Die Tür zum Leben – Adventskalender 2016

ak24Nun haben wir es mal wieder geschafft.

Es wird Weihnachten.

Der 24. Dezember ist der Tag der letzten großen Hektik vor dem großen Fest.
Am frühen Morgen dieses Tages geht nun das letzte Türchen des Blogoezesen Adventskalenders auf. Und diese Tür hat es in sich,

oder sollte man besser sagen „hinter sich“?

Als ich mich für dieses Datum eingetragen hatte, stand mir eigentlich der Sinn nach einem freundlich besinnlichen Beitrag auf dem Endspurt zum Fest. Es kommt nun ganz anders. So, wie es sehr oft ganz anders im Leben kommt.

Da bitte ich dann doch auch gleich die, die sich überfordert fühlen mögen um Entschuldigung, doch harmlos geht gerade nicht. Es ist zu ernst.

Wie man sehen wird, ist es wirklich ernst zugegangen in meinem Leben in den letzten Monaten.

Wer meinen Blog verfolgt oder auch nur mal die Titelseite aufruft, kann erkennen, daß seit August große Löcher klaffen. Schon einmal hatte ich zu erkennen gegeben, daß mich eine ernste Krankheit erwischt hatte. Da war ich gerade dabei, wieder zu genesen und hatte die Hoffnung, bald wieder bei alter Stärke zu sein. Das war weit gefehlt. Es sollte noch einmal schlimmer werden.
Nun habe ich mich entschlossen, offen zu legen, was passiert ist. Es gibt einen Grund dafür. Den Grund werde ich am Ende benennen.
Im August diesen Jahres erlitt ich einen Herzinfarkt. Es handelte sich um einen sogenannten ST- Strecker. Man nennt sie so, weil sie auf dem EKG sichtbar sind. Sie strecken die Kurve zwischen den Punkten S und T. Das sind schwere Infarkte, die einen Teil der Durchblutung des Herzens einfach abschalten, weil ein Herzkranzgefäß verstopft. Die Ursachen sind nie ganz eindeutig nachvollziehbar, es gibt immer ein Bündel an Ursachen.

Die Symptome sind zumeist ein starker Herzschmerz, der häufig in den linken Arm ausstrahlt. Ich erkannte sie sofort, der Notarzt war schnell da und der Infarkt konnte in einem nahe gelegenen Kathederlabor schnell behandelt werden. Mir wurde ein Stent implantiert. Es ging so schnell, daß der Herzmuskel keinen Schaden genommen hat. Dennoch war ich lange Zeit sehzr geschwächt. In einer Herzreha lernte ich alles über Herzsport und wie es gelingen kann, wieder zu Kräften zu kommen. So wurde ich auf meine alten Tage ein sportlicher Mensch mit wirklich Freude am Sport. Eine Freude, die ich jetzt empfinden konnte, weil ich gelernt hatte, wie es richtig geht. Langsam aber sicher kamen die Kräfte zurück. Sie kamen aber nicht so, wie man es mir vorher gesagt hatte. Noch immer fühlte ich mich zuweilen kraftlos, matt und erschöpft. Das war mehr als es vom Herzen her hätte sein dürfen.
Anfang Dezember kam der zweite Schlag. Mit großen Schmerzen wurde ich in der Nacht ins Krankenhaus eingeliefert. Mit Schmerzmitteln wurde ich erst einmal wieder etwas mobiler gemacht. Zwei Tage Diagnose und das Ergebnis stand fest: Krebs!

Nach einem Herzinfarkt nun das auch noch. Alles in allem stand ich nun nach vier Monaten ein zweites mal an der Schwelle zum Tod. In mir war ein 16 cm großes Nierenzellkarzinom gewachsen. Natürlich war es bösartig, wie sollte es anders sein.
Ob sich irgendjemand, der diesen Text hier liest, vorstellen kann, welche Verzweiflung einen Menschen ereilt, der innerhalb von vier Monaten mit einem Herzinfarkt und einer Krebsdiagnose fertig werden muß, kann ich nicht sagen. Welche Ängste, welche Fragen und welche Zweifel in einem Menschen hochkommen, das ist kaum zu beschreiben. Die Theodizee, die Frage danach, warum der gute Gott ein solches Leid zuläßt, nimmt im eigenen Körper und im eigenen Kopf Gestalt an.

Vor gut einer Woche wurde mir das Karzinom entfernt. Der Operateur hat den Eingriff minimalinvasiv durchgeführt. Zwei kleine Löcher im Bauch und der Bergeschnitt, der etwas größer ist. Die OP war schwer, sie war belastend und brachte viele Schmerzen mit sich. Sie brachte aber auch die Frage mit sich, ob es jetzt vorbei ist. Ist Krebs besiegt? Der erlösende Befund kam einige Tage nach der Operation: Geheilt. Der Krebs ist besiegt. Es bedarf lediglich genauer Beobachtung, ob nicht etwas nachwächst. Die Wahrscheinlichkeit ist nicht sehr hoch, doch sie existiert.

Zu zwei Anlässen innerhalb weniger Wochen stand für mich die Frage offen, ob sterben werde. Nun das Sterben dem Christen kein Verlust. Es wartet das ewige Leben auf uns. Doch es ist einem jeden seine Sterbestunde von Gott bestimmt. Immer wieder die Frage, ist dies nun meine? Sie war es nicht. Noch beläßt mich der Herr bei meinen Lieben hier auf der Erde.

