Gipfel können wir nicht

Hamburg – Landungsbrücken

Der große Elder Statesman Helmut Schmidt hielt große Gipfel nicht mehr für zumutbar. Angesichts des G20 Gipfels werden auch aus anderer Richtung erneut Stimmen laut, daß so etwas nicht mehr machbar ist.

Jedesmal, wenn sich die Staats- und Regierungschefs der großen Länder unserer Erde treffen, braucht es tausende Polizisten und zigtausende Demonstranten in Schach zu halten. Am Ende geht der Sachschaden in die Millionen, es gibt Verletzte auf Seiten der Polizei und Verletzte auf Seiten der Demonstranten. Gewalt von Links – bekanntlich ein aufgebauschtes Problem – ist die Ursache dieser Schäden. Gefüttert mit Steuermillionen können gemäßigt linke bis linksradikale – die es ja gar nicht gibt – Gruppierungen die Demonstranten zu den Großevents karren. Der Steuerzahler ist der doppelt gelackmeierte.

Nicht zuletzt dies ist der Grund, warum mich der aktuelle G20 nur am Rande interessiert. Unter einer Kanzlerin Merkel als Gastgeberin stehen ohnehin nur mal wieder die Spekulationen um den Klimawandel, die weltweite Massenmigration und der Konflikt mit Trump und Putin im Mittelpunkt. Wir haben keine Probleme, wir machen sie uns selber, könnte man das übertiteln. Dabei haben wir reichlich Probleme. Und ich bin mir sicher, daß hinter verschlossenen Türen durchaus über die Demografie, Währungskrise, Zinskrise und anderes gesprochen wird.

Hat Helmut Schmidt recht? Auf den ersten Blick durchaus. Es macht einfach keinen Sinn, in einer großen Stadt eine solche Tagung zu veranstalten. Die Bewohner Hamburgs, die den tagelangen Kriegsrechtszustand mitten in einem ansonsten friedliche Land erleben müssen, tun einem nur noch leid. Die Polizisten, die die öffentliche Sicherheit und Ordnung erhalten sollen, werden angegriffen und setzen sich dem Risiko aus, verletzt oder gar getötet zu werden. Wer einmal auf einer bürgerlichen Demo linken Gegendemostranten gegenüber gestanden hat, weiß, daß genügend darunter sind, die keine Hemmungen hätten, und oder „den Bullen“ die Hälse durchzuschneiden, gäbe man ihnen Gelegenheit dazu. Am Ende gibt die Veröffentlichte Meinung den Polizisten noch die Schuld an den Krawallen der Linken. Man kann es sich nicht ausdenken.

Doch besser keinen Gipfel? Jedenfalls nicht so. Es wird immer wieder mal auf die Möglichkeiten der modernen Technik verwiesen. Skype, Schaltkonferenzen machen weltweite Begegnungen ohne Reise und aufwendige Sicherheitsmaßnamen möglich. Doch jeder, der schon mal geskypet hat oder sonst wie eine Videotelefonat / Videokonferenz geführt hat, weiß die persönliche Begegnungen zu schätzen. Man kann im Videochat keinen Wein miteinander trinken. Die physische Anwesenheit des jeweils anderen ist unbedingt erforderlich, will man auf menschlicher Ebene etwas erreichen. Bilder spielen eine große Rolle. Wir alle erinnern uns an Kohl und Gorbatschow in Strickjacke. Die wirklich großen Dinger werden im Pullover beim Bier besprochen. Das ist im Großen nicht anders als im Kleinen.

Die persönliche Begegnung halte ich für unbedingt erforderlich. Auch die Großen müssen sich im wahrsten Sinne des Wortes „beschnuppern“. Die sinnliche Wahrnehmung des jeweils anderen. Wie er riecht, wie er morgens, mittags, abends aussieht. Wie er frühstückt, die Gabel hält, seinen Wein trinkt. Was er sagt, wenn kein Referent daneben sitzt und keiner protokolliert. So entstehen große Ideen. Das kann kein Chat.

Ist also, wie man sieht die persönliche Begegnung so wichtig, was spräche dagegen, irgendwo auf der Welt eine einsame Insel zu einem internationalen Gipfelort umzubauen? Es wäre ein Aquarium der Großen, eine Disneyland der Politik und würde den Elfenbeinturm, in dem die großen aus Politik und Wirtschaft ohnehin schon leben, noch ein paar Stockwerke höher ziehen. Das wäre keine Lösung.

Sowohl der Videochat als auch die Begegnung im isolierten Raum wären am Ende keine guten Ideen. Es braucht die wirkliche Welt, um auch wirkliche Bilder in die Welt senden zu können. Ein US- Präsident mit Weißbierglas. Man mag das für albern halten, doch exakt das sind Bilder, die die Welt braucht. Das bekommt man nicht im synthetischen Politterrarium.

Das Problem mit der Sicherheit, den Massendemos, dem Hype um ein solches Treffen, ist vor allem ein kulturelles Problem. Staatlich gefütterte und gepäppelte Demonstranten mit wenig friedlichen Absichten sind das Hauptproblem. Noch vor dreißig Jahren konnte eine Präsident oder eine Königin ein Bad in der Menge nehmen. Auch da waren Sicherheitskräfte anwesend und nervös. Passieren kann immer etwas. Doch man stelle sich vor, der US- Präsident und der russische Präsident wollten heute Abend einen Bummel in St. Pauli machen. Kein Siberheitsmensch könnte so etwas heute noch ad hoc ermöglichen. Da müßten ja erst Kanaldeckel zugeschweißt werden. Welch ein Irrsin!

Das Problem ist ein Problem einer Unkultur, den anderen – auch den politisch anderen – nicht einfach sein lassen zu können. Linker Rassismus und linker Hass auf „das andere“ sind so destruktiv, daß nicht nebeneinander sein kann, was nicht gleich ist. Aber wollen wir Staatmänner und – frauen, die so sind, wie die gewalttätigen Demonstranten in Hamburg. Wollen wir wirklich das, wofür diese Leute demonstrieren? Warum, so frage ich mich ganz ernsthaft, gibt es in Hamburg keine bürgerlichen Gegendemonstrationen gegen Hass, Terror und Gewalt. Wo ist der Bundesjustizminister, wenn es darum geht, diesen Hass zu bekämpfen. Virtuell ist er wohl tatsächlich im Schwarzen Block zu suchen. Machen wir uns auch da nichts vor.

Das Problem von Hamburg ist ein – nicht erst seit heute – gepäppeltes Problem. Es braucht einen Kulturwechsel, damit Gipfeltreffen wieder friedlich ablaufen können und eigentlich den Charakter bekommen, den sie haben sollten: Ein Fest. Denn das sollte es sein. Wo sich Staats- und Regierungschefs miteinander treffen, miteinander reden, miteinander Problemlösungen suchen, da ist zumindest die Option für Frieden und Freiheit gegeben. Ein Kulturwechsel könnte aus einem Gipfeltreffen ein Volksfest machen. Und dafür wäre kein einziger Steuergroschen zu schade. Keine Macht dem linken Krawall!

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Peter Winnemöller

Journalist, Blogger
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(Der kleine Senator steht für meinen seit Beginn der Internetzeit verwendeten Nickname Cicero und ist ein Geschenk des Illustrators Peter Esser)

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