Antworten der DBK zur Jugendsynode

Symbolbild – Nightfever –

Die Jugendsynode rückt näher und damit trudeln langsam auch die Antworten auf die Fragen ein, die der Vatikan gestellt hat. Nicht nur die Jugendlichen selber werden befragt und antworten hoffentlich in großer Zahl, auch die örtlichen Bischofskonferenzen wurde befragt. Die DBK hat nun die Antworten, die im Auftrag der deutschen Bischöfe erarbeitet wurden, veröffentlicht.

Die Jugend ist die Zukunft eines Landes und natürlich auch die Zukunft einer Teilkirche, resp. der Teilkirchen in einem Staat. 27 Diözesen hat Deutschland. Sie sind sehr unterschiedlich geprägt. Traditionell katholische Regionen wie Westfalen, Emsland, Eichsfeld und Bayern stehen in einer Reihe mit christlicher Diaspora in Norddeutschland oder in östlichen Bundesländern. Viele junge Menschen in Deutschland saugen kirchliche Traditionen nach wie vor mit der Muttermilch auf und wachsen in Kindergarten und Schule hinein. On da jeweils ein persönlicher Glaube und eine tiefe Bindung an die Kirche wächst, steht auf einem anderen Blatt. Doch es gibt in Deutschland zunehmend jungen Menschen, die keinerlei Berührung mit dem Glauben haben. Teilweise in zweiter oder dritter Generation ungetauft, begegnen sie vielleicht als junge Erwachsene erstmals der Kirche, die sie sonst nur aus Nachrichten kennen. Viele finden nie einen Zugang zum Glauben.

Public Relations statt kritischer Reflexion

Die Herausforderung auf dieser Basis ein gemeinsames Antwortpapier zu erarbeiten war sicher keine geringe. Das vorliegende Papier zeigt, daß die Aufgabe in gewohnt professioneller Manier gemeistert wurde. Es ist in weiten Teilen reine PR. Das kann der sachkundige Leser erkennen, das wird man hoffentlich auch in Rom erkennen. Nicht verschwiegen werden soll dabei allerdings auch, daß man durchaus zu moderater Selbstkritik fähig ist. Dabei sollte das Augenmerk der Leser nicht nur auf die Antworten gerichtet sein. Auch die Fragen sind interessant und geben einen Hinweis auf Schwerpunktsetzungen in der Synodenvorbereitung. So nehmen z.B. Fragen nach Berufungspastoral einen breiten Raum ein.

Deutschland ist in einer komfortablen Situation, da sowohl der Staat, die Kirche aber auch private Organisationen mit sozialwissenschaftlichen Studien aufwarten können. Daraus ließ sich auch für das Antwortpapier Nektar saugen. Interessant ist die Frage des Vatikans nach jugendlichem Protestpotential. Die Antwort überrascht kaum: Deutsche Jugendliche sind ganz brav.

Erstaunlich ist, daß Nightfever mehrfach, z.T. sehr ausführlich Erwähnung findet. Ebenfalls breit erwähnt wird die 72-Stunden-Aktion des bdkj. Bei letzterer fehlt allerdings die nötige Kritik an der reinen Diesseitigkeit der Aktion (Die Welt verbessern) und dem völligen Fehlen der jenseitigen Perspektive auf das kommende Gottesreich hin. Sowas können Jusos genauso gut auf die Beine stellen. Hier zeigt sich der immer noch starke Einfluß linksgerichteter Kräfte im Dachverband der kirchlichen Jugendverbände. Man wird das in Rom durchaus bemerken.

Etwas überschätzt wird in dem Papier der Religionsunterricht und die Firmkatechese. Weder das eine noch das andere haben in Wirklichkeit einen nennenswerten Einfluß auf die religiöse Bildung oder die Heranbildung eines persönlichen Glaubens. Man gibt vorsichtshalber nirgendwo qualifizierte Zahlen an, wie die Teilnahme junger Menschen an Gottesdiensten ausfällt oder wie es mit dem Empfang der Sakramente (Eucharistie und Beichte) aussieht.

Insgesamt ist dies ein Bereich, der deutlich zu kurz kommt. Jugendliche in Deutschland nehmen am kirchlichen Leben nur noch in verschwindend geringer Zahl teil. Die Anzahl gläubiger, praktizierender Jugendlicher ist minimal. Das wird elegant hinter vielen Worten verschwiegen.

Seit gut und gerne drei Generationen setzt sich in Deutschland der Abriß kirchlicher Traditionen fort und nimmt an Geschwindigkeit zu. Dieser Glaubenschwund oder auch die Glaubenskrise betrifft überproportional Jugendliche, die schon als Kinder keine Chance bekommen, mit dem Glauben und der Kirche in Kontakt zu kommen.

Das Papier ist, liest man es mit der Kenntnis der kirchlichen Situation in Deutschland, ein jugendpastoraler Offenbarungseid. Weder Diözesen, Dekanate noch Verbände o.ä., sondern nur die geistlichen Gemeinschaften und Bewegungen können hier als Hoffnungsträger für die Ausbreitung des Glaubens angesehen werden. Denn auch das gehört zu den Fragestellungen, wie es mit der Mission aussieht. Da besteht dringender Handlungsbedarf.

Das Papier findet sich hier zum Download.

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Peter Winnemöller

Journalist, Blogger
katholisch
immer neugierig
Leseratte
seit einer gefühlten Ewigkeit im Internet unterwegs

(Der kleine Senator steht für meinen seit Beginn der Internetzeit verwendeten Nickname Cicero und ist ein Geschenk des Illustrators Peter Esser)

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