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Die Medienlandschaft ist in Unruhe. Die Auflagenzahlen der Flaggschiffe deutscher Verlage leiden an galoppierender Schwindsucht. Zeitungen, Radio- und Fernsehsender büßen zunehmend das Vertrauen der Leser, Zuhörer und Zuschauer ein. Mehr und mehr machte sich in den vergangenen Jahren ein betulicher zuweilen oberlehrerhaft daher kommender Stil in den Redaktionsstuben breit. Wir kennen Ihre Meinung von morgen schon heute, scheint das Motto der Berichterstatter zu sein. Bericht und Meinung werden in eine undurchschaubare zähe Suppe verrührt.

Heute, am Tag nach der Wahl in Österreich, titelt meine Lokalzeitung: „Österreich wählt besonnen“, vor der ersten Tasse Kaffee kommt da doch glatt die Frage auf, ob Hofer am Ende doch gewonnen hat. Was bitte soll denn daran besonnen sein, wenn Österreich einen linksgrünen Präsidenten wählt? Was soll daran besonnen sein, wenn in der Alpenrepublik die Parteien der Mitte bei der Präsidentenwahl gar nicht mehr mitspielen? Innerlich ist man nach dem ersten Kaffee und der Lektüre der folgenden Seiten schon wieder so weit, das Abo zu kündigen.

Das Internet mit seinen umfangreichen Informationsangeboten macht eine Zeitung ohnehin überflüssig. Oder nicht? Wer glaubt denn allen ernstes den gesamten Markt an Nachrichten, Neuigkeiten und Ereignissen wirklich an Hand des Internets oder gar der sozialen Medien überblicken zu können? Nicht einmal echte Nachrichtenjunkies dürften dazu in der Lage sein. Zwar sind Facebook, Twitter und andere soziale Medien eine fantastische Möglichkeit, sich unabhängig von Redaktionen mit Nimbus von gleichgeschliffenen Lehrerkollegien zu informieren. Doch die Filterbubble, die Nachrichtenblase, die die Algorithmen der Social Media Portale für mich erzeugen, sind im Hinblick auf Gleichschaltung jeder Diktatur überlegen.

Meine Interessen, meine Ansichten werden mir hundert und tausend mal bestätigt. Eine Engführung der Gedanken ist die Folge, aus der es kein entrinnen gibt, suche ich nicht aktiv nach anderen Perspektiven. Umso ärgerlicher ist die meinungsmäßige Selbstgleichschaltung vieler, allzu vieler Redaktionen im Land. Der linksgrüne Mainstream in den Redaktionsstuben bildet in keiner Weise das Denken der Gesamtbevölkerung ab. Journalisten leben merhheitlich sogar im Real Life in ihrer ganz eigenen Filterbubble, die mit dem Alltag der Normalbürger kaum etwas zu tun hat. Kein Wunder also, daß immer weniger Menschen diesen hippen Typen ihre mit linker Meinung kontaminierten Nachrichten noch abkaufen wollen. Es braucht die Zeitung für den Überblick. Es braucht einen redaktionell aufbereiteten Nachrichteninput, um einen Überblick außerhalb der eigenen Filterblase zu bekommen. Es nützt allerdings nichts, nur den Einblick in eine andere Filterblase, nämlich die des Journalisten zu bekommen.

Man darf durchaus davon ausgehen, daß die gedruckte Tageszeitung auf Papier in einigen Jahren der Vergangenheit angehört. Apps, Webseiten und andere technische Features werden die nach Druckerschwärze riechenden Seiten vom Früstückstisch verbannen. Noch weiß niemand, was sich durchsetzen wird. Das Smartphone ist zu klein, Laptop oder Tablet sind doch noch zu unhandlich. Irgendein technisches Feature wird kommen und die Menschen überzeugen. Und dann wird auch die Zeitung ihre Gestalt finden. Eines ist klar, sie im Netz sein. Online wird am Ende das Papier in irgendeiner Form verdrängen.

So ist es konsequent und richtig, nach neuen Wegen für die Zeitung zu suchen. Einen ersten Schritt hat der Medienunternehmer Klaus Kelle nun mit dem Launch der Online-Tageszeitung für Deutschland „The Germanz“ getan. Man nehme sich vor, sauberen und seriösen Journalismus zu betreiben, so Kelle in einer Selbstbeschreibung des Portals. Man folge einem journalistischem Verständnis, das keinen Volkserziehungsauftrag habe. Der Redaktion geht es darum, die Wirklichkeit abzubilden. Der Kommentar wird trennscharf von der Nachricht getrennt veröffentlicht.

Damit gibt es nun neben anderen ambitionierten Webprojekten, deren Anliegen ebenfalls eine seriöse Wiederherstellung der Medienvielfalt in Deutschland ist, ab heute als sinnvolle Ergänzung eine Online- Tageszeitung. Man kann dem Projekt nur viel Erfolg und viel Aufmerksamkeit wünschen. Erst bei hinreichend großer Aufmerksamkeit gilt ein solches Medium als relevant, um im gesellschaftlichen Diskurs eine Rolle spielen zu können. Derartige Relevanz für eine bürgerliche Online Tageszeitung ist mehr als wünschenswert.

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Peter Winnemöller

Journalist, Blogger
katholisch
immer neugierig
Leseratte
seit einer gefühlten Ewigkeit im Internet unterwegs

(Der kleine Senator steht für meinen seit Beginn der Internetzeit verwendeten Nickname Cicero und ist ein Geschenk des Illustrators Peter Esser)

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