Klar geht das

20160423_164317Mit den Worten „Synode geht“ stellte der Bischof von Trier fest, daß man eine Synode machen kann. Warum auch nicht? Die viel größere Frage ist, was eine solche Synode denn eigentlich nützt und noch mehr, wem sie denn nützt. Der Vorsitzende des „ZdK“ sieht die Synode von Trier als modellhaft auch für andere Bistümer an und plädiert dafür, daß der rechtliche Rahmen verändert wird, so daß es auch wieder bundesweite Synoden geben könne. Der Dialogprozeß der DBK hat ja gerade erst seinen Abschluß gefunden und es ist geplant, mit Gesprächen alle zwei bis drei Jahre fortzufahren.

Da wird dann auch sehr schnell ersichtlich, wem Synoden auf Bistums- oder Bundesebene nützen. Während Katholiken in den Gemeinden von solchen Veranstaltungen kaum bis gar nicht Notiz nehmen, sieht man das in Funktionärskreisen ganz anders. Stetiger Dialog höhlt den Stein, so könnte man die Haltung wohl umschreiben. Man will etwas verändern. Ganz konkret: Man will die Kirche verändern.

Doch nicht nur die Kirche, sondern das Fundament der Lehre steht im Fokus der Laienfunktionäre. Ganz im Sinne der Agenda, die das Memorandum 2011 und andere Dokumente eröffnet haben, geht es um nicht mehr und nicht weniger als um eine andere Kirche. Die Agenda ist bekannt. Die Ehelehre der Kirche soll entsprechend dem Zeitgeist modifiziert werden. Nicht mehr ein unauflösliches Sakrament soll die Ehe sein, sondern ein weltlich Ding. Man kann sie schließen und lösen, wie es einem beliebt und es gibt keine kirchlichen Konsequenzen mehr daraus. Ganz so mutig war man in Trier nicht. Die Synodalen wollten den Auftrag, eine Segensformel für wiederverheirat Geschiedene zu erarbeiten, ins Synodenpapier schreiben. Der Bischof bat darum, diese Formulierung „offener“ zu fassen. Man habe keine Kompetenz dazu, lautete die Begründung. Man müßte schon sehr naiv sein, wollte man bezweifeln, daß es in ein paar Jahren in Trier eine solche Segensformel geben wird. Stetiger Dialog … der Stein ist bereits hohl.

In Trier wird es nun zu einer radikalen Reduzierung der Pfarreien kommen. Das ist ein Ergebnis der Synode. Statt rund 900 Pfarreien werden es noch rund 60 sein. Wozu braucht es da eine Synode? Jeder Bischof ist in der Lage ein Zirkumskriptionsgesetz zu erlassen, in dem er die geographische Lage und Ausdehnung der Pfarreien in seinem Bistum umschreibt. Ein paar staatskirchenrechtliche Implikationen mögen hier und da noch zu beachten sein. Doch das war es dann auch schon. Auch das ist Synode: Unangenehme Entscheidungen, die zu treffen im Grunde in der Verantwortung des Bischofs liegt, schiebt man so nach unten ab. So nutzt man die Laien aus.

Auf diese beiden Aspekte läßt dann jeder synodale oder dialogische Prozeß reduzieren. Da geht es zum einen um Modifikation der Lehre durch schleichende Aufweichung in Richtung Zeitgeist. Zum anderen geht es um teilweise wirklich schwierige Entscheidungen, wie die sterbende Volkskirche in ihrem Sterbeprozeß zu begleiten ist. Erstaunlicherweise geschieht letzteres mit einer unglaublich propagandistisch daher kommenden Aufbruchsrhetorik. Das ist nicht weiter verwunderlich, denn es soll ja zumindest den Teilnehmern vermittelt werden, man müsse nur genug an den Strukturen verändern, dann werde die Kirche schon wieder Relevanz gewinnen.

