Der Kommentar als kluge Ergänzung

©Peter Winnemöller

… ist ja eher die Seltenheit. Darum mache ich in der Regel um Kommentarbereiche einen großen Bogen. Selbst unter meinen eigenen Artikeln meide ich es zumeist die Kommentare mehr als nur oberflächlich zu lesen. Das ist zum Teil aus Selbstschutz.

Keine Regel ohne Ausnahme. Unter meinem jüngst auf theGermanZ veröffentlichten und später von kath.net übernommenen Artikel finden sich bei kath.net (bis Ablauf der 7-Tage-Frist) eine ganze Reihe guter Kommentare.

Einige Gedanken lohnen den zweiten Blick und damit im Grunde eine Ergänzung zum o.g. Artikel. Argumente aus den Kommentaren erlaube ich mir an dieser Stelle zu paraphrasieren und ggf. zu schärfen.

Zuerst fiel mir ein Einwand auf, die Erstkommunion biete ja eine Chance Ministranten zu rekrutieren. Das tut sie in der Tat. Nach der Erstkommunion hibbeln Vikare (oder Kapläne) mit den Oberministranten um die Wette, wieviele Neumeßdiener gewonnen werden können. In den meisten Fällen sind es weniger als im vergangenen Jahr ausgeschieden sind. Manchmal bleibt die Zahl stabil, auch Zunahmen gibt es, doch das ist eher selten.

Der Kern des Problems wird von einem weiteren Kommentator gut erkannt. Ministranten kämen ja nur wegen der tollen Aktionen. Glaubensvertiefung gäbe es da nicht. Und außerdem seien die Ministranten nur in der Kirche, wenn sie zum Dienst eingeteilt sind. Und auch dann wahrlich nicht immer, sei an dieser Stelle ergänzt.

Zudem haben viele Gemeinden inzwischen durchaus Probleme an den hohen Festen genügend Ministranten für ein festliches Hochamt aufstellen zu können. Zu Ostern nutzen die Familien gerne die Ferien zu einem Trip auf die Kanaren, die Balearen oder Nordafrika. Was interessiert die Kirche, wenn man nicht gerade Erstkommunion hat? Die Kids sind auch lieber am Strand als in stundenlangen unverstandenen Gottesdiensten. Wer will es ihnen verdenken? Wer nie wirklich geistlich (und altersgemäß) an die Liturgie herangeführt wurde, wer nie eine kindliche/jugendliche/erwachsene Liebe zur Eucharistie entwickelt hat, wird es immer als Last empfinden, in die Kirche zu müssen.

Der Versuch, vertiefte geistliche oder katechetische Elemente in die Ministrantenarbeit einzubringen, scheitert allerdings nicht selten ausgerechnet an den verantwortlichen Priestern. Zu groß ist die Angst, überforderte Ministranten könnten zu schnell aufgeben. Es mangelt durchaus auch an denen, die eine solche Arbeit leisten könnten, auch das ist Fakt. Man bringt den Ministranten bei, wie sie laufen müssen, was sie wann zu bringen haben und wo sie ansonsten stehen und sitzen müssen. Niemand mache sich Illusionen, ein tieferes Verständnis für die Liturgie stellt sich bei den allerwenigsten ein. Eine Liebe zur Eucharistie wächst in den seltensten Fällen. Es geht ganz pragmatisch darum, daß der Pfarrer am Sonntag nicht allein am Altar steht. Da wird jeder nur denkbare Abstrich in Kauf genommen. Toll ist das nicht, doch so ist es in den allermeisten Fällen.

Die liebe leidige Kirchensteuer fand in den Kommentaren ebenfalls Erwähnung. Gegen Zahlung dieser Abgabe, so sei das hier mal interpretiert, erwerben sich die Eltern das Recht auf eine nette Feier für die Kinder. Zwar haben sie und die Paten bei der Taufe versprochen, die Kinder im Glauben zu erziehen, dies Versprechen hat allerdings in der Regel den Tauftag nicht überlebt. Wir nehmen uns zwei Jahre Katechumenat bei erwachsenen Täuflingen, Kinder taufen wir nach einem Gespräch. Trauungen werden ebenfalls nach einem Gespräch vorgenommen. Der Faktor Zeit und Leichtfertigkeit tauchen – so auch hier – in kritischen Beiträgen zur Sakramentenpastoral immer wieder auf.

