Facebook löscht

Facebookprofil

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Das soziale Netzwerk Facebook ist ein Unternehmen, welches darauf abzielt Gewinne zu erzielen. Zu diesem Zweck bietet es den Nutzern eine Onlineplattform an, auf der diese ihre Inhalte teilen und verbreiten können. Des weiteren bietet Facebook die Dienstleistung an, sich auf der Plattform mit anderen persönlich zu vernetzen. Das kann man tun, indem man Facebookfreundschaften knüpft, sich in Gruppen zusammen schließt oder im Facebookchat kommuniziert. Die Nutzer bezahlen für diese Dienstleistung nicht mit Geld, sondern mit ihren Daten. Facebook wertet diese Daten aus und vermarktet sie. Dabei hat Facebook das Bestreben, dem Nutzer ein optimales Facebookerlebnis zu vermitteln. Wer sich auf Facebook wohlfühlt, verbringt dort mehr Zeit und wer dort mehr Zeit verbringt, teilt mehr Inhalte, liefert Facebook mehr Daten und sieht mehr Werbung. Mit letzterer, nämlich Werbung, die Facebook verkauft und auf Basis der ausgewerteten Daten möglichst genau auf den Nutzer zuschneidet, verdient Facebook sein Geld. Mit diesem Konzept ist das soziale Netzwerk Facebook derzeit die auch wirtschaftlich erfolgreichste Plattform weltweit.

Damit das so bleibt und Facebook auch künftig Zugang zu möglichst vielen Märkten hat, d.h. in vielen Staaten aktiv sein kann, kooperiert das Unternehmen mit den jeweiligen Staaten resp. deren Regierungen. Auch wenn die Welt inzwischen global ist und auch wenn man das Internet als solches von Seiten einer Regierung nicht kontrollieren kann, ist die Konzentration der Internetaktivitäten der Nutzer auf eine Plattform für die Staaten vorteilhaft. Um nun Inhalte zu steuern, von Zensur sei hier gar nicht die Rede, reicht es aus, diese Inhalte auf eben jener Plattform mit nahezu Monopolstellung zu platzieren oder zu verbannen. Kurz gesagt, was nicht auf Facebook ist, das existiert für viele einfach nicht.

In gleicher Weise ist eine Plattform wie Facebook für Nachrichtendienste jeglicher Art ein gefundenes Fressen. Will man wissen, was jemand denkt, reicht es einen klugen Algorithmus über die Seite laufen zu lassen. Dabei ergeben sich Kontakte ebenso wie perönliche und politische Präferenzen. Erlaubt der Betreiber der Plattform darüber hinaus noch einem solchen Dienst den Zugang zu seinen Datenbanken, können Big Data- Anwendungen gleich ein rasiermesserscharfes Profil erstellen. Denn der Konzern Facebook sammelt ja nicht nur die Daten, die die Nutzer unmittelbar der Plattform zur Verfügung stellen sondern aus noch sekundäre Daten von allen Webseiten, die ihrerseits Facebook über Likebuttons Zugang auf die Daten ihrer Nutzer gewähren. Zusätzlich kommen noch verschiedene Trackingmöglichkeiten hinzu, so daß ein Nutzer, der in einem Onlineportal Bücher kauft während er bei Facebook eingeloggt ist, auch diese Information indirekt an den Datenriesen weiter gibt. Facebook selber personalisiert diese Daten nicht, denn die Kosten für diesen Aufwand wären zu hoch. Facebook will erfolgreich Werbung verkaufen und dazu reicht es aus Nutzerverhalten statistisch zu erfassen und auszuwerten. Die eingeblendete Werbung trifft genau hinreichend gut, wenn der Datenbestand eine präzise Analyse erlaubt.

Die viel grundsätzlichere Gefahr bei einem Datenstaubsauger wie Facebook ist die grundsätzliche Möglichkeit, Daten weiterzugeben, die sich personalisieren lassen. Der Nachteil für Facebook wäre das Risiko eines Datenskandals. Keine Frage, die Praxis personalisierungsfähige Daten an staatliche Einrichtungen mit Nachrichtendienstcharakter weiterzugeben, ist als Gerücht nicht auszurotten. Gelänge der Nachweis, daß dies in großem Umfang passiert, wäre Facebook am Ende. Es mache sich niemand Illusionen, der Markt, auch der Markt für soziale Netze ist hart umkämpft. Die Monopolstellung von Facebook ist nicht in Beton gegossen. Kommt morgen ein Unternehmen mit einer besseren Idee als Facebook, kann FB in zwei Jahren das Schicksal der VZ- Netze erleiden. Die Datenbanken der VZ- Netze dürften einen Wert haben, der gegen Null €uro tendiert. Das nämlich ist auch ein Aspekt von Big Data: Was älter ist als wenige Tage ist wertlos. Trends in der modernen Medien- und Konsumwelt haben immer geringere Halbwertzeiten und somit wird auch das Verfallsdatum von Daten immer kurzlebiger.

