media septimana: Das Ausmaß der Krise

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Wer wissen will, wie groß die Krise ist, also die Glaubenskrise in der Kirche, der muß ja nur Sonntag für Sonntag die Hl. Messe besuchen. Das ist nichts neues unter der Sonne. Ungefähr jeder zehnte katholische Gläubige kommt seiner Sonntagspflicht nach. Alle anderen bleiben fern. Man müßte sehr naiv sein, wollte man glauben, das habe mit dem Glauben nichts zu tun.

Auch der Rest glaubt etwas. Das ist es nämlich. Man glaubt etwas. Ein wenig von diesem, ein wenig von jenem. Und irgend ein höheres Wesen wird da schon sein. Falsch gedacht! Gott hat sich den Menschen ganz konkret geoffenbart. Glaube und Vernunft stehen nicht in einem Widerspruch und ein Wühlen im dunklen, ein Fischen im Ungewissen ist denkbar unnötig. Das Evangelium gibt vollständige Auskunft. Es bleibt Glaube, nicht Wissen. Doch es gibt ein Wissen um den Glauben.

Der Glaube ist ganz konkret

Diese Konkretion des Glaubens hat sich in der Welt manifestiert. Gott ist Mensch geworden in Jesus Christus. Er war anfassbar. Mehr noch er war verwundbar. Und so passierte, was passieren mußte: Er wurde getötet. Die Welt kann Gott nicht leben lassen. Das ist heute nicht anders. Wer glaubt nicht alles, Gott sei tot. Aber Jesus Christus hat uns nicht als Waisen zurück gelassen. Zunächst hat er den Tod überwunden. Das feiern wir Ostern. Dann hat er nach seiner Himmelfahrt den Heiligen Geist gesandt, der seine Kirche leiten soll.

Da wird der Glaube anfassbar. Im Petrusdienst, in den Bischöfen, die Nachfolger der Apostel sind, in jedem Gläubigen, jedem Zeugen, jedem Missionar im Alltag wird der Glaube berührbar. Die Kirche ist die Realität des von Gott geoffenbarten Glaubens, die sich in der Welt manifestiert. Sie ist nicht perfekt, obwohl sie eine Societas perfecta ist. Sie ist göttlich und besteht dennoch aus Menschen.

Mitten drin ist der Wurm

Darin liegt das Risiko der Kirche. Sie besteht aus Menschen, die ihre je eigene Aganda pflegen. Alle, auch die Heiligen sind nicht frei von Egoismen. Das ist die Triebkraft, die den Antrieb zum positiven wie auch negativen gibt. In Deutschland – wie auch im übrigen Europa – steckt die Kirche in einer Glaubenskrise, nicht zuletzt weil egoistische Triebkräfte die eigene Agenda gegen die Kirche und den Glauben, zuweilen sogar auf Kosten der Kirche und des Glaubens voran treiben. Dazu zählen nicht zuletzt diejenigen, die glauben im Namen der Kirche Medienarbeit zu machen.

Ein Standpunkt auf katholisch.de, jenem Onlineportal, welches von einer Firma, die im Besitz des Verbandes der Diözesen Deutschlands ist, betrieben wird, war von Joachim Frank, seines Zeichens Vorsitzender der Gesellschaft katholischer Publizisten verfaßt worden. Darin wurde der emeritierte Papst übel gescholten. Anlaß war ein Brief des Papa emeritus, in dem er es ablehnte ein Vorwort zu schreiben. Sehr klar und eindeutig war die Begründung. Frank packte darauf hin das Schimpfwort vom Panzerkardinal wieder aus und erging sich in Papstbashing. Übt ein – de fama – Konservativer auch nur die leiseste Kritik am Populismus des amtierenden Papstes, so hat selbiger schon fast ein Schisma verursacht.

Ein der Kirche wirtschaftlich zugehöriges Portal aber kann eine solche Schelte nahezu folgenlos veröffentlichen. Dankenswerter Weise steht unter dem Artikel auch der folgende Satz:

Außerdem ist er Vorsitzender der Gesellschaft Katholischer Publizisten Deutschlands (GKP).

Man kann diesen Satz gar nicht groß genug über, unter, neben und quer durch den Artikel schreiben.

Irgendwie hat es doch einen Sinn

Dabei geht es gar nicht darum, ob ein katholischer Journalist am Papst Kritik üben darf oder nicht. In einer freien Presse ist in einem Meinungsartikel Kritik erlaubt und erwünscht. Beleidigung, Diffamierung und Herabsetzung des Kritisierten ist schlicht unanständig. Das macht man nicht. Das macht man erst recht nicht, wenn man aus dem eigenen Laden kommt.

Und dennoch muß man dankbar sein. Stellt es doch die Verhältnisse wieder klar. Es ist ja nicht so als wäre ein Verband, Verein, Gesellschaft oder sonstiges innerhalb der Kirche von der Glaubenskrise verschont. Und damit eben auf ein solcher katholischer Journalistenverband. Das ganze Jammern über die Krise nützt nichts, schaut man sie nicht offensiv an.

Solches also schreibt, wer von sich sagt, einer Gruppe katholischer Journalisten vorzustehen. Beeindruckend! Unsere ärgsten Feinde könnte nicht schlimmer über den emeritierten Papst schreiben. Ergo: Wer solche Mitglieder hat, braucht gar keine Kirchenkritiker mehr.

Man muß das nicht treiben bis zum Erbrechen. Aber unter der Überschrift:

Hier schreibt der Vorsitzende der Gesellschaft katholischer Publizisten würde ich selbigem tatsächlich anbieten, hier im Blog mal einen Gastbeitrag zu schreiben. Was hätte ich zu verlieren? Entweder bekäme ich einen klasse Artikel, der mir Klicks liefert. Oder ich könnte am nächsten Tag in einer kommentierende Stellungnahme meine These von der Krise wirkungsvoll untermauern.

Mit dem aktuellen Standpunkt von Herrn Frank wird sich der Programmbeirat des Portals aus Bonn beschäftigen. Wer weiß zu welchem Ergebnis die kommen. Also laßt den Vorsitzenden der Gesellschaft katholischer Publizisten bitte so lange weiter schreiben, bis auch der letzte Depp in unserem Laden die Krise endlich als Wirklichkeit akzeptiert.

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Peter Winnemöller

Journalist, Blogger
katholisch
immer neugierig
Leseratte
seit einer gefühlten Ewigkeit im Internet unterwegs

(Der kleine Senator steht für meinen seit Beginn der Internetzeit verwendeten Nickname Cicero und ist ein Geschenk des Illustrators Peter Esser)

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