Von erschreckender Harmlosigkeit

20160520_205229Mal ganz frei nach Karl Lagerfeld:

Wer in Flip Flops den Strandbereich verläßt, hat die Kontrolle über sein Leben schon verloren.

Es mag ein wenig arrogant klingen und das soll es auch, denn es soll eine Pointe setzen.

Ganz allgemein kann man froh sein, wenn man den offiziellen Medienaktivitäten der deutschen Bistümer mit Zurückhaltung begegnet. Seit ich die Internet- und Facebookseiten der einzelnen deutschen Bistümer sowie der meisten katholischen Verbände nur noch gezielt aufsuche, wenn es einen konkreten Anlaß gibt, werden Nerven geschont, von denen ich inzwischen schon fast nicht mehr weiß, daß ich sie habe.

Dabei würde ich den Kolleginnen und Kollegen in den dortigen Redaktionen gar nicht vorwerfen wollen, schlechte Arbeit zu machen. Warum auch. Wer motzt soll es erst mal besser machen. Wer sehen will, wie es besser geht, klickt hier.

Durch den Kollegen Zufall stolperte ich heute über einen Eintrag auf der Facebookseite des Erzbistums Berlin. Auf dem Katholikentag in Leipzig wird man am Stand des Erzbistums Berlin Flip Flops basteln können. Die erste Reaktion war ein breites Grinsen meinerseits. Flip Flops! Jene unsäglichen Fußnichtbekleidungsstücke mit dem Steg zwischen erstem und zweitem Zeh, welches dafür verantwortlich ist, daß man, kaum hebt die Sonne die Temperaturen etwas an, Füße aller Art und Pflegezustand unter die Nase gehalten bekommt. Und ein katholisches Erzbistum fördert das auch noch, indem es dazu einlädt diese Elemente der Schuhunkultur zu basteln.

Haben die eine bastelfreudige Sozialpädagogin das Standkonzept schreiben lassen? Hat man etwa eine nicht mehr auf der Höhe der Forschung befindliche Ergotherapeutin involviert? Nun gut, Bastelpastoral läßt sich vermutlich nie ganz ausrotten. Es doch schön, wenn man eigenes hat, was man mit nach Hause nehmen kann. Hollerö … nein, doch ja,  das war was anderes aber doch sehr ähnlich. Die Ähnlichkeit besteht im Grad der vorliegenden Ernsthaftigkeit. Sollte das nicht nachdenklich machen?

Hat ein katholisches Bistum wirklich nichts anderes zu bieten, als – womöglich noch ökologisch korrekte und klimaneutrale – Latschen basteln zu lassen? Was ist der Bezug zum Christentum? In den selbstgebastelten Latschen dem Weg Jesu folgen? OK, den katholischen Haken kann man mit allem machen. Das geht. Es ist aber eben ein Haken, den man erst mal schlagen muß. Wo ist denn der Aspekt der Verkündigung? Wo ist ein Mindestmaß an geistlicher Tiefe oder nur an geistlichem Anreiz.

Erschreckend daran ist eigentlich genau diese dramatische Harmlosigkeit. Es gibt keinen Grund, moralischer oder dogmatischer Natur, warum man sich nicht ein paar Einweglatschen bauen sollte. Zudem ist das Internet voller Bastelanleitungen dafür. Auch wir haben früher pastoral gebastelt. Ein Kalender mit Heiligenbildern, eine Osterkerze, alternativ eine Jahreskerze, ein Kreuz aus Zinn und vieles andere mehr. Das stand dann natürlich irgendwie im Zusammenhang mit dem Thema in der Firm-, Jugend- oder Schulpastoral, welches gerade behandelt wurde. Und egal was es war, es ging immer um den Glauben und den Bezug zum eigenen Leben. Das basteln war die Brücke, die etwas inhaltliches zum Glauben, d.h. etwas katechetisches transportieren sollte. Zumindest dieser Anspruch war immer da.

Man mag anmerken, daß die Flip Flops nun nichts anderes sind, als Bastelpastoral im Endstadium. Irgendwie würde mich das sehr irritieren, denn was soll das inhaltlich transportieren?
Eines ist beruhigend, denn es geht nicht mehr tiefer.

Unter den Füßen kommt ja eh nur noch der Sand.

Flip Flops hin – sowas trage ich nicht – Katholikentag her – zu sowas gehe ich nicht. Eines steht fest: An meine Füße kommen nur italienische Schuhe.

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Peter Winnemöller

Journalist, Blogger
katholisch
immer neugierig
Leseratte
seit einer gefühlten Ewigkeit im Internet unterwegs

(Der kleine Senator steht für meinen seit Beginn der Internetzeit verwendeten Nickname Cicero und ist ein Geschenk des Illustrators Peter Esser)

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