, dass man ihnen ein solches Bild nicht zeigt. Es ist ungehörig und zudem undemokratisch.

Die Herkunft dieses Bildes ist ganz klar ein pornografischer Kontext. Es stammt von einem Instagram- Account mit dem sprechenden Namen „clubclitoris“. Wer hinreichend nervenstark ist, kann dort mal nachsehen. Man muss allerdings die Nase nicht in den Misthaufen stecken, um zu wissen, dass er stinkt. Man muss auch nicht prüde sein, um Pornografie scheiße zu finden. Man muss auch seine Geschlechtlichkeit nicht leugnen, um das Bild übergriffig zu finden.

Die Studenten der Fachschaft Theologie in Freiburg hatten in Absprache mit dem Rektor der Kirche vereinbart, dieses Bild aufzuhängen. Es fehlt jegliches Verständnis, wie ein Priester dazu seine Zustimmung geben kann. Unmöglich ist allerdings schon lange nichts mehr. Auch der Klerus lässt es zuweilen schmerzlich an Klarheit und an Zivilcourage missen.

Verwundert zeigten sich die Vertreter der Fachschaft über teils harte Reaktionen. Das zeigt, neben der spätpubertären Unreife eine pornografische Anmutung als Mariendarstellung zu verwenden, ein geradezu dramatisches Ausmaß an Naivität. Die Studenten provozieren fromme Christen, die Maria als Mutter Gottes und als ihre Mutter, die Mutter der Kirche, verehren. Mit einem kleinen bisschen Ahnung vom Traktat der Mariologie hätten sie wissen können, dass es weder mit Prüderie noch mit Leugnung der Geschlechtlichkeit zu tun hat, wenn gläubige Katholiken Maria als Urbild der Reinheit betrachten. Hier ist nicht der Ort für ein mariologisches Proseminar. Man lese einfach mal bei Ott oder bei Müller nach. Wozu studieren die denn Theologie?

Gefühl- und Taktlos stellen sie ein weibliches Geschlechtsorgan zur Schau und behaupten damit die Geschlechtlichkeit Marien zu betonen. Es fehlt den Studenten folglich außer der sittlichen Reife jegliches Gefühl für Takt und Anstand. Es fehlt an einem Mindestmaß an Respekt vor der Heiligkeit. Es zeigt, welches Ausmaß an Unglauben und Irrtum ihr Denken und Handeln beherrscht. Dabei kann man vielleicht bei vielen nicht von schuldhaftem Verhalten ausgehen. Schon lange ist ein eklatanter Mangel an qualifizierter katechetischer Unterweisung zu beklagen. Darüber hinaus ist der Zustand der Lehre an deutschen theologischen Fakultäten wahrlich nicht geeignet, einen starken und reifen Glauben durch Vernunft und Klarheit wachsen zu lassen und zu untermauern.

Am Ende ist es bei allem Ekel und Abscheu, den man empfindet, einfach nur noch bedauerlich. Es zeichnet wieder einmal ein trauriges Bild von der Theologie an deutschen Universitäten. Ein Vergleich mag es veranschaulichen. Man stelle sich einmal vor, eine Gruppe von Studenten käme an der Universität der Zisterzienser in Heiligenkreuz auf die gleiche Idee, wie jetzt die Studenten in Freiburg. Kann man nicht einmal denken so etwas. Und wenn man es dennoch versucht, dann sieht man im Geiste unmittelbar auch die Exmatrikulationen tief fliegen.

Das nämlich ist es, was die verantwortlichen Studenten erwarten sollte, ginge es an der Universität mit rechten Dingen zu. Mehr noch, haben sich die Verantwortlichen dieser Aktion als für den kirchlichen Dienst oder für den Erhalt der Missio canonica als vollends ungeeignet erwiesen. Aber keine Angst. Es wird ihnen nichts geschehen. Unsere Bischöfe machen sich aus Angst vor einer dann vielleicht schlechten Presse in die Soutane. Und schlechte Presse gäbe es. Aber es wird nicht passieren.

Eines aber wird auch nicht geschehen. Allen Versuchungen zum Trotz werde ich auf der Facebookseite der Fachschaft nicht kommentieren oder anderswo mit den Verantwortlichen diskutieren. Es fehlt ihnen schlicht an Satisfaktionsfähigkeit.

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Peter Winnemöller

Journalist, Blogger
katholisch
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Leseratte
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(Der kleine Senator steht für meinen seit Beginn der Internetzeit verwendeten Nickname Cicero und ist ein Geschenk des Illustrators Peter Esser)

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