Über das Arschloch lachen

Die Entgleisung von Peter Tauber, der einen Kommentator auf seiner Facebookseite als Arschloch bezeichnete, sorgt für reichlich Empörung. Gute Kinderstube erweist man so nicht. Doch Politik ist kein Mädchenpensionat. Wer die Hitze nicht verträgt, sollte die Küche meiden. Es gibt keinen Grund, die Aufregung darüber allzu sehr in die Höhe zu treiben. Am besten lachen wir darüber. Denn der Tauber ist ja auch nur ein [hier beliebiges Schimpfwort einsetzen].

Natürlich bietet es sich an, den Vorfall politisch – eben auch in den Medien – auszuschlachten. Ein Berufspolitiker beschimpft den Souverän. Aber ist das so neu? Was muß man sich auf Wahlkampfreden alles anhören. Da wird der politische Gegner gerne mal geschmäht, nieder gemacht und auch beleidigt. Dessen Wähler trifft es natürlich gleich mit. Das ist Bestandteil demokratischer (Un-)Kultur. Eine andere Frage ist, was das über die Demokratie an sich aussagt. Muß doch, wer ein Mandat haben will, von sich reden machen, am besten laut und unüberhörbar. Inhalte spielen allenfalls die zweite Geige. So geht das.

Eine andere Frage, jenseits von Politik, ist es, ob man so etwas darf. Also mal so rein moralisch gesehen, tut er das Richtige, wenn er Fäkalsprache nutzt? Man sollte nicht vergessen, in seiner Rechtfertigung schrieb der CDU-Politiker, daß er ja zu den Guten gehöre. Merke: Der Gute darf „Arschloch“ sagen, der Böse nicht. Als selbsternannter Guter ist der Rechtfertigung damit Genüge getan. Er darf.

Aus  der Sicht des Betroffenen mag sich das ganz anders darstellen. Wer öffentlich als Arschloch tituliert wird, hat in Deutschland die Möglichkeit, diese Beleidigung zu Anzeige zu bringen. Ob so etwas strafrechtlich verfolgt wird, ist eine ganz andere Frage. Aber immerhin schützt das Recht in Deutschland Menschen davor, als Arschloch bezeichnet zu werden. Ganz gleich, ob es nun zu einer strafrechtlichen Verfolgung kommt oder nicht, rechtlich gesehen ist es falsch, einen anderen Menschen als Arschloch zu titulieren. Dabei macht unser Strafrecht keine Unterschiede zwischen Guten und Bösen.

Als Kinder hatten wir eine ganz eigene Lösung dafür:

Wer es sagt ist es selber …

Bleibt noch die Frage der – man nannte das früher mal so – guten Kinderstube. In der Diskussion die Haltung zu verlieren und dann Fäkalsprache zu benutzen, ist ein Zeichen mangelhafter Erziehung und Selbstbeherrschung. Das ist Fakt. Mit einem solchen Mangel an Contenance konnten allerdings auch in früheren Zeiten CDU- Generalsekretäre aufwarten. Immerhin ist dies der Job des ersten hauptamtlichen Wadenbeißers in der Parteizentrale. Der Beißreflex sollte allerdings in Richtung des politischen Gegners gerichtet sein. Diese gehen uns Dank alternativloser Großkoalitionierung des Landes mehr und mehr aus. Da wundert es nicht, wenn es den Souverän am Beine trifft. Der Tauber ist damit nicht allein. In letzter Zeit hagelte es von anderen Spitzenpolitkern auch schon mal „Dumpfbacken“ und „Pack“ in Richtung Wähler. Besonders einfallsreich sind sie ja nicht. Nicht einmal in dieser Hinsicht. Aber sie haben Problem … und zwar alle:

Wen soll man denn noch beschimpfen, wenn man im politischen Alltag mit allen kuscheln muß?

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Peter Winnemöller

Journalist, Blogger
katholisch
immer neugierig
Leseratte
seit einer gefühlten Ewigkeit im Internet unterwegs

(Der kleine Senator steht für meinen seit Beginn der Internetzeit verwendeten Nickname Cicero und ist ein Geschenk des Illustrators Peter Esser)

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