Gegen die Verwirrung – Teil 1

Angesichts sich ausbreitender Verwirrung in der Lehre des Glaubens, haben viele Bischöfe, Priester, Ordensleute und Laien der katholischen Kirche mich um ein öffentliches Zeugnis für die Wahrheit der Offenbarung gebeten. Es ist die ureigene Aufgabe der Hirten, die ihnen Anvertrauten auf den Weg des Heils zu führen. Dies kann nur gelingen, wenn dieser Weg bekannt ist und sie ihn selber vorangehen. Dabei gilt das Wort des Apostels: „Denn vor allem habe ich euch überliefert, was auch ich empfangen habe“ (1 Kor 15,3).
Heute sind vielen Christen selbst die grundlegenden Lehren des Glaubens nicht mehr bekannt, so dass die Gefahr wächst, den Weg zum Ewigen Leben zu verfehlen. Es bleibt aber die ureigene Aufgabe der Kirche, die Menschen zu Jesus Christus, dem Licht der Völker, zu führen (vgl. LG 1). In dieser Lage stellt sich die Frage nach Orientierung. Nach Johannes Paul II. stellt der Katechismus der Katholischen Kirche eine „sichere Norm für die Lehre des Glaubens“ (Fidei Depositum IV) dar. Er wurde mit dem Ziel verfasst, die Brüder und Schwestern im Glauben zu stärken, deren Glaube durch die „Diktatur des Relativismus“ massiv in Frage gestellt wird.

Gerhard Kardinal Müller
Glaubensmanifest – Euer Herz lasse sich nicht verwirren (Joh 14, 1)

Die Motivation

Der Kardinal beginnt mit seiner Motivation, die zur Abfassung dieses Schreibens geführt hat. Da ist zum einen die sich ausbreitende Verwirrung. Wer wollte bestreiten, dass bei der großen Mehrheit der Katholiken Unsicherheit bis Unkenntnis herrscht, was die Kirche glaubt und lehrt. Seit fünf Jahrzehnten ausbleibende Katechese zeigt ihre Folgen. Im Leben der Menschen zeigt es sich als fortschreitende Abnahme der Glaubenspraxis in Liturgie, Bekenntnis/ Weitergabe des Glaubens und nicht zuletzt den Werken der tätigen Nächstenliebe.

Bischöfe, Priester, Ordensleute und Laien hatten den Kardinal um das nun vorliegende Glaubenszeugnis gebeten. Confiteor: Auch wenn ich nicht persönlich mit Kardinal Müller sprechen konnte, bin auch ich einer von jenen Laien. Die Verwirrung über das, was die Kirche glaubt und lehrt ist zuweilen sogar eine Verwirrung im Klerus, der gar nicht mehr lehrt und bekennt, was die Kirche lehrt und bekennt. Man wundere sich nicht darüber, wenn die Gläubigen Zweifel am Glauben ihrer Hirten haben und darüber geistlich ins Schleudern geraten.

Aufgabe der Hirten

Es ist, wie der Kardinal schreibt, Aufgabe der Hirten, die ihnen anvertrauten Christen auf den Weg des Heils zu führen. Darum, aus exakt jenem Grund bin ich primär in der Kirche, damit diese mich zum Heil führe in dieser unheilen, von der Erbsünde gebrochenen Welt. Definitiv bin ich nicht in der Kirche, damit diese mich befähigt einer guter Mensch zu werden und die Welt zu retten. Wie sollte das auch gehen? Mein Superheldenkostüm ist bei der letzten Wäsche eingelaufen.

Wollen aber die Hirten die Herde zum Heil führen, dann müssen die Hirten selber den Weg nicht nur kennen sondern auch gehen. Der Glaube der Kirche, das muss auch der Glaube der Hirten sein. Gott hat uns keine Roboter als Priester gesandt, darum muss auch dem Priester das Ringen und Zweifeln erlaubt sein. Da stehen Hirt und Herde nebeneinander. Wo es aber gilt der Welt und ihren Verlockungen zu widerstehen, da geht der Hirte voran. Nicht zuletzt die Gnade, die das sakramentale Amt hier schenkt macht vieles möglich, was dem Menschen von sich aus nicht gelingen kann. Zum Zeugnis des Priesters und des Bischofs gehört also auch das Vertrauen in das Charisma ihres Amtes. Weil aber die Gnade mit der Natur wirkt, wird dem Priester sein „adsum“ immer wieder neu abverlangt. So kann ein glaubwürdiger Zeuge sein, wer das Zeugnis, das er gibt selber lebt. Nicht mehr und nicht weniger verlangt der Kardinal in seinem Glaubensmanifest den Priestern und Bischöfen ab.