Selbstverständlich war das nicht.

Der Grund warum ich dies nun hier so frei und offen schreibe, ist nicht, mich mit meinen Leiden zu brüsten, gar damit zu prahlen. Am liebsten wär es mir gewesen, ich hätte sie verschweigen dürfen. Doch dies geht nicht.
In beiden Fällen wurde mir von Freunden Gebet zugesagt und es wurde für mich gebetet. In beiden Fällen fühlte ich mich davon getragen. Doch einen Unterschied gab es wohl. War das fürbittende Gebet nach meinem Herzinfarkt so wie man es erwartet, wenn Freunde es einem zusagen, eine große Hilfe, ein Stütze und sicher eine Freude, weil man sich getragen wußte, so war es im zweiten Falle anders. Es war – mir fällt kein anderes Wort ein – eine Welle von Gebet, die mich unterspülte und hoch auf ihren Wellenkamm vor den Allmächtigen trug. Während ich selber fast auf Brustwarzen in die Kapelle kroch um dem Gekreuzigten mein Leid zu zeigen, in ihm einen zu finden, der mich verstand, trug mich das Gebet der Freunde, Bekannten und Fremden vor den gütigen Vater. In dessen Hände ich mich nach langem inneren Kampf fallen lassen konnte. Die Gande der Messen, die Priester und wohl auch Bischöfe für mich feierten, prasselten als Trost auf meine geplagte Seele herab. Unfaßbar und nicht in Worte zu bringen!

Es gilt Zeugnis zu geben von einem Wunder. Der Krebs ist besiegt, aber wie um ein Siegel aufzudrücken, erlebte ich eine Genesung, die ihres gleichen sucht. Auf meinen eigenen Füßen verließ ich die Intensivstation. Das hatte in der Klinik noch niemand gesehen. Fünf Tage nach der OP wurde ich entlassen. Es bedarf nur noch wenig Schmerzmittel, um den postoperativen Schmerz ertragen zu können. Die Wunden heilen gut und langsam kehrt die Kraft zurück. Die Gnade wirkt mit der Natur, darum gehe ich noch in eine Reha.

Gott hat mich an meine Grenzen geführt, das kann ich sagen, ohne im geringsten zu übertreiben. Dort an den Grenzen meines Seins war ich gehalten und getragen vom Gebet. Welch eine Kraft!

Und dort durfte ich sehen, was zu dem gehört – neben vielen anderen Dingen – die Gott mich lehren wollte mit diesen beiden schweren Krankheiten in so kurzer Zeit. Während er mir immer wieder zeigte, wie viele es sind, die für mich beten, ging mir auf, wie viele mehr es doch sind, die krank sind, leiden müssen, Schmerzen haben und für die niemand betet.

Wir leben in Tagen einer geistlichen Sprachlosigkeit!

Und auch die Fürbitte verstummt zuweilen. Das darf nicht sein. Betet ohne Unterlaß!

So ist mir in den Tagen der schweren Krankheit, der Unsicherheit über mein Schicksal eines klar geworden, wir, die wir beten, müssen auch beten, für die niemand betet, damit keiner in seinem Leid ist, der nicht vor den gütigen Vater getragen wird.
Und dann kommt das Gebet des Beters nicht nur dem zu Gute, für den gebetet wird, es kehrt als Gnade zum Beter zurück.
Wir alle sind Kinder Gottes, wir alle sollten Hand in Hand (für einander betend) vor dem Allmächtigen stehen.

Das ist der Grund, warum ich über meine Krankheiten berichtet habe: Zeugnis zu geben von den Wundern, die die Beter von Gott erbeten haben und von der Kraft, die das Gebet auch dem Beter gibt.

Meine Bitte, betet ab und zu ein kleines Gebet für alle die Kranken, für die niemand betet. Dazu wird es später noch mehr von mir geben. Dies ist mir ein großes Anliegen geworden.

Und hört nicht auf, für Eure Freunde zu beten.

Danke!

Mein Weg hier geht noch etwas weiter. Der Herr möchte wohl, daß ich auch weiter für ihn blogge. Das will ich gerne tun.
In den schweren Stunden habe ich mich an ihm, der der gute Hirte ist, festhalten dürfen. In besseren Stunden werde ich seine Hand nicht loslassen.

Euch allen, die Ihr diesen Artikel lest, wünsche ich ein frohes und gesegnetes Weihnachtsfest.

Geht alle zur Krippe und staunt, was der Höchste hier tut.

(Wie ich gerade über Weihnachten denke, ist nicht in Worte zu fassen. Sorry … )


Damit endet für dieses Jahr der Adventskalender der Blogoezese.
So Gott will, wird es im kommenden Jahr wieder einen geben.

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Peter Winnemöller

Journalist, Blogger
katholisch
immer neugierig
Leseratte
seit einer gefühlten Ewigkeit im Internet unterwegs

(Der kleine Senator steht für meinen seit Beginn der Internetzeit verwendeten Nickname Cicero und ist ein Geschenk des Illustrators Peter Esser)

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