media septimana – Es wird wieder Kommjonn

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Es wird wieder Erstkommunion. Das neue Schuljahr hat begonnen. Die nächsten Monate, bis kurz nach Ostern, sitzen in den Gemeinden in den sonst leeren Bänken der ersten Reihe wieder ein paar gelangweilte, desorientierte Kinder, die zufällig gerade das dritte Schuljahr der Grundschule besuchen.

Man hat ihnen gesagt, daß sie nun zur Erstkommunion müssen. Begründet wird das zumeist nicht. Das macht jeder so. Viele Eltern glauben sogar, das sei eine Pflicht, äquivalent zur Schulpflicht. Das ist kein Scherz! Die Kids werden geködert. Es locken Geschenke, vor allem Geldgeschenke. Am Ende winkt ein Sparbuch in vierstelliger Höhe. Ein neues Fahrrad, eine Uhr u.v.a.m.

Da sitzen sie nun. Sie können einem leid tun. Aber es sind ja nur rund acht Monate. Damit wird so manche Mutter ihr Kind trösten. In unserer Gemeinde war am vergangenen Sonntag der Auftakt. Bis auf eine Ausnahme waren sie alle da. Sie wurden einzeln aufgerufen, klebten ein Bildchen auf ein Plakat, das in den kommenden Monaten die Kirche verunziert und versammelten sich mit den Eltern rund um den Altar. Warum auch immer. Während die Kinder und die Eltern da oben waren, machte ein jüngeres Geschwisterkind auf sich aufmerksam. Mama war da oben und die Tante hielt es fest. Gemeinheit! Da war ich mit der Kleinen einer Meinung. Die Tante blieb uneinsichtig.

Das Poster für die Kinder stellt einen Weg dar. Die Paßfotos der Kinder kleben nun auf dem Weg. Irgendwo. Jemand eine Ahnung, was das soll? Vermutlich nicht einmal die Katechetinnen. Auf ausgebildete Leute kann man bei der Kommunionvorbereitung schon lange nicht mehr zurückgreifen. Immerhin macht der Pfarrer noch den Seelsorgeunterricht. Eine Stunde in der Woche am Ende eines Unterrichtstages, den Schulen ist das ein Dorn im Auge. Aber gegen das Konkordat kommen auch Rektoren nicht an. Die Kinder erst recht nicht.

Der Pfarrer erinnerte die um den Altar versammelten Kinder und Eltern daran, daß die Eltern bei der Taufe versprochen hatten, die Kinder im Glauben zu erziehen. Daran, daß die Eltern fast alle dies Versprechen gebrochen hatten, erinnerte er nicht. Warum eigentlich nicht?

Keines der Kinder machte zu Beginn der Messe oder beim Segen ein Kreuzzeichen. Stehen, sitzen, knien in der Heiligen Messe sind eine echte Herausforderung, wenn man keine Praxis hat. Grundgebete? Hä? Das gilt nicht nur für die Kinder. Die musikalische Gestaltung der Messe war dem Anlaß angemessen: grottig. Eine Band hat die Gemeinde schon lange nicht mehr. Der Organist spielt auch NGL. Das Amnesielied … Wo Menschen sich vergessen … Nunja.

Die Erstkommunion wird von Pastoralexperten damit begründet, daß man ja die Familien auf diese Weise noch einmal „bekommt“. Klingt gut. Es wäre auch gut, wenn es so wäre. Doch die Praktiker können ein Lied davon singen, inwiefern die pastorale Theorie von der Praxis in der real existierenden Gemeinde abweicht.

„Jeden Sonntag ist zu viel, Herr Pfarrer!“ „Was sollen die Kinder denn noch alles lernen?“ „Also um 16 Uhr Andacht geht gar nicht, da wollen wir Kaffee trinken!“ „Was? Um Neun Uhr schon die Messe am Weißen Sonntag? Das ist zu früh!!“ „Unser Kind will den Sack nicht tragen! Wozu kaufen wir denn ein teures Kommijonkleid?“ … Das ließe sich endlos weiter führen.

Kommt es dann zur Erstkommunion, so findet diese unter Ausschluß der Gemeinde statt. Den Rahmen für die Erstkommunionmessen stellen die Verwandten der Kommunionkinder, die zumeist ebensoviel Gottesdienstpraxis haben, wie die Kinder und ihre Eltern: Gar keine! Die Gemeinde verabschiedet sich von den Kommunionkindern spätestens in der Osternacht. Danach sieht man eine kleine Auswahl an Fronleichnam und dann knapp die Hälfte davon zur Firmung.

Das war’s dann wieder. Für viele ist die Erstkommunion die Letztkommunion. Das ist das Dilemma, dem sich all die schönen pastoralen Ideen rund um die Erstkommunion stellen müssen. Das hübsche weiße Kleid ist für manches Mädchen die einzige Kleidung, in der sie je eine Kirche von innen zu sehen bekommt. Taufkleid, Kommunionkleid, Brautkleid … dazwischen ist nichts, gar nichts.

Die Verantwortlichen in der Kirche, insbesondere die Bischöfe scheinen damit zufrieden zu sein. Wenn sie unzufrieden wären, hätte sie längst etwas geändert.

Was soll man da noch sagen?

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Peter Winnemöller

Journalist, Blogger
katholisch
immer neugierig
Leseratte
seit einer gefühlten Ewigkeit im Internet unterwegs

(Der kleine Senator steht für meinen seit Beginn der Internetzeit verwendeten Nickname Cicero und ist ein Geschenk des Illustrators Peter Esser)

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