In der Antike gab es eine Arkandisziplin, d.h. nur die getauften durften an der Eucharistie teilnehmen. Das machte Sinn, weil sie Ungetauften aber bereits Gläubigen galt. Es ginge in dieser Weise heute nicht, denn wir haben es oft mit Getauften aber schon längst Ungläubigen zu tun. Es braucht also eine neue Form der Arkandisziplin, der diesem umgekehrten Faktum gerecht wird. Getaufte kann man, das muß man akzeptieren, auch dann nicht von der Feier der Geheimnisse ausschließen, selbst wenn sie ungläubig sind. Wer will das nachweisen?

Ein weiterer Punkt taucht ebenfalls immer wieder auf, das ist der familiäre Hintergrund. Die Pfarrer gruseln sich zum Teil vor den Hl. Messen zur Erstkommunion. Niemals im Jahr werden in der Messe so viele Vorschriften gemacht und Vereinbarungen getroffen. Nicht Fotografieren, Handy aus, in der Messe bitte kein Kaugummi, vielleicht die Röcke nicht so allzu arg zu kurz, während der stillen Zeiten bitte nicht laut reden, Nichtkatholiken können bitte nicht zur Kommunion – Danke für Ihr Verständnis, … Die Liste ließe sich endlos fortsetzen. Und doch klingelt in der Messe irgendwann ein Handy. Das ist nur die Außenseite, doch sie zeigt die innere Befindlichkeit: Fremdheit. Man ist der Kirche fremd (geworden). Der Glaube sagt einem nichts, der Himmel ist kalt und leer.

Es fehlt in den meisten Familien am Verständnis für das, was geschieht. Es fehlt aber genauso am Respekt vor dem Fremden. Es ist ja nur die Kirche.

In der Zeit der Vorbereitung erlegen viele Pfarreien den Erstkommunionkindern die ohnehin für jeden Katholiken geltende Sonntagspflicht auf. Nicht zu erscheinen ist allerdings kein Ausschlußkriterium, es gibt dann höchstens mal einen sorgenvollen Blick von der Gemeindereferentin. Mehr passiert nicht. Trotzdem ist es ein Ärgernis. Die Elten wollen, sagte mir Thomas Frings, daß die Kinder die Kirche kennen lernen, ein großes Fest und am Sonntag in Ruhe gelassen werden. Es wäre an der Zeit, mal im Rahmen Bischofskonferenz und zwar im Ständigen Rat, dem nur die Diözesanbischöfe angehören, über dieses Thema zu reden. Zu Recht bemerkte nämlich ein Kommentator, daß dieses Problem auf der Ebene der Bischöfe gelöst werden muß.

Es gab noch weitere Rückmeldungen, auf die ich hier und jetzt nicht eingehen kann. Den Kommentatoren ein Vergelt’s Gott, denn ein gutes Feedback tut auch mal gut.

Aufgeben gilt nicht, daher sei allen geraten, die selbst und/oder deren Kinder ein offenes Herz für die Kommunion haben, ihren – vielleicht ganz eigenen – Weg zur Erstkommunion der Kinder zu suchen. Für die Kinder ist das leicht. Die Kommunion ist die größte Liebe die man sich vorstellen kann und für was wäre ein Kind empfänglicher als für Liebe.

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Peter Winnemöller

Journalist, Blogger
katholisch
immer neugierig
Leseratte
seit einer gefühlten Ewigkeit im Internet unterwegs

(Der kleine Senator steht für meinen seit Beginn der Internetzeit verwendeten Nickname Cicero und ist ein Geschenk des Illustrators Peter Esser)

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