Gegen die Verwirrung – Teil 2

1. Der eine und dreifaltige Gott, offenbart in Jesus Christus

Der Inbegriff des Glaubens aller Christen findet sich im Bekenntnis zur Allerheiligsten Dreifaltigkeit. Wir sind durch die Taufe auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes Jünger Jesu, Kinder und Freunde Gottes geworden. Die Verschiedenheit der drei Personen in der göttlichen Einheit (254) markiert im Hinblick auf andere Religionen einen fundamentalen Unterschied im Gottesglauben und im Menschenbild. Am Bekenntnis zu Jesus dem Christus scheiden sich die Geister. Er ist wahrer Gott und wahrer Mensch, empfangen vom Heiligen Geist und geboren aus der Jungfrau Maria. Das Fleisch gewordene Wort, der Sohn Gottes, ist der einzige Erlöser der Welt (679) und der einzige Mittler zwischen Gott und den Menschen (846). Daher bezeichnet der erste Johannesbrief denjenigen als Antichrist, der seine Gottheit leugnet (1 Joh 2,22), da Jesus Christus, der Sohn Gottes von Ewigkeit her eines Wesens ist mit Gott, Seinem Vater (663). Mit klarer Entschiedenheit ist dem Rückfall in alte Häresien entgegenzutreten, die in Jesus Christus nur einen guten Menschen, Bruder und Freund, einen Propheten und Moralisten sahen. Er ist zu allererst das Wort, das bei Gott war und Gott ist, der Sohn des Vaters, der unsere menschliche Natur angenommen hat, um uns zu erlösen und der kommen wird zu richten die Lebenden und die Toten. Ihn allein beten wir in der Einheit mit dem Vater und dem Heiligen Geist als den einzigen und wahren Gott an (691).


Gerhard Kardinal Müller
Glaubensmanifest – Euer Herz lasse sich nicht verwirren (Joh 14, 1)

Unsere persönliche Glaubensbiografie beginnt immer mit einen Bekenntnis. Dies ist das, von uns selbst oder im Falle der Säuglingstaufe von den Eltern gesprochene Glaubensbekenntnis. Der Absage an das Böse folgen Fragen zum Glauben. Drei Fragen – eine zum Vater, eine zum Sohn und eine zum Heiligen Geist. Glaubst Du? Ja, ich glaube an die Allerheiligste Dreifaltigkeit. Das Bekenntnis steht nicht im leeren Raum, der taufende Priester akklamiert: Ja, das ist der Glaube der Kirche. Man merkt es, da wird etwas abgeglichen. Nicht die Beliebigkeit, sondern die konkrete Übereinstimmung begründet den Glauben und mit der Taufe die Zugehörigkeit zur Kirche. Kinder Gottes werden wir.

Der Einleitung des Glaubensmanifests lässt der Kardinal unmittelbar einen Satz zur Bedeutung des Bekenntnisses zur Allerheiligste Dreifaltigkeit folgen. Der Inbegriff des Glaubens aller Christen bedeutet hier, es gibt keinen christlichen Glauben ohne, neben oder an diesem Bekenntnis vorbei. Es gibt ohne dies Bekenntnis keine Taufe, ohne Taufe kein christliches Leben. Darum steht auch die Taufe hier besonders erwähnt.

Mit der Selbstbestimmung als Christ durch das Bekenntnis zur Trinität findet damit auch zugleich eine Abgrenzung von anderen Religionen und Weltanschauungen statt. Kardinal Müller erteilt jeglichen Versuchen einer gegenseitigen Vereinnahmung oder einer relativistischen Vereinheitlichung aller Religionen eine Absage. Die Versuchung ist nur allzu groß. Auch wenn wir mit allen anderen monotheistischen Religionen den Glauben an den einen Gott teilen, so teilen wir dennoch nicht einen gleichen Gottesglauben. Fundamental, so der Kardinal ist der Unterschied nicht nur im Gottesglauben, sondern auch im Menschenbild. Wir Christen glauben, dass Gott den Menschen nach seinem Abbild geschaffen hat. So ist es völlig logisch, dass Gottes- und Menschenbild des Christen miteinander korrelieren. Nur vom Gottesbild des Christen her kann sich eine christliche Anthropologie entfalten.

