Christfest ohne Christ – Was wäre es ohne ihn?

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Was bleibt von Weihnachten, wenn das Kind nicht in der Krippe liegt?
© Peter Winnemöller 2015

Christfest ist ein alter, heute eher weniger gebräuchlicher Name für Weihnachten. Dabei ist dieser Name doch sehr deutlich, es ist das Geburtsfest Christi, das wir an Weihnachten feiern. Ohne dieses Ereignis, daß die frühe Kirche mitten in den Winter, sehr nahe an die längste Nacht und den kürzesten Tag gelegt hat, wäre Weihnachten gar kein Fest. Es gab gute Gründe, einen Termin nahe der Wintersonnenwende zu nehmen, um die Geburt des Erlösers zu feiern. Mit der Menschwerdung des göttlichen Logos, der zweiten Person der Dreifaltigkeit war der Moment einer Zeitenwende gekommen. Die Erlösung der Menschen, seit dem Sündenfall sehnsüchtig erwartet, wurde nun in Raum und Zeit Wirklichkeit.  In der Krippe bahnt sich an, was am Karfreitag und an Ostern passiert. Mit der Geburt Jesu sind die Weichen gestellt.

Ab jetzt ist alles anders. Das Licht ist in die Welt gekommen, klein, ja geradezu winzig liegt es in einer Krippe in Bethlehem und so klein wie das Kind in der Krippe ist auch noch zunächst das langsam länger werdende Tageslicht. Der Erlöser ist da, die Hoffnung der Menschen wacht auf, so wie die Natur langsam erwacht, wenn die Zeit dem Frühling näher kommt. Ein tiefes und wunderschönes Bild. Es geht um unser Heil, um die Erlösung der Menschen, die den Abstand dieses Grabens, der uns von Gott trennt nicht von sich aus überwinden können. Das und nichts anderes ist der Inhalt des Weihnachtsfestes.

Was aber ist es ohne Christus? Ein Fest der Familie, ein Fest des Friedens, ein Fest des Schenkens. Alles ganz nett, aber welch einen Druck baut das auf? Das perfekte Essen, das perfekte Geschenk, der totale und radikale Familienfriede (meist nur mit geringer Halbwertzeit) alles muß (!!!) passen. Vor dem Fest schon rauscht der Konsum, donnert die Stille Nacht glühweingeschwängert über den Weihnachtsmarkt. In den Tagen kurz vor dem Fest bricht die Panik aus, weil das Geschenk immer noch nicht gekauft ist, die Gans noch bestellt werden muß, der Baum am Ende doch schief ist und die Zweige ungleichmäßig verteilt sind.

Dieses Fest, beraubt man es seines Inhaltes, ist eine Horrorveranstaltung. Diese Tage, feiert man sie nicht primär in der Kirche und erst dann in der Familie, sind ein Gruselkabinett aus Völlerei, Besäufnis und Hardcorekonsum. Nimmt man das Kind aus der Krippe, dann bleibt ein weißer Fleck der Sinnlosigkeit. Es ist einem selbst überlassen, irgendwas aus den Tagen zu machen. An Heilig Abend sind inzwischen die Kneipen nicht nur geöffnet, sondern sie sind rappelvoll. Wie soll man diesen Abend aushalten, wenn man ihn ohne das Christuskind verbringen will? Das geht nur mit Ersatzhandlungen. Im Zweifel also besoffen.

Der Inhalt des Festes, die Geburt Christi läßt sich nicht aus dem Fest herausnehmen. Wir sehen in den letzten Jahren, wie die Tendenz immer weiter fortschreitet. Selbst manch ein Vertreter der Kirche versucht die Wirklichkeit des Festes verkündigungstechnisch zu umschiffen. Fest der Liebe und so … Sicher werden wir auch eine Menge über Flüchtlinge hören. Alles, um ja keinen religiös zu überfrachten. Doch unterirdisch ist nicht niederschwellig. Es wäre schön, die Predigt bei allem Bemühen um Verheutigung nicht mit der Tagesschau oder Panorama zu verwechseln.

Jüngsten Umfragen zu Folge wollen in diesem Jahr gerade einmal noch 40% der Menschen im Land an Weihnachten einen Gottesdienst besuchen. Einen! Wie nett. Christmette, Hochamt am ersten Weihnachtstag, Hochamt am Fest des Hl. Stefanus, als das sind schon mal drei. Und diese drei sind das Minimum für jeden Katholiken zu Weihnachten. Eine Andacht oder eine festliche Vesper machen sich als Ergänzung nicht schlecht. Weihnachten ist ein Fest der Kirche und es wird primär in der Kirche gefeiert. Setzt sich der Trend fort, daß immer weniger Menschen an Weihnachten in der Kirche feiern, dann ist es nur noch eine Frage der Zeit bis das dann nun wirklich unerträglich gewordene Fest abgeschafft wird. Das nämlich ist das Ende der Entwicklung. Ein Fest, dessen Kern man ausweicht, dessen Inhalt immer leerer wird, das will am Ende niemand mehr. Vielleicht noch der Einzelhandel, doch der wird schon eine Alternative finden.

Das Christfest ohne Christus ist dann irgendwann nicht einmal mehr ein Fest.

Da sollte man sich schon mal überlegen, was man eigentlich feiert, solange man noch feiern kann.

(In der Heiligen Nacht wird sich das Fragezeichen auf dem Bild sicher auflösen, wenn man nur aufmerksam genug ist.)

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Peter Winnemöller

Journalist, Blogger
katholisch
immer neugierig
Leseratte
seit einer gefühlten Ewigkeit im Internet unterwegs

(Der kleine Senator steht für meinen seit Beginn der Internetzeit verwendeten Nickname Cicero und ist ein Geschenk des Illustrators Peter Esser)

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