Als Riesenunternehmen ist Facebook ein Global Player. Ab einer bestimmten Größe ist ein Unternehmen damit ein Politikum, denn es ist grundsätzlich möglich, mehr Macht zu erlangen als ein Staat oder eine ganze Reihe von Staaten. Diese sind allerdings nicht Willens ihre (legitime) Macht abzugeben und neigen dazu, die Macht von Wirtschaftsunternehmen auf politischem Wege zu begrenzen. Damit geraten sehr große Unternehmen in ein Dilemma. Einerseits könnte sie es vielleicht mit der Staatsmacht aufnehmen, andererseits funktioniert das nur solange der Dollar rotiert. Also versuchen sehr große Unternehmen mit Staaten zu kooperieren. Man erhofft sich davon eine WinWin- Situation. Begrenzte Weitergabe von Daten zur Verbrechensbekämpfung gehört ebenso dazu, wie der jeweiligen Regierung unliebsame Inhalte zu zensieren. Facebook hat dies nun der deutschen Bundesregierung zugesagt. Es werden rund zweihundert Leute zusätzlich eingestellt, die von Prüfalgorithmen ausgeworfene Inhalte nach vereinbarten Richtlinien löschen. Dies ist keine Zensur, da ja nicht der Staat handelt, sondern ein Wirtschaftsunternehmen. Und so wie jeder Blogger entscheiden kann, ob und wenn ja welche Kommentare er auf seiner Plattform wünscht oder duldet, so ist es das Recht von Herrn Zuckerberg dies ebenso zu tun. Ob er das aus privatem Interesse, aus einer Laune oder aus knallhartem kommerziellem Kalkül tut, spielt in der Sache keine Rolle.

Es liegt nun an jedem Nutzer selber, die Entscheidung zu fällen, ob man das Angebot von Facebook weiterhin nutzen möchte oder nicht. Die Nutzung von Facebook kommt auf Basis eines von heute auf morgen zu kündigenden Vertrages zustande. Jeder Nutzer kann (obwohl es etwas kompliziert ist) sein Profil bei FB unmittelbar löschen. Zwar hält Facebook das Profil noch eine Weile aufrecht, um die Rückkehr zu erleichtern (und spielt damit ein wenig mit der zumeist lieb gewonnenen Gewohnheit), doch loggt man sich ein paar Tage nicht ein, ist der Account weg. Die gewonnenen Daten werden zwar sicher archiviert, sind jedoch nach wenigen Tagen die Festplatte nicht mehr wert, auf der sie gespeichert liegen.

Es ist zudem, weil ja „jeder“ auf Facebook ist, die Angst plötzlich abgehängt zu sein, die viele bei dem Netzwerk hält. Das eine sehr subjektive – und beleibe nicht ungewollte – Sicht. Die Welt hat sich vor Facebook gedreht, sie wird sich auch nach Facebook noch drehen. Wer also die Entscheidung fällt, aus FB auszusteigen, muß halt wieder zu Fuß durchs Internet surfen. Das nämlich ist der Kern des ganzen. Facebook macht so vieles im Alltag leichter. Wir lesen was unsere Freunde lesen. Wir hören, sehen, betrachten, klicken … was unsere Freunde klicken. Die Gefahr ist eine Verengung des Blicks, der man nur bewußt und aktiv entgehen kann. (Man sollte das tun!)

Sollten die Löschaktionen stören oder tatsächlich die eigene Netzaktivität behindern, dann empfiehlt sich die Suche nach einer Alternative. Es gibt, wenn man seinen Freundeskreis mitnimmt, noch sehr viele andere Möglichkeiten der Vernetzung im Internet. Solange es nicht stört, kann man die Vorteile von Facebook weiter nutzen. Es wird abzuwarten sein, ob auf Facebook künftig bestimmte Meinungen gelöscht werden. Nach den Erfahrungen der letzten Jahre wird es sich vermutlich um ein paar kosmetische Aktionen handeln. Die politische Welle jedenfalls, die Bundesdressmanjustizminister Maas um vermeintliche oder echte Hasskommentare macht, wird FB vermutlich ohnehin nicht mitmachen. Wer beim Facebooksupport z.B. Mordaufrufe gegen Christen oder pädophile Inhalte meldet, bekommt jedenfalls eine Abfuhr. D.h. der Support teilt einem mit, der gemeldete Inhalt verstoße nicht gegen die Gemeinschaftsstandards.

Es gilt also nüchtern zu beobachten und seine Schlüsse aus der Wirklichkeit zu ziehen. Es ist nicht sinnvoll schon aufgrund vollmundiger politischer Ankündigungen in Panik zu verfallen.

 

 

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Peter Winnemöller

Journalist, Blogger
katholisch
immer neugierig
Leseratte
seit einer gefühlten Ewigkeit im Internet unterwegs

(Der kleine Senator steht für meinen seit Beginn der Internetzeit verwendeten Nickname Cicero und ist ein Geschenk des Illustrators Peter Esser)