Zeigt her eure Füße

DSCF9937Nun dürfen auch Frauen die Füße gewaschen werden. Ganz offiziell! Ganz rituell! Der Papst hat die einschlägigen liturgischen Vorschriften geändert und damit einmal wieder bewiesen, daß er ohne viel Federlesens darum zu machen Gesetze ändert. Hatten sich in den vergangenen Jahren besonders traditionelle Kreise darüber mokiert, daß Papst Franziskus mit der Tradition seiner Vorgänger gebrochen hat und Männern und Frauen im Gefängnis am Gründonnerstag die Füße gewaschen hat, so kann jetzt keiner mehr meckern. Es ist ab sofort alles rite et recte.

Der Papst hat erneut gezeigt, was er auf unsere europäischen Traditionen gibt: Nichts. Das schwache europäische Christentum hat weder Strahlkraft noch die Kraft, den Papst an seine Traditionen zu binden. Sie kümmern ihn nicht. Er wohnt nicht, wo ein Papst zu wohnen hat, er spricht nicht, wie ein Papst zu sprechen hat, er fährt nicht das Auto, das ein Papst zu fahren hat und er tut nicht, was ein Papst dem Protokoll entsprechend zu tun hat. Fertig. Er ist der Papst und der Papst ist in seiner Amtsführung völlig frei. Sollte der Papst morgen festlegen, daß Priester bei der Messe Kartoffelsackalben zu tragen haben, dann ist das so. Ende. Arme Kirche der Armen.

Arme europäische Kirche. Da haben wir rund 1,7 Jahrtausende diesen Kontinent und rund fünfhundert Jahre von diesem Kontinent die Welt dominiert. Auch die europäische Kirche hat die Kirche in der Welt dominiert. Dabei haben wir nicht nur den Glauben an Christus in die Welt getragen, wir haben zudem eine ganze Reihe an Traditionen entwickelt, die uns lieb und wert sind.

Uns, damit sind die gemeint, die in Europa immer noch zur Kirche stehen, die den Glauben hochhalten und für Wahrheit in der Boxring der veröffentlichten Meinung springen. Das, was uns lieb und wert ist, woraus wir (auch) geistliche Kraft ziehen, bewegt den Papst nicht sonderlich. Er hat unseren Bischöfen und damit auch uns gesagt, wie er unsere Kirche sieht. Er hat es, nimmt man es ganz genau, den Bischöfen nicht einmal gesagt. Er hat ihnen einen Zettel in die Hand gedrückt und sie nach Hause geschickt. So wie man unartige Schulbuben mit einer Strafarbeit nach Hause schickt. Auf dem Zettel steht eine Menge drauf, was wie Hausaufgaben aussieht. Der Papst als guter Lehrer weiß genau, daß niemand von den reichen, verwöhnten und verweltlichten Schülern aus Deutschland sich um diese Hausaufgaben kümmern wird. Was kümmert also den Papst das, was uns noch was wert ist? Schwache, verweltlichte, verweichlichte Kirche, die wir sind müssen wir erst einmal wieder Christus in die Mitte stellen und verkündigen.

In der Tradition der Befreiungstheologie und durchaus nach Ansicht einiger Exegeten ist die Fußwaschung der Auftrag Jesu an die Jünger den armen Brüdern und Schwestern zu dienen. Man könnte gewissermaßen sagen, daß der Herr mit der Fußwaschung den Diakonat eingesetzt hat. Während die Einsetzungsworte die Apostel zum priesterlichen Dienst beauftragt haben, liegt hier die Aufgabe zur Diakonie. Recht früh in der Kirche hat sich das dreigliedrige Weiheamt Diakon – Priester – Bischof entfaltet. Beachtenswert ist, daß jede der Weihestufen die vorherige(n) einschließt. Der Priester ist auch Diakon und bleibt Diakon, wenn er zum Priester geweiht wird. Gleiches gilt für den Bischof, der auch Priester und Diakon ist. Früher wurde dies deutlich, indem der Bischof auch die Gewänder des Diakons bei liturgischen Handlungen trug.

Da also die europäische Tradition die Fußwaschung am Gründonnerstag eher im Zusammenhang mit der Einsetzung der Eucharistie und des Priestertums sieht, ist es logisch, daß hier nur symbolisch Männern die Füße gewaschen werden. Nimmt man die Deutung, die der Papst aber auch viele europäische Theologen vertreten, so ist es im Grunde logisch, daß sowohl Männern als auch Frauen die Füße gewaschen werden. Und es sollten wirklich arme Männer und Frauen sein, denn es ist der Caritasdienst der Kirche, der sich hier auf Ursprünge zurück führt.

Mögen wir nun, die wir mal wieder einer unserer liebgewonnenen Traditionen beraubt worden sind, Zeter und Mordio schreien. Den Papst schert das nicht. Er hat ein Gesetz erlassen und das gilt. Das Geschrei des alten und schwächlich gewordenen Europa hören sowieso nur wir selber.

Lassen wir das Geschrei um die Fußwaschung. Kümmern wir uns lieber darum, daß in Europa das Christentum wieder stark wird. Und wer ganz ehrlich zu sich selber ist, ist denn diese Fußwaschung nicht schon längst zu einem Jahrmarkt der Eitelkeiten verkommen? Da werden die blitzblanken Füße von Honoratioren mit Wasser beträufelt und abgewischt. Ja und in deutschen Gemeinden wurde auch Frauen die Füße gewaschen, schon lange vor dem neuen Gesetz von Papst Franziskus. Wenn das die schlimmste liturgische Verfehlung in unseren Gemeinden wäre, könnte man damit sofort einverstanden sein. Da wir eh‘ keine Filiale von Rom sind, haben wir in der Vergangenheit gemacht, was wir wollten und das wird sich vorläufig nicht ändern. Also mag die Füße waschen, wer wem die Füße waschen will. Und wo sich jemand an die alte Tradition halten will, zwölf Männern die Füße zu waschen, wer sollte ihn hindern?

Genug gemault. Manchmal hätte man sich gewünscht, Papst Benedikt XVI. wäre genauso fix und rigoros mit dem Erlaß oder der Änderung von Gesetzen gewesen. Doch Papst Benedikt XVI. war damit sehr zurückhaltend. Leider. Doch Papst Benedikt XVI. war der sensible einfühlsame Lehrer, der auf Einsicht und Vernunft der Schüler setzt, nicht auf Gesetze. Papst Franziskus nimmt diese Rücksichten eben nicht. Er ist ein durch und durch monarchischer Papst mit einem sehr autoritären Führungsstil. Doch das wissen wir ja nicht erst seit gestern.

 

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Peter Winnemöller

Journalist, Blogger
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(Der kleine Senator steht für meinen seit Beginn der Internetzeit verwendeten Nickname Cicero und ist ein Geschenk des Illustrators Peter Esser)