Blockieren ist schon OK

blockiertWer in den sozialen Medien unterwegs ist, sollte sich seine Privacy Einstellungen durchaus ordentlich ansehen. Immerhin ist man da in einer mehr oder weniger großen Öffentlichkeit unterwegs und alles, was man sagt – resp. schreibt – könnte gegen einen verwandt werden. Alles läßt sich mit allem verlinken, zahlreiche Portale, z.B. Twitter und Facebook stellen Einbettungscodes zur Verfügung. Mit der Nutzung der Dienste erklärt man sich damit einverstanden.

Folglich hat man zwei Möglichkeiten. Entweder legt man jedes Wort auf die Goldwaage oder man stellt seine Privatsphäre in den sozialen Medien so ein, wie man auch seine Privatsphäre im realen Leben einstellt. Die Crux der sozialen Medien ist die Nachhaltigkeit und Nachvollziehbarkeit einer unbedachten oder vielleicht auch nur schnodderigen Bemerkung.

Es könnte jemand kommen und eine solche tatsächlich in Form eines Storytellings einbinden. Das ist eine moderne Form von Zitieren. Im Gegensatz zum denunziatorisch benutzten Screenshot, ist der Einbettungscode eine transparente und nachvollziehbare Lösung. Diese funktioniert natürlich nur da, wo die Privacyeinstellungen dies zulassen. Ein kleines bißchen Wilder Westen ist das schon, wenn man in diesen Medien sehr öffentlich auftritt und agiert.

Wer das nicht so kann, sollte strengere Privatsphäreneinstellungen benutzen. Das ist nichts neues. Schon im alten Usenet galt die Warnung: Geh nicht in die Küche, wenn Du die Hitze nicht erträgst. Klare Ansage. Und wer wollte bestreiten, daß es – um im Bild zu bleiben – für jeden von uns eine Form von Hitze gibt, die einem unerträglich scheint.

Da ist es exakt das Mittel der Wahl, unliebsame Zeitgenossen in den jeweiligen Sozialen Medien zu blockieren. Mag mancher jetzt aufjaulen, das gehe doch gar nicht und man müsse doch mit jedem reden können oder vernetzt sein. Nein, muß man nicht. Man geht auch nicht mit jedem in die Kneipe. Noch weniger lädt man jeden zu sich nach Hause ein. Da unterscheiden sich die sozialen Medien in nichts vom wirklichen Leben.

Immer wieder einmal begegnet mir genau jene Empörung, wenn jemand geblockt wurde oder wenn ich davon berichte, dieser oder jener habe mich geblockt. Da weine ich doch keine Träne hinterher. Und zugleich gestehe ich, daß mit jedem Jahr auf Facebook und Twitter meine Blockierlisten immer länger werden. Die Aufregung über so etwas erinnert an die altbekannte Szene in Foren oder Usenetgruppen, in denen jemand – meist nachdem ihm die Argumente ausgegangen sind – dramatisch aufgeladen verkündet: Ich verlasse das Forum! Aus meiner Sicht ist dies eine Aufforderung an den Admin eines solchen den betreffenden Nutzer sofort zu sperren. Wenn dies nicht passiert, passiert folgendes: Ach bleibt doch, bittebittebittebitte … in zigfacher Variation. Ziel erreicht. Vom Thema abgelenkt, Argumente überflüssig, Dialog abgebrochen und doch Sieger.

Nein, das ist der falsche Weg. Man sollte niemandem, der einen in einem sozialen Netzwerk blockiert hinterher laufen oder auch nur eine Träne nachweinen. Die Kommunikation hat doch schon vorher nicht oder nicht mehr funktioniert. Warum dann ein Drama daraus machen? Gleiches gilt für Entfreunden auf FB oder Entfolgen auf Twitter. Niemand kann wirklich 500, 1000 oder gar 5000 Freunde haben. Das sind im besten Falle funktionale, zweckgebundene Kontakte, die ein Interesse an den jeweils geposteten Inhalten haben. Daran ist nichts verwerflich. Ganz im Gegenteil. Und wie aus einer zufälligen Begegnung in einer Kneipe eine langjährige Freundschaft werden kann, so kann dies auch aus einer zufälligen Vernetzung in den sozialen Medien geschehen.

So wie im alltäglichen Leben Kontakte geknüpft und gelöst werden, wie Freundschaften entstehen oder sich Abneigungen bilden, Abgrenzungen nötig sind, exakt so verhält es sich in den sozialen Medien. Wir leben in einem globalen Dorf. Will ich mir nicht ins Wohnzimmer schauen lassen, muß ich die Rolläden an den richtigen Stellen runterlassen. Für viele ist das vielleicht ein schmerzlicher Lernprozeß. In eines sollte man sich niemals hineinreden lassen: Meine Privacy Einstellung (inklusive Blockierliste) gehört mir.

 

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Peter Winnemöller

Journalist, Blogger
katholisch
immer neugierig
Leseratte
seit einer gefühlten Ewigkeit im Internet unterwegs

(Der kleine Senator steht für meinen seit Beginn der Internetzeit verwendeten Nickname Cicero und ist ein Geschenk des Illustrators Peter Esser)

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