Darum wird es sinnvoll sein, dass gerade Priester dieses Glaubensmanifest meditieren. Es ist kein in Stein gemeißeltes abgeschlossenes Werk, sondern es ist eine Anleitung selber weiter und tiefer zu lesen. Der Kardinal nennt dazu am Ende des ersten Absatzes den Katechismus der Katholischen Kirche.

Heute, so schreibt der Kardinal wieder den Erstadressaten des Manifestes ins Stammbuch, sei vielen Christen selbst die grundlegendsten Lehren des Glaubens nicht mehr bekannt. Wer daran Zweifel hegt, mag doch mal im Religionsmonitor von Bertelsmann nachsehen. Aufschlussreich sind die Umfragen zu Ostern, Weihnachten oder Pfingsten. Die Festgeheimnisse kennt nur eine Minderheit.

Es wird deutlich, wenn der Kardinal darauf verweist, dass die Gefahr wächst, den Weg zum Ewigen Leben zu verfehlen. Nur Karnevalisten haben die Heilsgewissheit: „Wir kommen alle, alle in den Himmel! Weil wir so brav sind.“ Die Wirklichkeit sieht der Gefahr ins Auge, das Heil auch verfehlen zu können. Darum, so wird der Kardinal deutlich, sei es Aufgabe der Kirche die Menschen zum Licht der Völker, zu Jesus Christus zu führen.

Der Katechsimus

An dieser Stelle kommt der Katechismus ins Spiel. Der Kardinal nennt ihn mit dem Heiligen Papst Johannes Paul II., der diesen Katechismus der Kirche geschenkt hat, eine „sichere Norm für die Lehre des Glaubens“. In der Tat war und ist der KKK ein Überraschungserfolg. Verfasst wurde er ursprünglich als Vorlage für die Bischöfe und regionalen Bischofskonferenzen, die auf dieser Basis eigene Katechismen erarbeiten sollten. Unwilligkeit der Bischöfe auf der einen Seite und die Tatsache, dass die Gläubigen den KKK selber gelesen haben, führte schließlich dazu, dass dieses Werk heute gemeinsam mit dem Kompendium zum KKK ein Standardwerk zum Erlernen und Vertiefen des eigenen Glaubens ist.

Das Katechismus der Katholischen Kirche ist ganz sicher kein Instrument der Mission oder der Erstinformation über den Glauben. Er dient dazu den Glauben zu stärken. Damit schärft der Kardinal am Ende der Einleitung noch einmal sein Anliegen. Auch das Glaubensmanifest ist kein Werkzeug zur Mission. Es dient nicht dem Erstkontakt mit dem Glauben der Kirche. Der Verweis auf den Katechismus steht im Einklang mit dem Abschlussgedanken, die Schwestern und Brüder im Glauben zu stärken, deren Glauben durch die „Diktatur des Relativismus“ massiv in Frage gestellt werde.

Die Auswahl der Themen

Immer wieder im Laufe des Textes verweist der Kardinal auf den Katechismus als Möglichkeit, weiter zu lesen und vertieft zu durchdenken. Es wird wohl jedem klar sein, dass ein solches Manifest von vier Seiten Umfang nicht schon selber ein Kompendium des Glaubens der Kirche sein kann. Die Auswahl der Themen zeigt exakt auf, wo der Schuh des Unglaubens, der Verwirrung oder des Irrtums am stärksten drückt in dieser Zeit. So ist das Werk ein Werk, das im Kontext unserer Zeit gelesen werden muss. Die Verwirrungen innerhalb der Kirche selbst sind enorm und es kann eben nur der in der Einheit bleiben, der in der Wahrheit bleibt. Jede Idee, der Kardinal schreibe gegen den Papst oder er schreibe als beleidigter Kardinal, wie man es gestern und heute zuweilen lesen konnte, gehört wohl in den Bereich des Absurden. Es handelt sich ja schon fast um eine Auftragsarbeit der Herde an ein einen Hirten, der der Hirte nachgekommen ist.

So wird nun das Schreiben hier im Blog in den nächsten Tagen und Wochen kommentiert werden. Es sind im Gegensatz zum Inhalt des Schreibens meine Kommentierungen keine absoluten Wahrheiten, sondern die persönliche Rezeption eines außerordentlich wertvollen kirchlichen Dokumentes, welches die Chance haben sollte, wirklich Breitenwirkung zu erzielen.

Posted in Kirche, Kirche aktuell, Kommentar zum Glaubensmanifest, Theologie and tagged , .

Peter Winnemöller

Journalist, Blogger
katholisch
immer neugierig
Leseratte
seit einer gefühlten Ewigkeit im Internet unterwegs

(Der kleine Senator steht für meinen seit Beginn der Internetzeit verwendeten Nickname Cicero und ist ein Geschenk des Illustrators Peter Esser)

Für oben stehenden Artikel gilt:
© Peter Winnemöller - Alle Rechte vorbehalten -