Denunziert durch Ultradoofe

Bocca di Leone am Dogenpalast in Venedig. In der Republik Venedig konnten Denunzianten ihre geheimen Anzeigen in solche „Löwenmäuler“ einwerfen.
Foto: Berthold Werner
Lizenz: Gemeinfrei

Es gibt einen neuen Anlauf, die Stasi2.0 zu etablieren. Diesmal kommt es nicht aus Kreisen der SED- Erben. Diesmal kommt es aus Kreisen der früheren SED- Nutznießer. Die Heinrich-Böll-Stiftung ist, laut deren Selbstvorstellung, die parteinahe Stiftung der Grünen. Ihr Sitz ist in Berlin. Die genannte Stiftung wird, gemäß eigenen Angaben durch Vorstand und Geschäftsführung vertreten. Das sind Dr. Ellen Ueberschär (Vorstand), Barbara Unmüßig (Vorstand) und Dr. Livia Cotta (Geschäftsführerin). Diese sind mithin verantwortlich für die Seite agentin . org. Auf dieser Seite werden verschiedene Personen in unbootmäßiger Weise denunziert. Es wird unterstellt, antifeministisch, heteronormativ oder homophob oder ähnliches zu sein.

Auch zur Person des Verfassers dieses Blogs gibt es einen Eintrag. Man unterstellt mir „ultrakatholisch“ zu sein. Spätestens an dieser Stelle sollte jedem einigermaßen gebildeten Menschen klar sein, wie groß die Dummheit der Betreiberinnen der Seite sein muß. Nicht jeder Neologismus ist ein Ausdruck intelligenter Kreativität. Die unterstellte Eigenschaft „ultrakatholisch“ ergibt dem Grunde nach nicht den geringsten Sinn. Es dürfte reine Polemik sein. Doch auch eine Polemik sollte irgendwie sinnvoll sein.

Das Praefix „ultra“ steht in einem Kompositium dafür, eine die durch das Zweitglied bezeichnete Eigenschaft zu übersteigen. So verläßt das Licht genau dann, wenn es ultraviolettes Licht wird, den Bereich des sichtbaren Lichtes. Dies passiert durch das Übersteigen der Eigenschaft violett zu ultraviolett. Weitere Beispiele ließen sich anfügen.

In dem dümmlichen Fantasiekompositum „ultrakatholisch“ ist das Zweitglied die Eigenschaft „katholisch“. Das Wort „katholisch“ kommt aus dem Altgriechischen und bedeutet „alles umfassend“. Bei uns findet der Begriff Verwendung als eines von vier Attributen einer Kirche. Eine Kirche, die eine Kirche ist, ist gemäß Definition einig, heilig, katholisch und apostolisch. So definiert es das Konzil von Nicaea. So wird der Begriff verwendet.

Umgangssprachlich verwenden wir das Wort katholisch ferner für Mitglieder der römisch- katholischen Kirche. Dies ist nicht etwa eine Konfessionsbezeichnung, sondern dem Ursprung nach nichts als eine Ritenzuschreibung. Wir haben hier im Westen den lateinischen Ritus. Das Wort „römisch“ grenzt uns urteilsfrei von slawischen, arabischen, melkitischen, koptischen … etc. Riten ab. Dies sei an dieser Stelle der Vollständigkeit halber ergänzt.

Nehmen wir also an, im dümmlichen Fantasiekompositum „ultrakatholisch“ sei nun die umgangssprachliche Variante, nämlich die Zugehörigkeit zur römischen Kirche gemeint. Wer also dann „ultrakatholisch“ ist, übersteigt durch diese Zuschreibung die Zugehörigkeit zur römischen Kirche. Eine Übersteigung der Zugehörigkeit wäre allerdings keine Zugehörigkeit mehr. Es wäre eine Selbstausgrenzung. Die Folge wäre also, daß ein „Ultrakatholik“ gar kein Katholik wäre. Er müßte mithin die Glaubenslehre der Kirche, wie sie der Katechismus der Katholischen Kirche authentisch vorlegt, ablehnen. Er dürfte nicht Liturgie der Kirche feiern und die Sakramente nicht zustimmend empfangen. Er dürfte keinerlei Einheit mit seinem Bischof und mit dem Bischof von Rom, dem Papst haben.

