Seit 20 Jahren im Kampfmodus

Gestern wurde im YouTube-Kanal der Diözese Rottenburg- Stuttgart ein Video veröffentlicht, in dem es um den sogenannten Diakonat der Frau geht. Das Ziel der Aktion, die im Video vorgestellt wird, gibt die Diözese Rottenburg-Stuttgart selber wie folgt an:

Vor 20 Jahren startete ein bundesweites Netzwerk katholischer Verbände in Stuttgart einen Kampf. Die Forderung: Auch Frauen sollen im Diakonenamt tätig sein dürfen. Das ist in der katholischen Kirche den Männern vorbehalten – bis heute. Zwar dürfen Frauen diakonische Aufgaben übernehmen. Als Diakoninnen geweiht werden können sie aber nicht.
2017 trifft sich das Netzwerk wieder in Stuttgart, um den Kampf weiterzuführen. Wir haben mit Unterstützern und Frauen aus der Diözese über ihre aktuelle Stimmung gesprochen.
Quelle.

Niemand mache sich Illusionen, es geht nicht um den Diakonat allein. Es geht um das Priestertum für die Frau. In Zeiten auch zuweilen unreflektierter Gleichmacherei zwischen Männern und Frauen darf es nicht sein, was Johannes Paul II. feststellte, die Kirche habe schlicht keine Vollmacht Frauen die Weihe zu spenden.

Video der Diözese Rottenburg Stuttgart.
Screenshot von YouTube

Nach Ordinatio sacerdotalis hatten also die mutigen Kämpferinnen für das Weiheamt dann erst einmal den Diakonat der Frau ins Visier genommen. Das ist Kirche politisch verstanden. In einer gesellschaftlich nützlichen und politisch gesteuerten Kirche geht es darum, Interessengruppen zu bilden und den politischen Kampf zu führen, um das Ziel zu erreichen. Dabei geht es vor allem darum, sich an der richtigen Stelle strategisch aufzustellen, Partnerschaften zu suchen und mit Aktionen auf sich Aufmerksam zu machen. Ferner sammelt man Geld ein, um sich die Sache auch leisten zu können. Entscheider werden so unter öffentlichen Druck gesetzt. So und nicht anders ist zu handeln.

Dem liegt eine durch und durch defizitäre Ekklesiologie zu Grunde. Die Kirche ist nicht einfach ein Zweckverband von Menschen der ein wenig religiöse Tradition pflegt. Ein solcher könnte beliebig schalten und walten, sich selbst Regeln geben und diese modifizieren. In der Tat hat auch die Kirche einen solchen Teil. Es ist das menschengemachte Recht, welches auf Vereinbarung beruht und von Menschen geändert werden kann. Der wesentliche Teil der Kirche ist aber göttliche Stiftung und somit für den Menschen nicht veränderbar. Die Sakramente sind göttlichen Rechts und so kann der Mensch sie nicht verändern. Man mag es den Damen wünschen, daß ihre Lebenswünsche in Erfüllung gehen. Dieser eine, die sakramentale Weihe, wird verschlossen bleiben.

Die Dramatik liegt nicht allein in der Tatsache, daß ein paar verirrte Seelen einen aussichtslosen Kampf führen. Es liegt in der menschlichen Natur, zuweilen so zu handeln. Das Drama im Konflikt liegt in der vermeintlichen Unterstützung durch Priester. Diese, wie hier im Video der Esslinger Dekan Paul Magino, führen die Frauen im Grunde noch viel weiter in die Irre, wenn sie eine falsche Hoffnung schüren.

Der Diakonat der Frau ist schon länger ein Lieblingsobjekt interessierter Kreise. Dabei spielen auch weibliche Orden eine Rolle. Erst jüngst haben Ordensfrauen in Rom den Heiligen Vater erneut nach dem Diakonat der Frau gefragt. Der Papst hat eine wissenschaftliche Untersuchung angekündigt. Es gab schon einmal eine solche. Das Ergebnis lautete, daß es nichtsakramental beauftragte Frauen in der Kirche gab, die den Dienst der Diakonissen vornahmen. Ihre einzige liturgische Funktion war es, dem Bischof bei Taufe (durch untertauchen) und Salbung erwachsener Frauen zu helfen. Mit Amt des Diakons hatte das nichts zu tun.

Nicht zu erklären ist ebenfalls, warum eine Weihe von Frauen zum Diakonenamt möglich sein sollte, es dann aber keine weiblichen Priester und Diakone geben sollte. Das ist Unsinn, weil das Weiheamt ein Amt in drei Gliederungen ist. Jeder Bischof ist auch Priester und Diakon, jeder Priester ist auch Diakon. In dieser Dreiheit entfaltet sich das eine Amt durch Lehren, Leiten und Heiligen als sakramentalem Dienst der Kirche. Dieser Dienst wird untermauert durch das diakonale Handeln der Kirche. Hätte jede Pfarrei einen Diakon, so wäre dessen Ort der Vorsitz der Caritaskonferenz. Der Dienst am Altar fließt für den Diakon aus dem Dienst an den Armen und strebt wieder dorthin zurück. Darum liest der Diakon die Fürbitten, weil der Diakon weiß, wo der Schuh drückt.
Wo der Schuh drückt, das wissen oft gerade die Frauen in den Gemeinden. Das ist ein Fakt, den man nicht klein reden sollte. Und so mancher Pfarrer wäre insbesondere in Fragen der Caritas ohne seine Damen von der Konferenz aufgeschmissen. Dieser Dienst ist ein Ehrendienst, ein Ehrenamt. Warum sollte eine Weihe hier ein Vorteil sein? Nichts, was die Mitglieder einer Caritaskonferenz tun bedürfte der Weihe.

