Adlerauge sei wachsam: Omerta in Köln?

Adlerauge sei wachsam!

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In der Silvesternacht kam es am Hauptbahnhof in Köln zu massiven Übergriffen und sexuellen Belästigungen. Die Rede ist inzwischen von über 80 Fällen, darunter eine Vergewaltigung. Als Täter werden in unterschiedlichen Medien Nordafrikaner oder Araber genannt. Es sollen über hundert, an anderer Stelle ist von mehreren hundert die Rede. Heute ist der 4. Januar 2016, d.h. die Vorfälle liegen inzwischen drei Tage zurück. Drei Tage, in denen in überregionalen Medien so gut wie nichts darüber zu lesen war. Noch am 1.1.2016 war auch von der Polizei in Köln nichts von den Vorfällen zu hören. Erst heute redete der Polizeipräsident von Köln auf einer Pressekonferenz Klartext. Inzwischen haben alle großen Medien den Fall aufgegriffen und berichten. Bei einer so massiven sexuellen Belästigung von Frauen könnte man einen Aufschrei erwarten, gegen den die Aktion gegen Brüderle ein leises Wispern war, doch auch hier: Fehlanzeige.

Was läuft da eigentlich falsch? Es kann nicht sein, daß sich nach einem solchen Vorfall eine mafiagleiche Omerta ausbreitet. Etwa nur weil man die Herkunft der Täter nicht bekannt geben will? Im Zeitalter von sozialen Medien ist dies Schweigen leichter zu brechen als in früheren Jahren. Doch auch dort gab es Widerstand gegen die Veröffentlichung. An einigen Stellen wurden Postings von Augenzeugen gelöscht. Funktioniert hat die Schweigespirale in diesem Fall nicht. Dem Vertrauen gedient ist damit auch nicht.

Es ist besser, wenn offen und ehrlich berichtet wird. Die Wahrheit wird sicher verstören. Wie soll es nicht. Mindestens 80 Frauen sind mitten in Deutschland in einer Großstadt durch die Hölle gegangen und die psychischen Folgen kann noch niemand abschätzen. Es muß an die Öffentlichkeit und es muß jetzt untersucht werden, wie das passieren konnte. Die Polizei ist jetzt zunächst einmal in der Pflicht, den Ermittlungsdruck auf Maximum zu erhöhen und die Justiz hat die Straftäter angemessen zu verurteilen.

Dabei darf nicht vergessen werden, zu untersuchen, ob und welche Fehler und Versagen der Sicherheitsbehörden es gegeben hat. Man mache sich nichts vor, einen ungefährlichen Großstadtbahnhof gibt es nicht. Hier treibt sich immer finsteres Gelichter herum. Das weiß die Polizei, das weiß jeder, der öfter da durch muß. Mit etwas Klugheit und Vorsicht allerdings kann man sich da zumindest für die Wartezeit auf den nächsten Zug aufhalten. Immer im Hellen bleiben, immer Menschen in der Nähe behalten,  dunkle Ecken meiden und um alle, die einem unheimlich vorkommen einen Bogen machen, dann geht das schon. Doch das alles nützt nichts, wenn ein krimineller Mob die Oberhand gewinnt und die Sicherheitskräfte durch Abwesenheit glänzen.

Wenn es allerdings nicht mehr möglich sein sollte, in Deutschland einen Bahnhof aufzusuchen und wenigstens ein Mindestmaß an Sicherheit und öffentlicher Ordnung vorzufinden, ist das ein Alarmsignal, das weder von der Politik noch von den Ordnungsbehörden ignoriert werden darf. Werden nicht die entsprechenden Konsequenzen gezogen und wird nicht entschlossen gehandelt, treibt ein solcher Vorfall ohnehin schon mißtrauische Menschen in Scharen in die Arme politischer Rattenfänger. Der demokratische Rechtsstaat, der nicht mehr stark und spürbar die öffentliche Sicherheit und Ordnung aufrecht erhalten kann, entzieht sich selbst seine Existenzgrundlage. Selbstjustiz und politische Radikalisierung heißen die Gefahren, die hinter dem Doppelversagen von Sicherheitsbehörden und Presse lauern. Nur entschlossenes Handeln der Verantwortlichen kann das Vertrauen der Bürger wiedergewinnen und bewahren.

Und wenn jetzt eine sagt „Wir schaffen das“, dann werde ich hysterisch!

 

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Peter Winnemöller

Journalist, Blogger
katholisch
immer neugierig
Leseratte
seit einer gefühlten Ewigkeit im Internet unterwegs

(Der kleine Senator steht für meinen seit Beginn der Internetzeit verwendeten Nickname Cicero und ist ein Geschenk des Illustrators Peter Esser)

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