Der Kardinal, der Narr und die Oblaten

Oblate

Karlsbader Oblate. Foto: Alice Wiegand Quelle: Wikimedia Lizenz: CC-BY-SA-3.0-migrated

Auf dem sogenannten Katholikentag, der vom 10. bis 12. Mai diesen Jahres in Münster stattfindet, forderte Dr. von Hirschhausen für sich auch eine Oblate. Wenn er seine katholische Frau in die Messe begleite, so wolle er gefälligst auch so eine Oblate haben, forderte Hirschhausen von Rainer Maria Kardinal Woelki.

Laut übereinstimmenden Medienberichten erhielt der Arzt, der jedoch nicht praktiziert sondern als Komiker auftritt, für sein polemisches Postulat reichlich Applaus. Man darf also davon ausgehen, daß die Anwesenden Katholikentagsteilnehmer das ähnlich sehen.

Zu Recht verwahrte sich der Kardinal gegen die Herabwürdigung der Eucharistie. Hier wurde sehr, sehr deutlich, wie berechtigt die Einwände der sieben Bischöfe gegen die Handreichung zur Interkommunion konfessionsverschiedener Paare ist. Mit geharnischter Polemik warf man den Bischöfen vor, die geistliche Not gemischtkonfessioneller Paare nicht ernst zu nehmen. Es gehe den evangelischen Partner doch gar nicht darum, auch einen Keks zu bekommen. Nun ist es der Narretei des Dr. Hirschhausen zu danken, daß in der Diskussion künftig ein Link reicht, um das Gegenteil zu beweisen.

Der Beweis ist erbracht – Interkommunion geht so nicht

In der Logik ist es nämlich so, ein Satz gilt genau dann nicht universell, wenn es mindestens einen Fall gibt, auf den der Satz eindeutig nicht zutrifft. Herr Dr. von Hirschhausen, der seiner Frau die katholische Kirchensteuer bezahlt, besteht darauf, deshalb eben auch einen Keks, oder wie er sagte, eine Oblate zu bekommen. Vielen Dank, Herr Dr. von Hirschhausen, denn sie haben all denen, die sich mühen klar zu machen, warum die Interkommunion eben nicht so einfach en passant zu „machen“ ist, einen großen Dienst erwiesen.

Jetzt, das zeigt der brandende Applaus für Hirschhausen, bedarf es dringend einer Handreichung der DBK. Das Verständnis für die Eucharistie und damit auch der Glaube an die Realpräsenz ist bei vielen nominell katholischen Zeitgenossen schlicht und ergreifend dahin geschmolzen. Sie wissen es nicht, weil man sie es nicht gelehrt hat.

Gerne erinnert man sich an den Eucharistischen Kongress in Köln. Da stand das Zentrum des katholischen Glaubens, die Eucharistie im Mittelpunkt der Betrachtungen. Zwei Dinge erstaunten – oder auch nicht, je nach Sichtweise. Zum einen die durch weitestgehender Abwesenheit glänzenden katholischen Verbände auf dem EuKo in Köln. Wo sie auftraten, da war es eher Störfeuer als nützliche Hilfen. Zum anderen erstaunte die Entdeckung der Katechese durch die Bischöfe. Plötzlich taten die Bischöfe, was ihres Amtes ist (natürlich neben der Leitung, keine Frage): Sie lehrten das gläubige Volk. Sagenhafte Katechesen haben wir in Köln damals gehört.

Der Gegensatz zum Katholikentag, jener Veranstaltung der Verbände und Funktionäre könnte nicht krasser sein. Statt Katechesen von Bischöfen zu hören, wird über Interkommunion und Klimawandel diskutiert. Kirchenkritisch zu sein ist chic auf dieser Zusammenkunft von Katholiken. Eine Phantasieökumene treibt das Treffen um. Vom Präsidenten des Veranstalters war zu hören, daß Protestanten auf dem Katholikentag selbstverständlich die Kommunion erhalten.

Man erinnere sich, für eine Einladung von Protestanten zu Kommunion wurde dem Theologieprofessor Hasenhüttl seinerzeit die Lehrerlaubnis entzogen. Verantwortlich dafür war sein damaliger Bischof, ein gewisser Reinhard Marx. Es ist nicht bekannt, daß die DBK, deren Vorsitzende der damalige Bischof von Trier heute ist, gegen die Aussage von Herrn Sternberg interveniert hätte.

Der Kirchentag in Münster hat die Katholiken in Deutschland zum einen durchaus ein Stück näher an eine Art deutsche Einheitskirche heran geführt, zumal sich nun durch die von Münster ausgehenden Impulse viele ermächtigt sehen werden, sich mit ihrer Praxis wieder ein Stück weiter vom Glauben der Kirche zu entfernen. Auf der anderen Seite tragen solche Veranstaltungen wie die Begegnung von Kardinal Woelki mit Hirschhausen, viel mehr aber noch die Reaktionen des Publikums, zu größerer Klarheit bei.

Der Narr bekommt den Applaus, nicht der Bischof!

Im Publikum dürften mehrheitlich Menschen gesessen haben, die nominell katholisch sind. Die Leser der Nachrichten im Lande werden kaum verstehen, worum es geht. Die gläubigen, praktizierenden Katholiken fühlen sich verletzt von so viel Mißachtung. Der Bischof wurde vorgeführt vom Narren und dem Moderatoren als Helfer. Es ist ihm zu gratulieren, wie souverän er dem Spott erwidern konnte.

Noch einige Zeit werden wir uns mit verbandskatholischen Katholikentagen zu plagen haben, die uns immer wieder derartige Veranstaltungen präsentieren werden. Unterm Strich aber zeigt sich nicht zuletzt durch so etwas, daß von diesem ewiggleichen pseudomodernistischen Reformkatholizismus keinerlei wirkliche Relevanz zu erwarten ist.

Noch nicht bekannt ist, ob sich die DBK dazu durchringen kann, in einer Handreichung die Priester aufzufordern, künftig Oblaten für Protestanten bereit zu halten, die dies wünschen. Das wäre mal Akt echter Ökumene.

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Peter Winnemöller

Journalist, Blogger
katholisch
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(Der kleine Senator steht für meinen seit Beginn der Internetzeit verwendeten Nickname Cicero und ist ein Geschenk des Illustrators Peter Esser)

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