media septimana – Mädchentag, irgendwas ist immer

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Heute morgen ploppte mir auf Facebook der Mädchentag entgegen. Ein Tag, an dem dafür geworben wird, das Mädchen doch auch in klassischen Männerberufen arbeiten können. Klarer Fall können sie das. Wer sollte das denn bestreiten. Zugleich gingen zwei Denkblasen auf. Wieso kommt mir Facebook mit „Mädchen“ um die Ecke? Und: Wieso sollte es so toll sein, wenn Mädchen Klempner oder Maurer werden?

Das soziale Netzwerk Facebook ist ganz groß in Gendermainstreaming. Man kann zwischen in seinem Profil aus über sechzig Geschlechtern wählen, was man denn gerade sein möchte. Wie kommen die darauf, in Deutschland am Mädchentag biologisch weiblichen Menscherxe als „Mädchen“ zu bezeichnen. Das ist ja sexistisch und rassistisch und ichweißnichtwasallesphob auch noch die Verniedlichungsform von Maid zu verwenden, die ja geradezu der Inbegriff der Unterdrückung biologisch weiblicher Menscherxe durch alte katholische weiße Männer in der ganzen Geschichte ist.

Aber Halt! Denkfehler! Wir stehen hier vor einem Musterbild der Identity Politics. Mädchen sind nämlich dann und nur dann Mädchen, wenn sie als zu befreiende Gruppe identifiziert. Nämlich genau die Tatsache, daß ja in der Vergangenheit bis in die heutige Zeit Mädchen (und Frauen) nur deshalb unterdrückt wurden und werden, weil sie Mädchen sind. Mangelnder Zugang zu Bildung, zu Beruf, zu Geld und zum Studium. Stimmt alles. Es stimmt für die Vergangenheit. Doch welcher Frau wird heute der Zugang zum Studium verweigert? Welche Frau darf einen Beruf nicht lernen? Da ist eigentlich alles erreicht.

Halt! Denkfehler! Noch immer gibt es Fälle, in denen Frauen eine Stelle nicht bekommen, weil sie die Körperkraft nicht haben. Auf dem Bau gibt es nun einmal Tätigkeiten, die ein Mindestmaß an Kraft benötigen. Daß ein schwächlicher Mann eine solche Stelle auch nicht bekäme wird verschwiegen und zählt auch nicht, denn ein weißer Mann ist schon deshalb nie diskriminiert, weil er ein weißer Mann ist. Ja mehr noch, irgendwelche Identitätsmerkmale zu benennen – so lange es nicht um männlich, weiß, katholisch geht, ist ja schon eine Diskriminierung.

Darum darf der Mädchentag hier Mädchen heißen, weil es ja um die Befreiung der Mädchen geht. Selbige Menscherxe in einem anderen Zusammenhang als „Mädchen“ zu bezeichnen, z.B. wenn die Rede davon ist, daß Mädchen zu Frauen heranwachsen und Mütter werden können, ist hochgradig sexistisch. Verstanden?

Die Lösung des Problems heißt „Befreiung“. Will ich etwas oder jemanden „befreien“ ist jegliche *-phobe oder sexistische oder rassistische Bezeichnung plötzlich wieder erlaubt. Denk- und Sprechverbote gelten immer nur für die jeweils anderen, welche gerade die sind, die an objektive Wahrheiten als gegeben nehmen und für dann tatsächlich ein junger weiblicher Mensch ein „Mädchen“ ist. Während wir Konservativen also solche Begriffe verwenden, weil sie schlicht wahr sind und wir keinerlei ideologische Aussageabsicht damit verbinden, sind allein schon durch die Verwendung von Begriffen in den Augen linker Ideologen schon sexistisch, rassistisch, *-phob u.s.w.

Das ist das innerste Wesen der politisch korrekten Denk- und Sprechverbote. Sagen wir „Ein Mädchen“ so sind wir an dieser Stelle schon rassistisch. Den Satz – möglicherweise ganz einfach „ein Mädchen geht über die Straße“ können wir schon gar nicht mehr vollenden, ohne sofort im Geschrei unterzugehen. Wo sind die Fehler? Zunächst wird uns vorgeworfen so ein Menscherx ein Geschlecht zuzuschreiben. Über das Menscherx einfach eine Aussage machen zu wollen, ist schon an sich eine festlegende und damit übergriffige Sprachhandlung.

Wollen wir also nur feststellen, daß irgendwer irgendetwas tut, dann lautet der Vorwurf schon gleich allein schon mit der Wahl der Begriffe übergriffig gewesen zu sein.

Bleibt noch die Frage, was Mädchen in Männerberufen sollen. Ganz einfach uns fehlen Arbeitskräfte. Sie fehlen an allen Ecken und Enden. Also sollen Frauen Lückenbüßer sein. Das ist natürlich nicht sexistisch, weil ja eine Frau im Blaumann eine befreite Frau ist. Aber nein, als Arbeiterin ist sie ja wieder eine zu befreiende. Das ist die Logik der Revolution. Jede davon ruft eine neue hervor, weil ja das befreite Subjekt schon im Akt der Befreiung wieder zu einem zu befreienden Objekt wird. Nur eine linke Ideologie, die die höchste Gerechtigkeit im Diesseits anstrebt, kann so verschraubt denken.

Einen Akt der Befreiung für alle, für Männer und Frauen jeden Alters, jeder Rasse, jeder Religion und aller sonstigen Identitätsmerkmale hätte ich anzubieten. Befreien wir uns von linken Ideologien. Angefangen beim dialektischen Materialismus über Genderismus, bis hin zum Zwang zu politisch korrekter Rede und identitätsmerkmalgesteuerter Politik (das wäre mein Übersetzungsvorschlag zu identity politics).

Dann könnten wir wirklich wieder frei sein, frei denken und frei reden.

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Peter Winnemöller

Journalist, Blogger
katholisch
immer neugierig
Leseratte
seit einer gefühlten Ewigkeit im Internet unterwegs

(Der kleine Senator steht für meinen seit Beginn der Internetzeit verwendeten Nickname Cicero und ist ein Geschenk des Illustrators Peter Esser)

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