Deutsch als Amtssprache abgeschafft

Media septimana

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Die Stadtverwaltung Hannover hat in der Tat eine neue Amtssprache eingeführt. Es handelt sich um ein deutsch anmutendes Gendersprech, mit dem angeblich Diskriminierungen vermieden werden sollen. Als Diskriminierung empfindet man in Hannover in jedem Falle das generische Maskulinum, welches man im Deutschen als allgemeine, kein biologisches Geschlecht kennzeichnende grammatikalische Form verwendet.

Genderideologen empfinden darüber hinaus auch die im Deutschen noch gerade erträglich, oft jedoch zur Komik neigende Feminisierung von Berufs-, Amts- und Tätigkeitsbezeichnungen als diskriminierend. Der Diskriminierer an sich ist ohnehin der Mann, genauer gesagt, der weiße, katholische, alte Mann. Und weil die hetronormative Biploarität (ich liebe dieses Wortkonstruktion) in bester achtundsechzigterroristischer Manier ohnehin nur „Kackscheisse“ ist, muss also der linken Ideologie folgend eine neue Sprache zu Anwendung kommen.

Hannovers neues Gendersprech ist als linke Ideologiesprache gleich hinreichend verräterisch. Der Lehrer wird als der Lehrende bezeichnet und mithin in seinem ganzen sonstigen Sein diskriminiert und vollends auf seine partielle und temporäre Tätigkeit, nämlich zu lehren, reduziert. Die attributisierende Sprachstil, der linkes Gedankengut so sehr in sich trägt, dass es einem aus jeder Zeile entgegen springt, definiert den Menschen nur von seinen Handlungen her. Nichts anderes kommt mehr zur Geltung.

So ist dann die Hausfrau und Mutter, ups, böse in die Genderkacke gegriffen also nochmal, das Haushaltende Elter, das im Nebenjob des Stadtregierenden (wo es mit rechten Dingen zugeht, nennt man so was Oberbürgermeister) Büro putzt, ist dann eine Putzende. Sie wird sich herzlich dafür bedanken.

Wer künftig von der Stadtverwaltung Hannover einen Brief bekommt, wird zunächst einmal entweder selber einen Kurs in Gendersprech belegen müssen oder ihn sich von einem Freund übersetzen lassen müssen.

Gerade etwas einfach gestrickte Menschen (also z.B. die von der Feuerwehr, wie wir dank der Genderforschung aus Paderborn wissen) tun sich schwer mit Gendersprech. Woll, Kumpel, datt wolln wa doch woh‘ nich‘!

Fraglich ist, ob Eingaben an die Stadt Hannover noch in deutscher Sprache verfasst werden dürfen. Ob Mitarbeitende der Stadtverwaltung noch Ausweisende oder Passende an Einwohnende ausstellen, die des Genderns nicht mächtig sind. Wird man sich überhaupt langfristig in der Hochsprache unseres Landes noch verständlich machen können, in der Stadt, deren Mundart zur Hochsprache unseres Landes wurde?

Es ist an dieser Stelle zu bedauern, dass die Verfassung unseres Landes keine Amtssprache festlegt. Zur Zeit der Abfassung unserer Verfassung war „1984“ ein dystopischer Roman unter vielen. Wir sind weit über 1984 hinausgewachsen. In vielen Bereichen geht die Wirklichkeit weit über das hinaus, was sich Orwell ausdenken konnte.

In einem Punkt aber hat Orwell einen Volltreffer gelandet: Eine staatliche Stelle bestimmt die Weise wie gesprochen werden darf. Die Gehirnwäsche, der wir durch Genderneusprech unterworfen werden sollen, soll unterstützen und zur Vollendung bringen, was die Genderideologie zum Ziel hat. Es geht um die vollkommene Auflösung der Identität des Menschen in seinen natürlichen sozialen Bezügen. Denn das ist nun einmal das innerste Wesen des Menschen, dass er sich als Mann oder Frau seinen Platz in einem sozialen Bezugsrahmen sucht. Familie und Freundeskreis, Vereinsleben und Beruf, sowie viele andere Aktivitäten des Menschen setzen voraus, dass der Mensch als Mann oder Frau seine Identität gefunden und gefestigt hat und so in ganzer Fülle mit seinem Umfeld angemessen interagieren kann. Wer Geschlecht zu einem sozialen Konstrukt macht und dies sprachlich und gedanklich im Bewusstsein der Menschen zu fixieren sucht, beraubt die Menschen ihrer Identität und macht sie zu einer beliebig steuerbaren Masse. Es ist diese Mischung der beiden großen Dystopien des vergangenen Jahrhunderts, 1984 von George Orwell und Brave New World von Aldous Huxley die sich in geradezu faszinierender Weise in der Genderideologie verwirklicht finden.

Den Menschen seiner Sprache, seiner Gedankenfreiheit und am Ende seiner Identität vollends zu berauben führt in die absolute Orientierungslosigkeit sowie absolute Steuerbarkeit und damit am Ende in die absolute Abhängigkeit der Menschen. Sprache ist ein Bestandteil des Denkens und damit ein Bestandteil des Seins. Sprache als Handeln zu missdeuten, was überhaupt nur der Hintergrund für die verordnete Änderung der Sprache ist, ist Gewaltausübung gegen das Sein des Menschen.

Darum ist der Hannoveraner Gendersprech ebenso wie jeder andere Gendersprech, so er vom Staat oder der Verwaltung einer anderen Gebietskörperschaft gefordert wird, ein despotischer Akt.

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Peter Winnemöller

Journalist, Blogger
katholisch
immer neugierig
Leseratte
seit einer gefühlten Ewigkeit im Internet unterwegs

(Der kleine Senator steht für meinen seit Beginn der Internetzeit verwendeten Nickname Cicero und ist ein Geschenk des Illustrators Peter Esser)

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