In Gemeinden, wo es einen Diakon gibt, ist der oft genug sowas wie ein Hilfspastor. Diakone dürfen trauen, taufen und beerdigen. Das alles dürfen übrigens auch Laien (im Notfall). Der Diakon ist ordentlicher Kommunionspender im Auftrag des Bischofs. Doch auch dieser Dienst wird inzwischen Laien als außerordentlicher Dienst aufgetragen. Ganz nüchtern betrachtet hat der Diakon in einem Land, wo der Staat den sozialen Dienst an den Armen und Bedürftigen wahrnimmt, ohnehin kaum eine Berechtigung, könnte man denken. Doch der Staat schafft Recht und baut damit Gerechtigkeitslücken. Wer mit offenen Augen durch die Welt geht, kann das sehen. Dort ist der Platz des Diakons. Systematisch ist der Diakon dem Bischof zugeordnet. Man erkennt das in der Liturgie. Im Pontifikalamt gehört der Diakon unbedingt dazu. Er steht und sitzt in der Nähe des Bischofs und doch ist sein Platz nicht der eines Konzelebranten. Auch da wird die Einheit des Ordo sichtbar. Es ist ein Amt, das sich in drei Stufen gliedert. Jede einzelne Stufe ist auf den Bischof hingeordnet, hat jedoch für sich ihre Berechtigung.

Über die Frage der Weihe für Frauen schrieb der Heilige Papst Johannes Paul II.:

Damit also jeder Zweifel bezüglich der bedeutenden Angelegenheit, die die göttliche Verfassung der Kirche selbst betrifft, beseitigt wird, erkläre ich kraft meines Amtes, die Brüder zu stärken (vgl. Lk 22,32), daß die Kirche keinerlei Vollmacht hat, Frauen die Priesterweihe zu spenden, und daß sich alle Gläubigen der Kirche endgültig an diese Entscheidung zu halten haben. (Quelle: Apostolisches Schreiben Ordinatio sacerdotalis Nr. 4)

Da es Zweifel (Dubia! Damals bekam man noch Antworten auf Dubia.) an der Endgültigkeit dieser Entscheidung gab, schrieb die Glaubenskongregation dazu am 28.Okt 1995:

Diese Lehre fordert eine endgültige Zustimmung, weil sie, auf dem geschriebenen Wort Gottes gegründet und in der Überlieferung der Kirche von Anfang an beständig bewahrt und angewandt, vom ordentlichen und universalen Lehramt unfehlbar vorgetragen worden ist (vgl. II. Vatikanisches Konzil, Dogmatische Konstitution Lumen gentium, 25,2). Aus diesem Grund hat der Papst angesichts der gegenwärtigen Lage in Ausübung seines eigentlichen Amtes, die Brüder zu stärken (vgl. Lk 22,32), die gleiche Lehre mit einer förmlichen Erklärung vorgelegt in ausdrücklicher Darlegung dessen, was immer, überall und von allen Gläubigen festzuhalten ist, insofern es zum Glaubensgut gehört. (Quelle: Antwort auf den Zweifel bezüglich der im Apostolischen Schreiben »Ordinatio sacerdotalis« vorgelegten Lehre)

In unserer Zeit ist es nicht ganz so einfach das zu akzeptieren. Alle Nachfolger von Johannes Paul II. halten sich an der Lehre von Ordinatio sacerdotalis fest. Die Tür sei zu, stellte Papst Franziskus lakonisch fest. Auch auf die Nachfrage der Ordensfrauen bezüglich des Diakonats der Frau wird der Papst sicher nicht an eine sakramentale Weihe gedacht haben. Eine nichtsakramentale Beauftragung ist sicher möglich. Statt also an unlegbaren Eiern herumzubrüten, wäre es vielleicht eine Idee, über solche Beauftragungen nachzudenken. Der Kampf ist gekämpft, die Kriegerinnen wirken müde und frustriert. Statt den Frust weiter zu nähren, könnte man doch mal über Alternativen nachdenken.

Am Ende nun hier das Video der Diözese Rottenburg-Stuttgart:

Achja … bitte, haltet die Hl. Katharina von Siena da raus.

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Peter Winnemöller

Journalist, Blogger
katholisch
immer neugierig
Leseratte
seit einer gefühlten Ewigkeit im Internet unterwegs

(Der kleine Senator steht für meinen seit Beginn der Internetzeit verwendeten Nickname Cicero und ist ein Geschenk des Illustrators Peter Esser)

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