So dann doch nicht

Kardinal Marx (Archivbild)

Gestern Nachmittag platzte die Bombe. Der Papst lehnt die Handreichung der DBK zur Interkommunion ab. Das größte katholische Internetportal im deutschsprachigen Raum hatte die Nachricht in Rom ausgegraben. Kurze Zeit später bestätigte CNA-deutsch die Meldung, nachdem sich die Agentur bei eigenen Quellen in Rom rückversichert hatte.

Später ging eine Meldung bei der kna über den Ticker, daß die DBK alles dementiere. Eine Ablehnung der Handreichung sei nicht bekannt ließ der Pressesprecher der DBK, Matthias Kopp, verlauten. Kardinal Marx habe die Handreichung nicht an den Vatikan geschickt, geht es weiter im Dementi. Der entsprechende Entwurf werde laut DBK- Pressestelle noch überarbeitet. Man könne die von kath.net gemachten Angaben nicht bestätigen, sie seien nicht schlüssig.

Heute morgen dann titelte der stets gut informierte Vatikanist Edward Pentin: „Vatican Rejects German Bishops’ Intercommunion Proposal“. Es gebe so Pentin ein ablehnendes Antwortschreiben aus der Glaubenskongregation, das von Papst Franziskus gebilligt sei. Der Papst habe jedoch angeordnet, das Schreiben sei nicht zu veröffentlichen.

Inhaltlich, so wird derzeit von den meisten Berichterstattern angenommen, handele es sich nicht um eine komplette Ablehnung, sondern um die Aufforderung bestimmte Punkte zu verändern. Was genau wird man wohl derzeit nicht in Erfahrung bringen können.

Aktueller Stand – alles nicht und doch ganz anders

Damit geht ein abendfüllender Krimi nun seinem einstweiligen Ende entgegen. Es ist ein exzellentes Beispiel kirchlicher Desinformationspolitik. Erst kürzlich tat sich der Vatikan mit einer Veröffentlichung eines gekürzten – und damit verfälschten – Briefes von Papst em. Benedikt XVI. hervor. Im aktuellen Fall wird Schweigen angeordnet. Diese Auffassung von Transparenz, die hier letztendlich von „Reformpapst Franziskus“ zu verantworten ist, ist erschreckend. Man will den Gläubigen offensichtlich nicht die ganze Wahrheit zumuten.

Ein Faszinosum ist auch das gestrige Dementi der DBK – Pressestelle. Man konnte anschließend beruhigt mit zwei Feststellungen schlafen gehen.

  1. An der Nachricht von der Ablehnung aus Rom ist was dran.
  2. Die Art und Formulierung des Dementi ließ unmittelbar eine doch recht eindeutig identifizierbare Nickeligkeit gegenüber kath.net durchschimmern.

Zum ersten Punkt kann man sagen, ist es gut zu wissen, daß das, was die Mehrheit der DBK geplant hatte, nicht gehen wird. Vorbei ist es nicht. Niemand mache sich Illusionen, daß das Thema Interkommunion (in jeglicher Variante) damit vom Tisch sei. Es ist ohnehin ein Wiedergänger, der gerade die günstige Gelegenheit suchte und nun auf die nächste warten wird.

Der Trick hinter all den Bestrebungen ist ein alter Bekannter. Man ändert angeblich nicht die Lehre, man ändert nur die Pastoral. Es ist der Trick des II. Vatikanischen Konzils, also nicht des Konzils selber, sondern des „Geist des Konzils“. Das ist jenes kirchengeschichtliche Spukphänomen, welches uns suggeriert, man ändere ja nur die Pastoral. Der Geist des Konzils ist identisch mit dem Geist von Amoris laetitia. Und es ist identisch mit jenem Trick der geplanten und vorläufig von Rom gestoppten Handreichung zur Interkommunion von gemischtkonfessionellen Ehepaaren.

Zum zweiten Punkt muß man einfach sagen, daß manche Dinge sich wohl nie ändern werden. Nach wie vor ist und bleibt kath.net das meistgelesene katholische Nachrichtenportal im deutschsprachigen Raum. Der Markt bestimmt das und nicht die pekuniäre Macht des VDD und seiner Tochterunternehmen. Diese Nickeligkeit nervt. Eine Änderung wird aber noch etwas auf sich warten lassen.

Ansonsten muß man einfach dankbar über die Konkurrenzsituation sein. Man stelle sich vor, das umstrittene Portal aus Bonn, welches sich im Besitz einer 100%-Tochter des VDD befindet, wäre tatsächlich der Meinungsführer darin, was katholisch ist.

Dann doch lieber kath.net.

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Peter Winnemöller

Journalist, Blogger
katholisch
immer neugierig
Leseratte
seit einer gefühlten Ewigkeit im Internet unterwegs

(Der kleine Senator steht für meinen seit Beginn der Internetzeit verwendeten Nickname Cicero und ist ein Geschenk des Illustrators Peter Esser)

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