Im Winterschlaf

… statt auf Mission

Symbolbild - Fledermaus im Winterschlaf -

Symbolbild
– Fledermaus im Winterschlaf –
Gemeinfrei

Kaum war es auf dem Markt der Meinungen und Möglichkeiten, da war es schon schlecht geredet. Mission Manifest eine Initiative, die im Umfeld des Gebetshauses Augsburg entstanden ist und von verschiedenen Persönlichkeiten gedanklich entwickelt und im Sprache gegossen wurde richtet sich im Grunde an alle Christen guten Willens und grenzt niemanden aus. In der Tat waren die vergangenen Jahre von Grabenkämpfen zwischen verschiedenen „Lagern“ innerhalb der Kirche geprägt. Da flogen die Memoranden, Begehren, Erklärungen und Petitionen tief. Die Debatte um den rechten Weg der Verkündigung ist nötig und wichtig. So weit, so gut.

Viel nötiger wäre es, mit der unbedingt erforderlichen Neuevangelisation der einst christlichen Länder ernst zu machen. In einem sind sich nämlich die verschiedenen Schriftstücke mit postulierendem Charakter einig. Es geht bergab. Doch da hört die Einigung nicht nur auf, da ist sie schon lange, lange nicht mehr vorhanden. Insbesondere in der offiziellen Darstellung der Kirche ist alles nicht so schlimm. PR – auch kirchliche – lebt vom teilweise realitätsfernen Euphemismus. Andere suchen das Heil in traditionsfremden Reformen, die zumeist hochgradig klerikalistisch daher kommen. Verheiratete Priester, Frauenordination und natürlich mehr „Macht“ für Laien stehen auf der Agenda, die die Kirche vor dem Untergang retten soll. Erst jüngst wärmte zu diesem Behufe der Wiener Pastoraltheologe Paul Zulehner seinen 50 Jahre alten Kaffee der Marke Zölibatsabschaffung wieder auf. Wer soll diese lausige Plörre eigentlich noch trinken?

Dezentral heißt Landeskirche

Aber 2019 wird ganz sicher – so seine Überzeugung – der verheiratete Priester in Lateinamerika eingeführt. Sollte ein Theologe nicht eigentlich wissen, daß eine Spaltung im sakramentalen Amt de facto schon fast ein Schisma darstellt? Sollte sich an der Zulassung zum Weiheamt etwas ändern, dann geht das nur universal, weil das Amt in der Kirche nun einmal universal ist. Was für Phantasien da am Werk sind, wenn man hört, Papst Franziskus lasse Dezentralität in der Kirche zu, kann man sich kaum ausmalen. Aber in der Tat ist die politisch gesteuerte Landeskirche der Traum der reformorientierten Theologen. Das ist  nicht erst seit dem II. Vatikanum so. Nur auf diesem Wege läßt sich nämlich am Ende eine demokratische „Kirche“ ähnlich der EKD installieren. Wo die EKD inzwischen dogmatisch angekommen ist, ist kein Geheimnis.

Die zeitliche Nähe zwischen der Nachricht aus Wien und der Nachricht aus Augsburg ist sicher nicht gewollt. Aber sie zeigt doch wesentliches. In Westeuropa ist die Kirche im Niedergang begriffen. Die Zahlen sprechen für sich. Zwar tauft man auch heute noch seine Kinder, aber mit dem quasimagischen Verständnis von Taufe hat es sich dann. Kinder werden entgegen dem gegebenen Versprechen eben nicht im Glauben erzogen. Welcher Glaube sollte das sein, wenn schon seit der Großelterngeneration der heutigen Täuflinge der Glaube nicht mehr tradiert wird? Der Kirche unserer Tage scheint es zu reichen, die Kinder zu taufen, zur Erstkommunion und Firmung zu schleusen, die Kirchensteuer zu kassieren und zu hoffen, daß die Scheidungsrate nicht noch höher steigt. Denn das bringt ja Ärger, wie man jetzt weiß.

Mission ist Bähgittepfui

So lassen sich auch die Stimmen zu und das Schweigen über Mission Manifest gut in das System der vergangenen 50 Jahre einordnen. Die Quintessenz aus dem II. Vatikanischen Konzil ist nämlich in der Breite in Westeuropa diese: „Es ist alles nicht so ernst gemeint.“ Da stört der Gedanke an Mission gewaltig. Und es verwundert nicht, daß sich gerade jene, die den Glauben politisiert und dezentralisiert wissen wollen, auf den nicht getragenen Schlips getreten fühlen. Andere schweigen sich komplett aus oder erklären wortreich, warum Mission Manifest so gar nicht geht. Das ist die Gemengelage, in der es dann doch so einige gibt, die den 10 Thesen des Mission Manifest eine Menge abgewinnen können.

Es sind die üblichen Verdächtigen. Und man wird den Verfassern von Mission Manifest garantiert nicht vorwerfen können, nicht alles versucht zu haben, in Sprache und Duktus integrativ zu wirken. Das geht sogar so weit, daß man beim Lesen ob der integrierenden Sprache schon fast abgeschreckt war. Doch der gute Wille ist anzuerkennen. Er wird es aber nicht. Mission Manifest wird zeitgeistgemäß dekonstruiert werden. In kirchlichen Strukturen wird es sich totlaufen. In diözesanen Synoden, Dialogen und sonstigen futuristisch ausgerichteten Pastoralprozessen wird es durch Abwesenheit zu glänzen haben, andernfalls es hinein tragen wollende Protagonisten mit verbalen Attacken zu rechnen haben.

Manchmal fühle ich mich einfach nur müde ob des Umgangs der ekklesialen Stabs- und Hauptbedenkenträger mit dem Manifest. Es ödet einen an. Und schwupps bin ich gefühlt schon wieder im Winterschlafmodus. Da kann der Glaube unauffällig subkutan überleben. Vielleicht kommen Initiativen wie dieser missionarische Impuls tatsächlich noch zehn Jahre zu früh. Gehen wir also noch weitere zehn Jahre zu Nightfever u.ä. Bauen wir noch weitere zehn Jahre an solchen Gewächshäusern wie z.B. Young Mission, in denen der Glaube nicht nur überwintert, sondern im Verborgenen auch noch neu austreibt.

Ja, Mission Manifest ist toll und ich will tun, was ich kann, um diese Initiative mit meinen Mitteln zu unterstützen.

Doch wenn das „so einer wie ich“ so öffentlich tut, erweist er dieser wunderbaren Initiative nicht doch damit schon wieder einen Bärendienst?

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Peter Winnemöller

Journalist, Blogger
katholisch
immer neugierig
Leseratte
seit einer gefühlten Ewigkeit im Internet unterwegs

(Der kleine Senator steht für meinen seit Beginn der Internetzeit verwendeten Nickname Cicero und ist ein Geschenk des Illustrators Peter Esser)

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