Wenn zwei das Gleiche tun

euronendann ist das lange noch nicht gleich. Dies gilt jedenfalls uneingeschränkt in der öffentlichen Wahrnehmung. Wenn ein Bistum für den Bau resp. Umbau seines neuen  Ordinariatgebäudes 17,5 Millionen Euro mehr ausgibt, als die ursprüngliche Planung vorsah, dann ist deutlich weniger, als wenn ein Bischof für den Bau eines neuen Bischofshauses 2 Millionen (lt. Prüfbericht der Kommission) zu viel ausgibt.

Wenn ein Bistum ein Gebäude für ein neues Ordinariat kauf, umbaut und dafür den sagenhaften Betrag von 145 Millionen Euro aufwendet, weil es repräsentatives Gebäude in einer 1a- Lage in der Innenstadt von München gerade gut genug ist, dann ist das deutlich günstiger (für die veröffentlichte Meinung) als wenn ein Bischof in einer Provinzstadt, die zufällig Bistumsstadt geworden ist, 34 Millionen für ein bauliches Ensemble ausgibt, das recht bescheiden in den Domberg duckt.

Nun ist wahrlich nicht alles, was hinkt, gleich auch ein Vergleich. Man kann nicht den einen Fall gegen den anderen aufwiegen. Doch muß im Falle des Erzbistums München festgestellt werden, daß eine rege Kauf- und Baulust nicht geleugnet werden kann. Da wird mal schnell das Palais des Erzbischofs im Jahr 2012 für 8,7 Millionen renoviert. Man kauft sich ganz fix einen Palazzo in Rom. Das macht mal ganz fix (Kauf, Sanierung und Umbau) 15 Millionen. Und nun ein Ordinariat für 145 Millionen. Nebenbei wird der Freisinger Domberg umgestaltet. Gebäude, in denen bislang Teile des Ordinariats untergebracht waren werden künftig auch saniert werden. Seit 2009 ist die Münchner Frauenkirche eine Dauerbaustelle. Kosten noch unbekannt.

Da kommt was zusammen und so manch ein Bischof wäre jetzt schon ein Protzbischof oder ähnliches. In München bleibt man entspannt. Da wird nichts passieren. Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, der zugleich auch Erzbischof von München und Freising ist, kann es sich leisten. Das gilt sowohl finanziell, denn es gab bei all den Ausgaben, die ja letztendlich als Investitionen die Bilanz eher aufpeppen, keine Proteste. Auch der Bistumshaushalt kommt kerngesund daher. Das gilt aber auch in Bezug auf die veröffentlichte Meinung. Der Kardinal in München versteht das Spiel mit den Gremien, den Medien und dem Mainstream. Man kann es schaffen, in einem barocken Adelspalais zu residieren und dabei die Armut zu predigen. Man kann es schaffen, den Papst der Armen zu beraten und dabei natürlich ohne Brokat und Spitze aufzutreten. Dabei lebt gerade Bayern von barocker Pracht, die wird im (wahl-)heimischen Gefilde dann auch gerne bedient. Da ist das Rochett des Kardinals dann auch schon mal aus geklöppelter Spitze. Gleiches gilt für Besuche in der westfälischen Heimat. Man gibt sich volkstümlich.

Bauen kann also nur der, der das Spiel der Balance zwischen Gremien, Medien und gesellschaftlichem Mainstream beherrscht. Dann darf es auch mal etwas mehr sein. Wer dieses Spiel nicht beherrscht, wer gegen den Stachel löckt und den gesellschaftlichen Mainstream herausfordert, stolpert über Geld, Bauten und Worte. Das sollte man wissen. Es ist auch nicht ganz ungeschickt, den Generalvikar den neuen Ordinariatsbau vorstellen und die Zahlen verkünden zu lassen. Dann kommt der Bischof damit öffentlich nicht in Berührung. Die Mitarbeiter im Ordinariat werden sich über ein schönes Gebäude mit modernen Möbeln und neuester Technik sicher freuen. Das sollte man ihnen gönnen.

 

 

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Peter Winnemöller

Journalist, Blogger
katholisch
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(Der kleine Senator steht für meinen seit Beginn der Internetzeit verwendeten Nickname Cicero und ist ein Geschenk des Illustrators Peter Esser)

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