Was wir von Donald Trump lernen können

Salongespräch mit Todd Huizinga im Lindenthal Institut Köln

Donald Trump, schon der Name ist in Deutschland ein Schrecken. Der Präsident der USA wirkt für viele im alten Europa wie ein Enfant terrible. Unkonventionell twittert er seine wechselnden Botschaften in die Welt. Seine Politik befremdet die Europäer.

Todd Huizinga

Da wurde es höchste Zeit mal einem Amerikaner zuzuhören, der Donald Trump unterstützt. Der ehemalige US. Diplomat und Politikberater Todd Huizinga hat dazu sogar ein Buch geschrieben. Als US –Bürger ist er ein ausgewiesener Kenner Deutschlands und Europas. Er hat Germanistik und Musik studiert. Viele Jahre war er in Deutschland und Europa als US- Diplomat tätig. Auf Einladung des Lindenthal- Instituts in Köln und der Onlinetageszeitung theGermanZ sprach Todd Huizinga darüber, was Europäer von Trump lernen können.

Huizinga macht das öffentliche Befremden über Donald Trump vor allem an vier Punkten fest. Die eigenwillige Interpretation von Gesetzen, die er „ein Rütteln am Rechtsstaat“ nennt, einen wuchernden Verwaltungsstaat, der die Handlungsfreiheit der Bürger einschränkt, eine Globalisierung der Elite und nicht zuletzt eine Vorherrschaft von Politcal correctness und Identity politics. Letzteres wurde von Todd Huizinga nicht übersetzt. Er vertrat die Ansicht, es gebe dafür keine angemessene deutsche Bezeichung. Mit Identitätspolitik ist der englische Begriff in der Tat nur unzureichend übersetzt.

Auf Grund dieser Punkte gibt es eine massive Entfremdung zwischen den Menschen in der USA und einer überwiegend linken Elite in Politik, Verwaltung und Medien. Im Prinzip ereignet sich ähnliches auf der ganzen Welt. In der späteren Diskussion verwies er darauf, daß diese Entfremdung das Aufkommen rechter Protestparteien, die er in Teilen als rechtsradikal bezeichnete, stark begünstigt.

Gerade Politcal correctness und Identity politics stellen für die Bürger eine enorme Herausforderung dar. Sie fühlen sich in ihrer Denk-, Rede- und Meinungsfreiheit stark eingeschränkt. Trump vertrete hier das Anliegen der Menschen, ihre Meinung unvermittelt sagen zu dürfen. Er selber tut dies via Twitter, indem er seine 35 Millionen Follower weltweit direkt vom Frühstückstisch informiert. Da wird kein Sprecher und keine Redaktion zwischengeschaltet. Zugleich befremdet natürlich die Impulsivität des Präsidenten die Menschen. Im Gegensatz zu Trumps impusliver und sprunghafter Twitteraktivität sei aber, so Huizinga, durchaus eine klare konservative Linie im Handeln Trumps festzustellen.

Die Konfliktlinie, die wir feststellen können, machte der langjährige US- Diplomat genau an den Widerspruch Postmodern progressiv vs. Konservativ fest. Konservativ bedeute die Akzeptanz von objektiven Wahrheiten, wogegen die Postmoderne diese bestreitet und stattdessen die subjektive Interpretation zu einzig gültigen Wahrheit erklärt.

Die Reibungsfläche zwischen Trump und Europa stelle im wesentlichen die Religion dar. Während die Religion im us-amerikanischen Alltag eine wesentliche Rolle spielt, sei Europa wesentlich säkularer. Umgekehrt wisse aber der religiöse Amerikaner durchaus um den Unterschied zwischen Religion und Politik. Es sei ein Problem der postmodernen Linken, die ja im Diesseits die höchste Gerechtigkeit erreichen müsse. Der religiöse Amerikaner wisse, daß er den Präsidenten wähle und nicht den Hohenpriester der USA. Darum hätte die Mehrzahl der Christen in den USA problemlos Trump wählen können, auch wenn sie sein Gebaren kritisch betrachten. Manche sahen ihn sogar als das kleinere Übel oder wählten ihn, weil es keine Alternative gab. Gerade Evangelikale gäben der  Politik nicht einen so hohen Stellenwert in ihren Leben.

Todd Huizinga im Gespräch mit Klaus Kelle

„Nordatlantiker aller Länder beruhigt euch“, so rief Todd Huizinga dem Auditiorium am Ende. Das Verhältnis zwischen Nordamerika und Westeuropa habe noch nie an den Unterschiedlichkeiten gelitten. Wegen des Konservativismus der Amerikaner gehe unser Bündnis nicht unter, schloß er seine Ausführungen.

Dem Vortrag folgte eine engagierte Diskussion rund um den Themenkomplex neu aufkommender Konservativismus auch in den USA und Europa. Auf die Frage nach seiner Sicht auf Europa sagte Huizinga, es sei für viele nicht mehr einsichtig, was es heißt Europäer zu sein. Man wolle nicht mehr zugeben, daß das Christentum die Wurzel der europäischen Kultur darstelle. Sehr viel Respekt äußerte er vor Deutschland. Nach der Katastrophe des Krieges wolle man eben guter Europäer sein.

Der Abend fand seinen Ausklang mit persönlichen Gesprächen und signierten Büchern.

Das Buch

Todd Huizinga
Was Europa von Trump lernen kann:
Die Krise des alten Kontinents und das neue Amerika

wir demnächst hier im Blog rezensiert.

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Peter Winnemöller

Journalist, Blogger
katholisch
immer neugierig
Leseratte
seit einer gefühlten Ewigkeit im Internet unterwegs

(Der kleine Senator steht für meinen seit Beginn der Internetzeit verwendeten Nickname Cicero und ist ein Geschenk des Illustrators Peter Esser)

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