media septimana – @crossmayer hat mehrere Tonnen Atommüll an Land gezogen

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Da zeigt ein Medienchef doch mal echte Medienkompetenz. Aber so richtig. Da können wir Blogger noch was in Sachen Empathiemangel lernen.

In Sachsen war die AfD stärkste Fraktion geworden. Das ist ein Wahlergebnis, über das wir Journalisten nachdenken müssen. Es steht ein Umfeld dahinter, über das sicher auch die Kirche einmal meditieren muß. Ja, da ist über Mission zu reden und zwar ganz entschieden. Das ist aber auch ein Ergebnis, das in erster Linie die Politiker im Land zu verantworten haben.

Der Medienchef des Erzbistums Köln wollte darauf hin deutsche Sachsen gegen tschechischen Atommüll eintauschen. Nimmt man den Tweet mal wörtlich kommt man darauf, daß er das ja ganz gelassen machen kann, denn im Westen der Republik würde ihn der strahlende Müll im Osten des Landes ja nicht belasten. Ende der Dekonstruktion. Nicht einmal in dekonstruierter Form ist der Humorversuch lustig. Nein, in Wirklichkeit bedient sich der Medienchef des Erzbistumgs Köln einer brutalen, menschenverachtenden Sprache. Entsprechend groß war die Empörung. Es gibt also offensichtlich auch in Kreisen kirchlicher Mitarbeiter eine Sprache die Teile der AfD an Menschenverachtung in nichts nachsteht. Das ist insbesondere da beachtlich und sollte nicht ohne Konsequenzen bleiben, wo der Oberhirte ein erklärter Fan von Gutmenschen ist. Mindestens diesem Anspruch wird der Tweet definitiv nicht gerecht.

Werfen wir einen Blick darauf, hier ist das öffentlich sichtbare Original direkt von Twitter eingebettet, es ist kein Screenshot:

Geradezu völlig ungelenk, besonders für einen Medienmann, wirkt dann der nachgeschobene Entschuldigungsversuch. Das sei ja privat gewesen und habe mit der Kirche nichts zu tun gehabt, redet sich Mayer raus. Ja er verspottet sogar noch die, die ihn erschrocken kritisieren. Auf dem gleichen Twitteraccount ereignen sich auch kirchliche Themen, darunter Medienthemen und da sind wir dann sehr wohl in einem für Mayer dienstlichen Bereich.

Wäre er Blogger, so könnte man unter Bezug auf den Vorsitzenden der DBK auf „verblöden“ plädieren. Nun ist er aber Twitterer und die wissen bekanntlich immer genau, was sie tun. Wir erinnern uns an den ehemaligen CvD von katholisch de, der auch durch „hochqualifizierte“ private Tweets aufgefallen war. Der Twitteraccount von Herrn Zimmermann ist inzwischen gelöscht. Das ist eine gute Idee, wenn man sich nicht beherrschen kann. Er hat also gelernt. In den sozialen Medien ist strikte Disziplin unumgänglich, vor allem wenn man selber im Mediensektor tätig ist.

Schon vor Jahren haben wir in Referaten auf den „Kirche im Web 2.0 – Tagungen“ in Münster und Stuttgart gehört, daß es die Trennung zwischen dienstlich und privat in den sozialen Medien nicht gibt. Der Medienchef des Erzbistums Köln ist mit Namen, Foto und Verlinkung des Arbeitgebers auf Twitter unterwegs. Damit ist alles, was er twittert persönlich, manches dienstlich, aber nichts privat. Mithin ist der Entschuldigungsversuch schlichter Unfug und macht die Sache auf Grund erwiesener Inkompetenz noch schlimmer.

Ein verunglückter Tweet ist kein Weltuntergang. Doch wer die Nase besonders hoch trägt, das wußte schon Reinhard Mey, sieht eben auch besonders bescheuert aus, wenn er ausgleitet. Das und nichts anderes ist hier der Fall. Mayer, der im Nachgang noch fleißig mit den Armen ruderte, wirkt einfach nur urkomisch. Doch jetzt kann er wählen, entweder er benimmt sich künftig oder ist der Ruf erst ruiniert, twittert sich’s ganz ungeniert. Viel Spaß dabei. Als Blogger liegt mir der knackige Ton ohnehin.

Achja, die Tschechen sollen zugestimmt haben. Bleibt also noch zu entscheiden, was wir jetzt mit dem ganzen Atommüll machen …

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Peter Winnemöller

Journalist, Blogger
katholisch
immer neugierig
Leseratte
seit einer gefühlten Ewigkeit im Internet unterwegs

(Der kleine Senator steht für meinen seit Beginn der Internetzeit verwendeten Nickname Cicero und ist ein Geschenk des Illustrators Peter Esser)

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