Die Renaissance der Häresie in Gestalt einer Provinzpresseposse

Es ist nur eine kleine Posse aus einem hier diskreterweise ungenannten Provinzblatt. Wie das Foto eines Artikelauschnittes zeigt, wird dort die steile These vertreten, die Verfolgung der Irrlehre habe innerhalb der katholischen Kirche an Bedeutung verloren.

Man kann sich das gar nicht genug ausmalen, was sich so ein kleiner vulgäratheistischer Provinzredakteur dabei ausmalt. Der turbomoderne Franziskus reißt mit dem Bagger die Glaubenskongregation nieder und jagt all die wildwütigen Glaubenshüter davon?

Mit Geifer in den Mundwinkeln malt man sich aus, wie aus dem Gebäude an der Piazza del Sant’uffizio – weiß man wo das ist und daß da die Glaubenskongregation steht? Nein? Auch egal – die letzte noch glimmenden Scheiterhaufen aus dem Keller geräumt werden. In Rom kehrt die Freiheit ein.

Im Grunde lohnt es sich gar nicht, auf den Rest einzugehen. Das Aufbegehren gegen „Amoris Laetitia“ wirke aus der Zeit gefallen, so heißt es weiter unten im Artikel. Was muß man rauchen, um so einen Unfug zu denken?

Es ist nur eine kleine Posse aus einem unbedeutenden Provinzblatt, das wie alle Provinzblätter im Lande Monat für Monat an Auflage einbüßen mag. Doch sowas oder ähnliches liest man in allen möglichen Provinzblättern landauf landab. Als Pfarrer vermag man sich noch darüber zu ärgern. Der gewöhnliche Gläubige nimmt es mit Schulterzucken zur Kenntnis. Man ist schon lange keine gute Berichterstattung über die Kirche mehr gewohnt. Allenfalls der Bericht über die Schützenmesse auf der Lokalseite mag noch lesenswert sein.

Der gewöhnliche vulgäragnostische Taufscheinkatholik – Wir sind doch alle irgendwie katholisch … ha ha ha – hat es ja schon immer gewußt. Die da oben … die Pfaffen und Kardinäle. SO! Der Papst räumt da jetzt mal auf. Und der Jupp und seine dritte Frau könn’n gezz doch wieder zur Kommjonn gehen, woll!

Aha! Würden doch mehr Leute über Amoris laetitia … aber lassen wir das hier.

Es wundert einen nichts mehr. Selbst ein letztes Grundwissen zur Religion ist erfolgreich ausgerottet. Wer soll es denn noch merken, daß in den Gazetten der größte Mist steht. Ja, mehr noch, wie macht man dem Lokalredakteur eigentlich klar, daß Katholiken echt kein Abendmahl feiern, Nein, gar nicht. Wirklich nicht. Und an Fronleichnam trägt der Priester auch keine „gesegnetes Brot“ durch die Straße. Totaler Überforderungsoverkill.

Wir können es drehen und wenden wie wir wollen. Sowohl im Großen als auch im Kleinen ist die Berichterstattung über kirchliche Fragen grauenhaft. Warum schreibt man eigentlich noch dagegen an? Es gibt millionenschwere Medientöpfe in der Kirche in Deutschland. Es werden tausende und abertausende Euros für kirchliche Medien- und PR- Arbeit an Agenturen ausgegeben. Wenn es nicht gelingt, zumindest bei den großen Zeitungen und Medienportalen im Land ein Bewußtsein für zumindest sachlich richtige Berichterstattung zu wecken, dann ist doch Hopfen und Malz verloren. Wenn nicht einmal Agenturmeldungen ein Mindestmaß an sachlicher Richtigkeit aufweisen. Was soll man noch sagen?

Warum soll ein kleiner Blogger ( … eh verblödet … ) oder ein katholischer Journalist noch gegen den Mist anschreiben, der vom eigenen Episkopat offensichtlich billigend in Kauf genommen wird. Im Allgemeinen lasse ich so einen Mist aus der Provinzpresse gar nicht an mich heran. Da lese ich doch lieber, was sich zu lesen lohnt. Aber manchmal wird man darauf hingewiesen. Dann muß man es sich doch mal von der Seele schreiben. Das sei hiermit geschehen.

Im allgemeinen gilt weiter: Es gibt andere Sachen, über die sich mehr zu schreiben lohnt. Schreiben wir darüber.

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Peter Winnemöller

Journalist, Blogger
katholisch
immer neugierig
Leseratte
seit einer gefühlten Ewigkeit im Internet unterwegs

(Der kleine Senator steht für meinen seit Beginn der Internetzeit verwendeten Nickname Cicero und ist ein Geschenk des Illustrators Peter Esser)

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