Fake bleibt Fake

Der Discounter LIDL läßt Kreuze von Griechenlandprodukten wegphotoshoppen. Ein Schitstürmchen fegt über die Social Media – Seiten des ansonsten ach so sympathisch daher kommenden Discounters. Man ist doch so um sein Image bemüht, gute Produkte anzubieten, gute Arbeitsbedingungen zu haben, toll auszubilden und nun auch noch ganz toll neutral zu sein.

Der verantwortliche Manager oder die verantwortliche Gruppe von Managern hat mit dieser Aktion gezeigt, daß sie unter dem gleichen Problem leiden, das unsere gesamte Gesellschaft heimgesucht hat. Sie könne nicht denken.

Natürlich verfügen sie – hoffentlich – über die biologischen Voraussetzungen. Ein Gehirn mit funktionierender Biochemie macht allerdings noch kein sauberes Denken. Es gehört schon ein wenig mehr dazu. Dieses „Mehr“ nennt man Bildung. Nein, keine Frage,die Jungs und Mädels sind sicher super ausgebildet, haben ihr Business voll im Griff und sind total kommunikativ, so wegen der social skills und so. Die strotzen garantiert vor denglischen Fachwörtern der modernen Geschäftskultur. Alles keine Frage. Vor Jahren gab es mal einen Spot(t) über Businesskasper. Manchmal sagt ein Spot mehr als tausend Worte.

Business Kasper from marcelwidmer on Vimeo.

Also in diesen supermodernen liberalen aufgeklärten erztoleranten Zeiten, da kann man ja kein Kreuz auf einer Lebensmittelverpackung akzeptieren. Was sollen denn unsere Kunden denken? Nein, das muß weg. Wir sind ja neutral. Dumme Kasperei!

Bämm! Da ist der Shiststorm und irgendwo heult am Abend ein Managerlein in seinen Rotwein. Er-sie-es wollte doch alles richtig machen. Sogar die Genderperspektive hatte man bei der Produktgestaltung ganz sicher erwogen. Tja …

Neutral wollte man sein. Und hat sich ganz und gar nicht so verhalten. Selbst ohne die Keule der Christenverfolgung zu ziehen oder ohne die andere Keule der Islamisierung zu schwingen. Die kleinen Managerlein von LIDL haben vermutlich weder vom Christentum noch vom Islam auch nur den Hauch einer Ahnung. Und von Neutralität verstehen sie schon mal gar nichts.

Gesteuert ist so ein Verhalten von einem Gegenteil von Bildung. Die Triebfeder ist Angst. Angst davor gegen eines der zahlreichen „dos“ und „don’ts“ der heiligen political correctness zu verstoßen. Und da heißt es eben, daß Religion Privatsache sei. Die Schlußfolgerung ist nur zu klar. Kreuz auf Bauwerk= religiöses Zeichen = darf nicht auf unseren Produkten erscheinen. Und hier liegt der Hase im Pfeffer. Wollten sie wirklich neutral sein, müßten sie auch auf nationale Anmutungen verzichten. Griechische Woche … das ist doch Nationalistisch —- !!!!Einself!!!! Es gehen nur noch abstrakte Motive. Doch damit verkauft sich nix. Man möchte mit seinen regionalen Produkten doch Erinnerungen an den letzten Urlaub wecken. Also muß ein landestypisches Motiv her.

Neutralität heißt aber, sich zu einem Motiv insoweit neutral zu verhalten, daß man nicht wesentliche Dinge an dem Motiv verändert. Den schönen Sonnenuntergang in der Urlaubsprospekt zu mogeln, mag noch angehen. Ein Kreuz von einer Kirche zu entfernen aber nicht. Da wird in das Wesen des dargestellten Objekts eingegriffen und ein Fake erzeugt.

Denn es ist ja ein religiöses Gebäude, welches auf dem Bild prangt und das jeder – na gut, außer unsere kleinen Managerlein – auch ohne Kreuz noch als Kirche erkennt. So what! Da steht in der Öffentlichkeit ein religiöses Bauwerk herum und gibt das auch noch zu erkennen. Horribile dictu! Was ist mit dem Dogma der Privatheit jeglicher Religion? Es ist nichts weniger als eine Häresie! Ein Irrtum, ein Ausbund dummdreister Ideologie vermeintlich politisch korrekter angstzerfressener Gutmenschen, Werbefreaks, die von der wahren Welt irgendwie nur das kennen, was sie auf Hochglanzobjekte drucken, stecken hinter so einem Müll.

Doch sie sind gar nicht die Täter. Jedenfalls nicht die Ersttäter. Diese sitzen ganz woanders. Sie sitzen in Schulbehörden, die wesentliche Inhalte aus den Curricula der Schule streichen, die Latein und griechisch (!!! YEAH !!! Griechisch!) aus dem Lehrplan verbannen. Die unter Philosophie einen weltanschaulich neutralen Religionsersatz verstehen, statt einer Schule des Denkens. Wildwütiger Dekonstruktivismus ist keine Philosophie. Das ist Barbarei wider das Denken.

Aber bitte! Auch der konfessionelle Religionsunterricht, der von einem Lern- zu einem Laberfach degeneriert ist trägt dazu bei. Im Grunde jeder Unterricht, der es den jungen Menschen erlauben soll, denken zu lernen.

Es wäre besser, mal einen Aufsatz über Neutralität zu schreiben, in dem sich jungen Menschen man mit dem Begriff sauber auseinander setzen, als Neutralität zu einem Pseudodogma politischer Korrektheit zu verderben. Da liegt der Hase im Pfeffer, daß wir meinen, in immer kürzerer Zeit junge Menschen für die Wirtschaft fit machen zu müssen, anstatt ihnen die Gelegenheit zu geben, sich gescheit zu bilden und als gereifte Persönlichkeiten ins Geschäftsleben zu gehen.

Wer dann so auf einem Posten im mittleren Management sitzt und glaubt, neutral sein zu müssen, läßt Graphiker Kreuze von Kirchen entfernen.

Neutral wäre es, sich zum dargestellten Objekt neutral zu verhalten und es unverändert so sein und wirken zu lassen, wie es in der Realität ist.Werbung kann das nicht. Das ist klar. Doch in das Wesen des Dargestellten einzugreifen, ist eine unzulässige Fälschung. Das ist der Grund für das Schitstürmchen.

Ist das so schwer zu verstehen?

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Peter Winnemöller

Journalist, Blogger
katholisch
immer neugierig
Leseratte
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(Der kleine Senator steht für meinen seit Beginn der Internetzeit verwendeten Nickname Cicero und ist ein Geschenk des Illustrators Peter Esser)

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