So „Ultrakatholik“ wäre also ein Apostat, ein Schismatiker und ein Häretiker in Personalunion. Das also ist es, was die intellektuell doch leicht begrenzten Verfasserinnen von denunziantin.org agentin.org glauben, daß ich es sei, nähme man denn ihr dümmliches Kompositum „ultrakatholisch“ wirklich ernst.

Na, dann viel Spaß. Sie wollen ja nur spielen, die kleinen Mädchen …

Man kann auf diese Weise, vom Wortsinn her, durchaus auch andere achso moderne Zuschreibungen in ähnlicher Weise zerlegen. Homophob = Angst vor Gleichem? Heteronormativ= Die Normung der Unterschiede? Familialist= Die Familie über alles stellender? Dennoch! Alles ins Lächerliche ziehen dieser in der Tat sonderbaren Begriffe nützt am Ende rein gar nichts, denn sie dienen dazu neue Straftatbestände zu kreieren. Es geht um Meinungsstraftaten. Das ist übrigens nicht nur Verfassungswidrig, sondern auch Kennzeichen antidemokratischer und freiheitsfeindlicher Strukturen. Man sollte wissen, welch Geistes Kind derartige Denunziantinnen sind.

Jene, welche man dieser neu kreierten Meinungsstraftaten überführt hat, sollen zunächst an den öffentlichen Pranger und später dem Henker zugeführt werden. Das macht man so in allen Gewaltregimen dieser Welt, die Meinungsstraftaten kennen. Meinung gegen das Regime ist brandgefährlich. Es droht Freiheit. Das nämlich, uns der Freiheit des Denkens, Redens und Schreibens zu berauben, da mache man sich bitte keine Illusionen, ist das Ziel. Morddrohungen gegen einen katholischen Blogger und Gewalt gegen Sachen hatten wir schon. Das lächerliche Portal denunziantin.org agentin.org wird das Ziel einer Stasi2.0 natürlich nicht erreichen. Da brauchen wir keine Angst haben. Noch schützt unsere Verfassung die Meinungsfreiheit. Noch haben wir keine Gesinnungsstraftaten.

Aber nachdem wir schon einige derartige Versuche der Denunziation auf unterschiedlichen Ebenen und in verschiedenen Varianten erlebt haben, sei es eine sogenannte Studie, sei es ein Denunziantenportal im Web, sei es der – auf welchem Wege auch immer erschlichene – Artikel in der seriösen Zeitung. Wenn es auch in diesem Fall wieder einmal kaum ernst genommen werden kann, der Trend stimmt dennoch bedenklich. Alle bisherigen Versuche konnten schnell demaskiert und als denkbar unseriös gekennzeichnet werden. Der Trend, Gesinnung zu denunzieren läßt nun einmal an ganz üble Zeiten in unserer Geschichte denken. Ob der politische Extremismus nun einen Rechtsdrall oder einen Linksdrall hat, verlorene Freiheit ist verlorenen Freiheit. Auch das ist zu bedenken: Es bleibt am Denunzierten immer etwas haften. Wehren wir den Anfängen.

 

Hätten sie ultramontan geschrieben, hätte ich nicht einmal etwas dagegen gehabt.

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Peter Winnemöller

Journalist, Blogger
katholisch
immer neugierig
Leseratte
seit einer gefühlten Ewigkeit im Internet unterwegs

(Der kleine Senator steht für meinen seit Beginn der Internetzeit verwendeten Nickname Cicero und ist ein Geschenk des Illustrators Peter Esser)

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