In der veröffentlichten Wahrnehmung verschanzen sich derartige synodale oder dialogische Prozesse ganz und gar hinter der Pastoral. Man will die Laien stärken. Tolle Idee, denn die Laien in der Kirche schwächeln gewaltig. Der Glaube schwindet mit zunehmender Geschwindigkeit. Statt eines pastoralen Prozesses wäre da doch eher eine katechetischer Prozeß angezeigt. Doch weit gefehlt. So will die Synode von Trier dem Bischof ans Herz legen, vom „einzelnen her zu denken“. Gut, das kann man tun. Vor allem im Beichtstuhl und im Seelsorgegespräch ist es angezeigt, ganz und gar vom einzelnen her zu denken. Doch was hat das mit der Pastoral zu tun? Vom einzelnen her denken heißt dann, dem Individualismus unserer Gesellschaft Rechnung tragen, indem man nicht mehr den Glauben der Kirche, d.h. die Lehrtradition als Maßstab nimmt, sondern das ganz individuelle Weltbild des einzelnen für diesen einzelnen als normativ anzuerkennen. Dann gibt es eben so viele Lehrtraditionen, wie es Katholiken gibt. Was interessiert der Glaube der Kirche, was stört uns das Credo?

Am Ende dieser Prozesse stehen dann immer mehr oder weniger dicke Papiere. Vollmundige pastorale Bekenntnisse werden abgelegt und sind schon Makkulatur, wenn sie gedruckt sind. Die Halbwertzeit dieser Beschlüsse nimmt mit rasender Geschwindigkeit ab.

Tatsächlich ist es sehr wahrscheinlich, daß wir in den kommenden Jahren noch eine Fülle von Synoden, pastoralen Prozessen, Dialogveranstaltungen und ähnlichem erleben werden. In jedem dieser Dokumente werden wir haufenweise schwammige Formulierungen finden, die in einer sozialpädagogisch anmutenden Sprache verfaßt sind und deren Aussagewert gegen Null geht. Von diözesanen und überdiözesanen Versammlungen verfaßte Papiere dieser Art sollen dann in der jeweiligen Diözese oder auch bundesweit „angeeignet“ werden. Dazu müßte man sie allerdings zuerst einmal lesen. Schon das passiert kaum noch.

Es gibt allerdings eine Gruppe, die das tut. Es sind eben jene, die selber derartige Dokumente verfassen. Auf der Ebene der katholischen Laienfunktionäre haben diese Papiere Hochkonjunktur. Man hat verstanden, daß man damit die Öffentlichkeit auf die Kirche aufmerksam machen kann. Damit wächst allerdings nicht das Interesse am Glauben der Kirche, damit wächst das Bestreben, die Kirche noch mehr der Gesellschaft anzupassen. Es wächst das Interesse, noch mehr Einfluß in der Kirche zu gewinnen. Da geht es um nichts anderes als um Machtinteressen und um wirtschaftliche Interessen. Die Kirche hat Geld, viel Geld. Mit diesem Geld werden Stellen besetzt, Projekte bezahlt und lukrative Aufträge vergeben. Keiner dieser Prozesse kommt ohne Agenturen, ohne Consultingpartner oder ohne Organisationsberater aus. Da ist viel zu holen. Je mehr Dialoge, Synoden oder pastorale Prozesse, umso mehr Geld ist zu vergeben. Auch dieser Aspekt spielt eine nicht unbedeutende Rolle. Um das zu erreichen setzt man darauf, daß die ehrenamtlichen Teilnehmer mit einem schönen Hotelzimmer, einem guten Essen und dem Gefühl wichtig zu sein, bestens zufrieden gestellt sind.

Synode geht. Und Synode wird noch oft und lange gehen. Wir werden in den kommenden Jahren eher eine Zunahme als eine Abnahme erleben, denn man kann es sich leisten und es bringt positive Publicity.

Was auf der Strecke bleibt und vor allem wer auf der Strecke bleibt, sind der Glaube, die Katechese und die normalen gläubigen Katholiken in den Pfarreien, die keinem Gremium oder Verband angehören. Sie interessieren sich zumeist nicht sonderlich dafür. Ja selbst die auf unterster Ebene verabschiedeten Pastoralkonzepte lesen sie nicht. Sie reiben sich nur verwundert die Augen, wenn schon wieder eine Messe in ihrer Pfarrei gestrichen wird. Und das Streichkonzert wird noch lange, lange Zeit nicht verklingen.

Synode geht. Dialog geht. Pastoraler Prozeß geht.

Für normale Seelsorge fehlen uns leider bald die personellen Kapazitäten. Wir bitten um Verständnis.

 

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Peter Winnemöller

Journalist, Blogger
katholisch
immer neugierig
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seit einer gefühlten Ewigkeit im Internet unterwegs

(Der kleine Senator steht für meinen seit Beginn der Internetzeit verwendeten Nickname Cicero und ist ein Geschenk des Illustrators Peter Esser)

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