Dabei spielt die zweite Person des einen dreifaltigen Gottes für uns eine besondere Rolle. In Jesus Christus ist Gott Mensch geworden. Dieser Satz ist eine Scheidelinie, die trennt zwischen Christen und Nichtchristen. In knappen Zügen entfaltet der Kardinal ein kurzes christologisches Bekenntnis. Er nennt die wichtigsten Aspekte: Die Fleischwerdung, die Erlöserschaft, die Mittlerschaft zwischen Gott und Mensch. Die Gottheit Jesu findet an dieser Stelle eine besondere Betonung. Immer wieder wird von Jesus als einem Guten Menschen, Kumpel, Bruder, Prophet oder Moralprediger gesprochen. Der Kardinal zählt hier auf, was der Welt so gut gefallen könnte. Ein solcher Jesus wäre praktisch, weil beliebig an jeden Zeitgeist adaptierbar, aber auch zu jeder Zeit relativierbar.

Kurz und knapp bleibt das Manifest hier wie an anderen Stellen und erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Diese findet sich im Katechismus der Katholischen Kirche, in welchem die Kirche ihren Glauben authentisch und verbindlich darlegt. Die Verweise in runden Klammern geben die Nummern im Katechismus an. Hier bietet sich die ergänzende und weiter führende Lektüre an.

Der Absolutheitsanspruch Gottes widerspricht all diesen Tendenzen. Jesus lehrt wie einer, der Vollmacht hat. Das bemerkten schon seine Zeitgenossen. Der erste Johannesbrief verurteilt scharf jenen, der die Gottheit Jesu leugnet als Antichrist. Die Gnostiker früherer Tage leugneten die Gottheit Christi. Wir haben es heute mit postmodernistischer Gnostik zu tun, die glaubt, auf Grund höherer wissenschaftlicher Erkenntnis weitaus mehr zu wissen als die Kirche, der die Wahrheit anvertraut ist.

Der kleine trinitarische und christologische Traktat endet mit einem Bogen von Alpha zu Omega. Geschickt zeichnet der Kardinal den zeitlichen und ewigen Weg des Gottessohnes nach. Jesus Christus war vor aller Zeit das Wort, das bei Gott ist und das Gott ist. Die Präexistenz des Logos zeigt den Heilsplan Gottes, der vor aller Zeit das Heil für die Menschen vorgesehen hat. Er hat menschliche Natur angenommen, um dieses Heilswerk zu verrichten. Aber er ist auch der, der wiederkommen wird, um uns zu richten. Ein wenig gerät auch unsere Zeit in die Gefahr aus Jesus einen kuscheligen Kumpel zu machen, der irgendwie alles barmherzig mitmacht und mit sich machen lässt, so man nicht Jesus gleich jegliche Relevanz abspricht.

Der Kardinal gibt Zeugnis pro Christus. Jesus ist als Mensch unser Bruder geworden. Als Gott hat er nie aufgehört und wird nie aufhören, unser Herr zu sein. Uns ist kein anderer Name unter dem Himmel gegeben, der uns Heil verheißt. Er schließt mit einer trinitarischen Formel und betont die Anbetung des einzigen und wahren Gottes.

Die Trinität und Christus an den Anfang des Manifestes zu stellen, macht sehr deutlich, worum es dem Glauben der Kirche geht. Es ist ein Gott in drei Personen, der Schöpfer, Erlöser und Erhalter der Welt ist. Nur dieser Gott ist der wahre Gott, nur diesen Gott beten wir an. Damit steht dem Manifest zugleich der innerste Kern unseres Glaubens voran. An der Trinität, diesem größten aller Geheimnisse und dieser allergrößten nur möglichen Nähe, nämlich in der Anbetung, kommt niemand vorbei, der die Wahrheit sucht.

Nur die Schönheit und Wahrheit des Glaubens an den Dreieinigen Gott ist der Weg der Menschen zum Heil. Dieser Weg konkretisiert sich in der Kirche, so ist es konsequent und folgerichtig, den nächsten Teil der Kirche zu widmen.

Posted in Kirche, Kommentar zum Glaubensmanifest, Nicht kategorisiert, Theologie and tagged , .

Peter Winnemöller

Journalist, Blogger
katholisch
immer neugierig
Leseratte
seit einer gefühlten Ewigkeit im Internet unterwegs

(Der kleine Senator steht für meinen seit Beginn der Internetzeit verwendeten Nickname Cicero und ist ein Geschenk des Illustrators Peter Esser)

Für oben stehenden Artikel gilt:
© Peter Winnemöller - Alle Rechte vorbehalten -