RIP – Joachim Kardinal Meisner

Joachim Kardinal Meisner +
beim Eucharistischen Kongress 2013 in Köln

Wenn es einen gibt, dem ich bedenkenlos a dieu (=bei Gott) sagen kann, dann ist es dieser Priester, Bischof und Kardinal Joachim Meisner.

Die Berliner liebten ihren Bischof Meisner und ließen ihn nur ungern nach Köln gehen. Nach Köln, wo man ihn nicht liebte, nicht haben wollte, dort sollte die letzte Station des Bischofs aus dem Osten sein. Theologieprofessoren verfaßten die unselige Kölner Erklärung gegen ihn. Es war für mich das erste Erschrecken über den Zustand der Theologie an den deutschen Universitäten.  Der Papst, sein Freund Johannes Paul II. setzte sich durch. Auch gegen ihn selber, der doch viel lieber in Berlin geblieben wäre. Es ging nach Köln und der Anfang war schwer.

Kardinal Meisner blieb auch in Köln ein unerschrockener Verkündiger des Evangeliums und ein unbequemer Mahner vor unguten Entwicklungen in Kirche und Gesellschaft. Kaum ein Bischof in Deutschland sprach so offen über Abtreibung. Kein Bischof in Deutschland war so mutig, wenn es um den Konflikt der Kirche mit der modernen Gesellschaft ging.

Doch eines beeindruckte, der Kardinal war nie „contra“, er war immer „pro“. Das war es auch, was er uns, den Initiatoren der Petition pro Ecclesia sagte: Seid immer „pro“! Nie „contra“! Pro Christus sein. Christolektrisch aufgeladen sollen wir sein. Unvergessen sind seine Neologismen, mit denen er so eindrücklich erklärte, wie der Christ sein muß.

Es gab ein paar persönliche Begegnungen. Einmal durfte ich ihn interviewen. Auf dem Weltjugendtag 2005, als man einen Kardinal in Champagnerlaune erleben konnte, war er ganz in seinem Element. Wie denn auch nicht? Seine Stadt war überschwemmt von jungen Katholiken aus der ganzen Welt. Ganz Köln war eine fromme Partymeile. Kein linkskatholsicher Jugendverbandsmief, das war fröhlicher, echter und gelebter Glaube junger Menschen, der die Stadt mit Christus flutete. Das war ganz nach dem Geschmack des glaubensfrohen Kardinals.

Bei Kongressen von Kirche in Not und beim jährlichen Gedenken an Pater Werenfried war er immer dabei. Unvergessen auch der Eucharistische Kongress im Jahr 2013, der die Stadt Köln noch einmal zu einer katholischen Gebets- und Feierstadt machte. Der Kongress zeigte den Bischöfen, was ihre eigentliche Aufgabe ist: Das Volk zu lehren. Es ist Kardinal Meisner zu verdanken, daß dieser Kongress ein solcher Erfolg werden konnte. Immer wieder durfte ich ihm kurz begegnen. Sei es, einer Predigt zuzuhören oder ein kurzes Gespräch mit ihm zu führen. Es ging ihm immer nur um das eine: Menschen zu Christus zu führen.

Friedlich und mit großer Freude ging er in den Ruhestand. Mit seinem ihm ganz eigenen Humor kündigte er an, künftig seine Zeit im Beichtstuhl im Dom verbringen zu wollen.

Er hat den Ruhestand genutzt, um in vielerlei Hinsicht geistlich aktiv zu sein. Begegnungen, Vorträge, Predigten und vieles andere standen nun im Mittelpunkt. Sein Erbe hinterläßt er der Kirche in Köln und im Osten. Beides lag ihm am Herzen. Die Kardinal Meisner Stiftung fördert die Pastoral- und Gemeindeentwicklung im Erzbistum Köln sowie in Mittel-, Ost- und Südosteuropa: Zur Stärkung der soliden Glaubensverkündung und der missionarischen Ausstrahlung der Katholischen Kirche im In- und Ausland.

In seinem Urlaub in Bad Füssing sei er friedlich eingeschlafen, so meldete das Domradio.
Kardinal Meisner ist heimgegangen. Daß er die Prüfung, von der er im Interview mit mir sprach, bestanden hat, daran habe ich keinen Zweifel.

Santo subito!

Wenn wir uns wiedersehen, dann bei Gott.

Adieu, Eminenz!

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Peter Winnemöller

Journalist, Blogger
katholisch
immer neugierig
Leseratte
seit einer gefühlten Ewigkeit im Internet unterwegs

(Der kleine Senator steht für meinen seit Beginn der Internetzeit verwendeten Nickname Cicero und ist ein Geschenk des Illustrators Peter Esser)

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